# taz.de -- Protestwelle im Iran: Hunderte bis tausende Tote
       
       > Das EU-Parlament verbannt iranische Diplomaten aus seinen Gebäuden. Iran
       > bestellt europäische diplomatische Vertreter ein.
       
 (IMG) Bild: London, 11. Januar: vor der iranischen Botschaft sind menschen mit Nationalflaggen aus der Zeit vor der iranischen Revolution auf Bäume geklettert
       
       ## NGO: Mehr als 648 Tote bei Demonstrationen
       
       Bei der Niederschlagung der Proteste im Iran sind nach den jüngsten Angaben
       einer Menschenrechtsorganisation mindestens 648 Demonstranten getötet
       worden, darunter neun Minderjährige. Einigen Schätzungen zufolge gebe es
       sogar mehr als 6000 Todesopfer, teilte die in Norwegen ansässige
       Menschenrechtsgruppe Iran Human Rights (IHR) am Montag mit. Aufgrund der
       anhaltenden Internetsperre im Iran sei es aber „äußerst schwierig, diese
       Berichte unabhängig zu überprüfen“.
       
       IHR-Chef Mahmood Amiry-Moghaddam rief die internationale Gemeinschaft auf,
       „die zivilen Demonstranten vor den Massentötungen durch die Islamische
       Republik zu schützen“. (afp)
       
       ## EU-Parlament verbannt iranische Diplomaten aus seinen Gebäuden
       
       Angesichts des gewaltsamen Vorgehens gegen Demonstranten im Iran hat das
       EU-Parlament allen iranischen Diplomaten und Vertretern den Zutritt zu
       seinen Gebäuden untersagt. Sie habe beschlossen, „sämtliches diplomatisches
       Personal und alle anderen Vertreter der Islamischen Republik Iran von
       sämtlichen Räumlichkeiten des Europäischen Parlaments auszuschließen“,
       erklärte Parlamentspräsidentin Roberta Metsola am Montag im Onlinedienst X.
       „Dieses Haus wird nicht dazu beitragen, ein Regime zu legitimieren, das
       sich durch Folter, Repression und Mord an der Macht hält“, fügte Metsola
       hinzu.
       
       Angesichts des Kampfes der Menschen im Iran für ihre Rechte und ihre
       Freiheit könne es „nicht einfach weitergehen wie bisher“, schrieb Metsola.
       
       ## Iran bestellt Gesandte Deutschlands, Frankreichs, Italiens und
       Großbritanniens ein
       
       Das iranische Außenministerium hat vor dem Hintergrund der Proteste im Iran
       die diplomatischen Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Italiens und
       Großbritanniens einbestellt. Die Botschafter oder Geschäftsträger seien am
       Montagmorgen von den iranischen Behörden wegen der von ihren Regierungen
       öffentlich geäußerten Unterstützung für die iranischen Demonstranten
       einbestellt worden, berichtete das Staatsfernsehen unter Berufung auf eine
       Erklärung des iranischen Außenministeriums. Teheran forderte die
       Regierungen der vier europäischen Länder demnach auf, ihre „offiziellen
       Erklärungen zur Unterstützung der Demonstranten zurückzuziehen“.
       
       „Wir bestätigen die Einbestellung europäischer Botschafter“, teilte das
       französische Außenministerium der Nachrichtenagentur AFP mit. Das
       Auswärtige Amt in Berlin gab auf Anfrage zunächst keine Stellungnahme ab.
       (afp)
       
       ## Trump: „Der Iran will verhandeln“
       
       Die Massenproteste im Iran setzen die Führung zwei Wochen nach Beginn der
       landesweiten Demonstrationen weiter unter Druck. Die autoritäre Staatsmacht
       ihrerseits reagiert mit aller Härte. Zugleich mehren sich Hinweise auf
       diplomatische Initiativen.
       
       „Der Iran will verhandeln“, sagte US-Präsident Donald Trump, der Teheran
       zuvor mit Einmischung gedroht und den Demonstrierenden seine Unterstützung
       zugesagt hatte.
       
       Nachdem die Unruhen in den vergangenen Nächten eskaliert waren,
       mobilisierte die Regierung am Montag ihre Anhänger zu Kundgebungen in
       mehreren Städten. Seit Donnerstagabend ist der Zugang zum Internet gekappt.
       
       US-Präsident Trump erwägt nach eigenen Angaben, die Demonstranten mit
       Satelliteninternet zu unterstützen. Dazu kündigte er ein Gespräch mit
       Tech-Milliardär Elon Musk an, dessen Firma SpaceX den Dienst Starlink
       betreibt. (dpa)
       
       ## China spricht sich gegen Intervention im Iran aus
       
       Das chinesische Außenministerium hat sich gegen eine Intervention im Iran
       ausgesprochen. Peking lehne Gewalt in den internationalen Beziehungen ab,
       erklärte Außenamtssprecherin Mao Ning am Montag.
       
       Die Volksrepublik hoffe darauf, dass es der iranischen Regierung und dem
       Volk gelingen werde, die „derzeitigen Schwierigkeiten zu überwinden und die
       nationale Stabilität zu wahren“.
       
       China lehne Einmischungen von außen in die inneren Angelegenheiten anderer
       Länder stets ab. Die Souveränität und Sicherheit aller Länder müsse gemäß
       dem Völkerrecht uneingeschränkt geschützt werden. (ap)
       
       ## Unterstützer der Regierung gehen im Iran auf die Straßen
       
       Nach zweiwöchigen landesweiten Protesten gegen die iranische Theokratie hat
       die Regierung mit einem Demonstrationsaufruf mutmaßlich Zehntausende
       Unterstützer mobilisiert.
       
       Das Staatsfernsehen zeigte am Montag Aufnahmen von Menschenmassen, die in
       der Hauptstadt Teheran zum Enghelab-Platz strömten, auch bekannt als Platz
       der Islamischen Revolution. (ap)
       
       ## NGO: Internet-Sperre dauert drei Tage an
       
       Im Iran dauert die im Zuge der Proteste gegen die staatliche Führung
       verhängte Internetsperre auch nach mehr als dreieinhalb Tagen an. Am Morgen
       hätten Messungen ergeben, dass die landesweite Internetsperre die Marke von
       84 Stunden überschritten habe, erklärte die Organisation Netblocks am
       Montag im Onlinedienst X.
       
       Netblocks wies jedoch darauf hin, dass diese Sperre etwa über
       Kurzwellenradio, eine Mobilfunkverbindung in Grenznähe, das
       Satellitennetzwerk Starlink oder Satellitentelefone umgangen werden könne.
       
       Die Proteste im Iran hatten sich Ende Dezember am Zorn über die schlechte
       Wirtschaftslage entzündet. In der Nacht zum Freitag gab es im Iran die
       bisher größten Demonstrationen seit Beginn der Protestwelle. In mehreren
       Städten richteten Demonstrierende wütende Slogans gegen die religiöse und
       politische Führung des Landes. Die Behörden schalteten daraufhin landesweit
       das Internet ab. Ungeachtet dessen fanden auch in den folgenden Nächten
       weitere Proteste statt. (afp)
       
       ## Minister: Situation im Iran „vollständig unter Kontrolle“
       
       Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hat die eskalierende Gewalt bei
       den Protesten in der Islamischen Republik als Vorwand für eine
       US-Intervention bezeichnet. Die Demonstrationen seien „gewaltsam und
       blutig“ geworden, um US-Präsident Donald Trump einen Vorwand zu liefern,
       einzugreifen. Die Situation sei aber nun landesweit „vollständig unter
       Kontrolle“, erklärte er am Montag. Über seine Äußerungen vor ausländischen
       Diplomaten berichtete der von Katar finanzierte Sender Al-Dschasira, der
       trotz Internetblockaden weiter aus dem Iran berichten darf.
       
       Bei den seit etwa zwei Wochen andauernden Protesten sind nach Angaben von
       Aktivisten bisher mehr als 500 Menschen getötet worden, überwiegend
       Demonstranten. (ap)
       
       ## Iran bestellt britischen Botschafter ein
       
       Nach der Entfernung der iranischen Flagge an der Botschaft des Landes in
       Großbritannien hat die iranische Regierung den britischen Botschafter in
       Teheran einbestellt. Das iranische Staatsfernsehen berichtete am Montag, es
       sei eine Beschwerde über „bestimmte Terrororganisationen“ vorgebracht
       worden, die „unter dem Deckmantel von Medien“ Lügen verbreiteten und Gewalt
       und Terror förderten. In Großbritannien gibt es Büros des persischen
       Dienstes der BBC und des Senders Iran International – beide stehen seit
       langem im Visier des Irans.
       
       Demonstrierende hatten in London zwei Mal die Flagge an der iranischen
       Botschaft heruntergerissen. (ap)
       
       ## Trump: „Der Iran will verhandeln“
       
       Angesichts der Massenproteste im Iran gegen die autoritäre Staatsführung
       erhöht US-Präsident Donald Trump den Druck auf die Islamische Republik.
       „Der Iran will verhandeln“, sagte er an Bord des Regierungsflugzeugs Air
       Force One vor Journalisten. Man werde sich vielleicht mit Vertretern des
       Irans treffen, ein Treffen werde vorbereitet. Angesichts dessen, was im
       Iran passiere, müssten die USA allerdings vielleicht auch vorher handeln,
       warnte Trump mit Blick auf die andauernden Proteste. Worüber der Iran mit
       den USA Gespräche führen möchte, führte der Präsident nicht aus. (dpa)
       
       ## EU-Chefdiplomatin offen für neue Iran-Sanktionen
       
       Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas ist nach eigenen Angaben bereit, neue
       Sanktionen gegen den Iran vorzuschlagen. „Die EU hat bereits weitreichende
       Sanktionen gegen den Iran verhängt – und zwar gegen diejenigen, die für
       Menschenrechtsverletzungen, die Ausweitung des Atomprogramms und für
       Teherans Unterstützung von Russlands Krieg in der Ukraine verantwortlich
       sind. Und ich bin bereit, zusätzliche Sanktionen als Antwort auf die
       brutale Unterdrückung von Demonstranten vorzuschlagen“, sagte sie der
       Zeitung „Die Welt“.
       
       Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dürfte es zunächst vor
       allem um Strafmaßnahmen gegen Verantwortliche für die Gewalt gegen
       Demonstranten gehen – möglicherweise auch gegen Minister. Gegen sie könnten
       EU-Einreiseverbote und Vermögenssperren erlassen werden. Kallas sagte, dass
       die Bürgerinnen und Bürger im Iran alles riskierten, um gehört zu werden.
       „Das Regime hat eine lange Geschichte darin, Proteste zu ersticken, und wir
       sehen eine brutale Reaktion der Sicherheitskräfte.“ (dpa)
       
       ## Video zeigt dutzende Leichen südlich von Teheran
       
       Inmitten der Protestwelle im Iran sind Videoaufnahmen von dutzenden Leichen
       vor einer Leichenhalle südlich von Teheran aufgetaucht. Das von der
       Nachrichtenagentur AFP verifizierte Video, das am Samstag erstmals online
       veröffentlicht wurde, wurde in Kahrisak aufgenommen. Es zeigt in schwarze
       Säcke gehüllte Leichen, die auf dem Boden liegen. Außerdem sind Menschen zu
       sehen, die offenbar nach ihren vermissten Angehörigen suchen.
       
       Nach Angaben der in Norwegen ansässigen Menschenrechtsorganisation Iran
       Human Rights (IHR) sind auf den Aufnahmen „eine große Anzahl von Menschen,
       die bei den landesweiten Protesten im Iran getötet wurden“. Die ebenfalls
       in Norwegen ansässige Menschenrechtsgruppe Hengaw erklärte, die Echtheit
       des Videos selbst überprüft zu haben. Die dutzenden „blutüberströmten
       Leichen innerhalb und außerhalb der Leichenhalle von Kahrisak“ seien Beleg
       für ein „schweres Verbrechen von beträchtlichem Ausmaß“. (afp)
       
       ## Trump: „Nehmen die Lage im Iran sehr ernst“
       
       Die USA würden die Lage im Iran sehr ernst nehmen, sagte Trump. „Das
       Militär befasst sich damit, und wir prüfen einige sehr drastische Optionen.
       Wir werden eine Entscheidung treffen“, sagte er und fügte hinzu, dass er
       stündlich Berichte über die Entwicklung im Land bekomme. Nach Informationen
       des „Wall Street Journal“ ist am Dienstag ein Treffen mit ranghohen
       US-Beamten geplant.
       
       Dabei soll es um mögliche Optionen gehen, darunter die Stärkung
       regierungsfeindlicher Online-Quellen, der Einsatz von Cyberwaffen gegen
       iranische Militär- und Zivilstandorte sowie weitere Sanktionen gegen die
       Staatsführung und Militärschläge. Es werde aber nicht erwartet, dass Trump
       bei dem Treffen eine endgültige Entscheidung trifft, berichtete die
       US-Zeitung. Trump hatte Teheran wiederholt vor der Tötung von Demonstranten
       gewarnt. (dpa)
       
       ## Trump erwägt Hilfe für Proteste mit Satelliteninternet
       
       Der US-Präsident erwägt nach eigenen Worten ferner, die Demonstranten im
       Iran mit Satelliteninternet zu unterstützen. Er wollte noch am Sonntag
       (Ortszeit) mit Tech-Milliardär Elon Musk telefonieren, dessen Firma SpaceX
       den Dienst Starlink betreibt. Irans Staatsführung hat den Internetzugang
       für die Menschen fast vollständig gesperrt, auch Telefonverbindungen
       schienen teils nicht mehr zu funktionierten. Damit will sie die
       Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Zudem soll die
       Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Massenproteste so
       unterdrückt werden.
       
       „Der Iran hat angerufen, sie wollen verhandeln“, sagte Trump. Sie seien es
       leid, von den USA geschlagen zu werden, sagte er – wohl mit Blick auf die
       israelischen Angriffe auf das iranische Nuklearprogramm, an denen sich im
       vergangenen Jahr auch das US-Militär beteiligt hatte. Eine Journalistin
       hatte Trump im Flugzeug zunächst gefragt, ob der Iran möglicherweise erneut
       mit den USA über sein umstrittenes Atomprogramm verhandeln wolle. Im
       Anschluss fragte die Reporterin allerdings allgemein danach, ob der Iran
       verhandeln wolle. (dpa)
       
       ## Aufruf zu weitergehenden Protesten
       
       Derweil rief Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schahs, in einer
       neuen Botschaft an die Protestbewegung zur nächsten Phase des Aufstands
       auf, „um die Islamische Republik zu stürzen“. Neben der Besetzung zentraler
       Straßen in Städten seien jetzt auch alle Institutionen, die für die
       Staatspropaganda und die Unterbrechung der Kommunikation verantwortlich
       seien, „legitime Ziele“, erklärte Pahlavi auf der Onlineplattform X. Wegen
       der Internetsperre ist aber unklar, inwieweit man im Iran seine Forderungen
       zu sehen bekommt.
       
       Aus seinem Exil in den USA beansprucht er eine Führungsrolle in der
       Opposition. Wie viel Unterstützung er im Iran tatsächlich hat, ist unklar.
       (dpa)
       
       ## „Die Straßen sind voller Blut“
       
       Laut Aktivisten haben sich die Demonstrationen auf 186 Städte ausgeweitet.
       483 Demonstranten seien getötet worden, berichtete das
       Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA. Insgesamt seien bisher
       544 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder sowie 47
       Sicherheitskräfte. Rund 10.700 Menschen seien festgenommen worden, hieß es
       weiter. Die Angaben der Organisation ließen sich unabhängig nicht
       überprüfen.
       
       Der britische Sender BBC zitierte eine Quelle in Teheran am Sonntag mit den
       Worten: „Die Lage hier ist sehr, sehr schlimm“. Die Sicherheitskräfte
       hätten mit scharfer Munition geschossen. „Es ist wie in einem Kriegsgebiet,
       die Straßen sind voller Blut. Sie transportieren die Leichen in Lastwagen
       ab“, hieß es. Auch diese Angaben ließen sich zunächst nicht überprüfen.
       (dpa)
       
       ## Guterres fordert Ende der Gewalt
       
       UN-Generalsekretär António Guterres forderte ein Ende der staatlichen
       Gewalt gegen die Demonstranten. Er sei „schockiert“ angesichts der Berichte
       über die Gewalt, schrieb er auf X und forderte „maximale Zurückhaltung“ der
       Sicherheitskräfte. EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola ermunterte die
       Demonstranten, die Proteste fortzusetzen. „An die mutigen Mädchen,
       Studenten, Männer und Frauen auf den Straßen: Das ist eure Zeit“, schrieb
       sie in sozialen Medien. Sie rief die Staatsführung auf, den Kurswechsel
       einzuleiten.
       
       Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf hatte zuvor der
       Protestbewegung vorgeworfen, eine Grundlage für eine Militärintervention
       der USA schaffen zu wollen. Die „Feinde“ müssten jedoch wissen, dass die
       Verteidiger des Landes sie vernichten würden, sagte er laut Übersetzung des
       iranischen Propagandakanals Press TV.
       
       Pahlavi rief derweil außerdem dazu auf, außerhalb des Irans an allen
       iranischen Botschaften und Konsulaten die „schändliche Flagge der
       Islamischen Republik“ gegen die alte Flagge auszutauschen, die zuletzt
       während der Herrschaft seines Vaters Schah Mohammed Reza Pahlavi genutzt
       worden war. Dessen prowestliche Monarchie wurde 1979 durch eine islamische
       Revolution gestürzt. Der Schah verließ das Land mit seiner Familie und
       starb im Ausland.
       
       Die alte Flagge war eine grün-weiß-rote Trikolore mit einem Löwen und der
       Sonne in der Mitte, einem historischen Symbol Persiens. Die ebenfalls
       grün-weiß-rote Flagge der Islamischen Republik weist in der Mitte ein rotes
       Emblem auf, das stilisiert das arabische Wort „Allah“ (Gott) darstellt.
       Entlang der Übergänge zwischen Grün und Weiß sowie zwischen Weiß und Rot
       steht der Ausdruck „Allahu Akbar“ (Gott ist am größten) in weißer kufischer
       Schrift. (dpa)
       
       *** Es folgen die Nachrichten vom 12. Januar 2025 *** 
       
       ## Mittlerweile mehr als 200 Tote bei Protesten im Iran
       
       Bei den seit zwei Wochen andauernden Protesten im Iran sind nach Angaben
       von Aktivisten bisher mindestens 203 Menschen getötet worden. 162 davon
       seien Demonstranten und 41 Angehörige der Sicherheitskräfte, teilte die in
       den USA ansässige Human Rights Activists News Agency (HRANA) am Sonntag
       mit. Die tatsächliche Opferzahl sei möglicherweise aber noch deutlich
       höher.
       
       Die iranische Regierung hat bisher keine offiziellen Gesamtopferzahlen
       genannt. Unabhängig ließen sich die Zahlen von HRANA nicht überprüfen, weil
       im Iran das Internet abgeschaltet und Telefonverbindungen unterbrochen
       wurden. Bei früheren Protesten hat HRANA aber verlässliche und letztlich
       akkurate Zahlen geliefert. Die Organisation stützt sich auf ein Netzwerk
       von Aktivisten innerhalb des Irans. (ap)
       
       ## Irans Präsident will Demonstranten zuhören
       
       Der iranische Präsident Massud Peseschkian hat nach zweiwöchigen Protesten
       im Land versprochen, den Demonstranten zuzuhören. Gleichzeitig warnte er in
       einem am Sonntag ausgestrahlten Interview des Staatsfernsehens aber vor
       weiteren Unruhen. „Die Menschen haben Sorgen. Wir sollten uns mit ihnen
       zusammensetzen und, wenn es unsere Pflicht ist, ihre Sorgen ausräumen“,
       sagte Peseschkian. „Aber die höhere Pflicht besteht darin, nicht
       zuzulassen, dass eine Gruppe von Randalierern kommt und die gesamte
       Gesellschaft zerstört.“ Eigentlich hätte das Interview bereits am Samstag
       ausgestrahlt werden sollen. Das Staatsfernsehen änderte dann aber den
       Sendetermin. (ap)
       
       ## Iran wirft Demonstranten IS-Methoden vor
       
       Der Iran hat Demonstranten im Land Gräueltaten vorgeworfen. Einige von
       ihnen hätten Menschen getötet und verbrannt, Methoden, die jenen der
       Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) ähnelten, sagte Ali Laridschani,
       Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, am Sonntag im
       Staatsfernsehen. In diesem Zusammenhang wurden auch Bilder von Begräbnissen
       getöteter Sicherheitskräfte ausgestrahlt. In einem Bericht hieß es, sechs
       weitere Sicherheitskräfte seien in der Stadt Kermanschah getötet worden.
       Bilder zeigten einen Wagen mit Leichen auf der Ladefläche und eine
       Leichenhalle.
       
       Gleichzeitig versuchte das iranische Staatsfernsehen weiter, die Proteste
       herunterzuspielen. Korrespondenten wurden auf leere Straßen in mehreren
       Landesteilen geschickt, am Bildschirm waren dabei auch jeweils das Datum
       und die Uhrzeit zu sehen. Bilder aus Teheran und der zweitgrößten
       iranischen Stadt Mesched, wo besonders viele Menschen auf die Straßen
       gegangen waren, wurden nicht gezeigt, sehr wohl aber Kundgebungen zugunsten
       der iranischen Führung in Ghom und Kaswin. (ap)
       
       ## Israel: EU soll Revolutionsgarden als „Terrororganisation“ einstufen
       
       Israels Außenminister Gideon Saar hat die EU aufgerufen, die
       Revolutionsgarden im Iran als „terroristische Organisation“ einzustufen. Er
       habe Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), der sich gerade in
       Israel aufhält, gesagt, dass jetzt der Zeitpunkt für eine solche Einstufung
       gekommen sei, erklärte Saar am Sonntag im Onlinedienst X. „Dies ist seit
       langem die Haltung Deutschlands, und heute ist die Bedeutung dieser
       Angelegenheit für alle offensichtlich“, fügte Saar hinzu. (afp)
       
       ## Papst Leo XIV. besorgt wegen Blutvergießen im Iran
       
       Auch Papst Leo XIV. ist zutiefst besorgt wegen des aktuellen Blutvergießens
       im Iran. Beim Mittagsgebet sagte er am Sonntag vor Tausenden Menschen auf
       dem Petersplatz: „Im Iran und in Syrien verursachen anhaltende Spannungen
       den Tod vieler Menschen. Ich hoffe und bete, dass man sich dort mit Geduld
       um Dialog und Frieden bemüht und das Gemeinwohl aller sucht.“
       
       Auch zu den erneut verschärften russischen Angriffen auf die Ukraine
       äußerte sich der der Papst und sagte: „Die schweren Angriffe auf die
       Infrastruktur treffen vor allem die Zivilbevölkerung. Ich bete für die
       Leidenden und erneuere meinen Appell, die Gewalt zu beenden und die
       Bemühungen um einen Weg zum Frieden zu verstärken.“ (kna)
       
       ## Iran droht USA bei Intervention mit Vergeltung
       
       Die mit regierungsfeindlichen Protesten konfrontierte Führung des Iran
       droht mit Vergeltungsschlägen gegen Israel und US-Stützpunkte im Falle
       eines US-Angriffs. Parlamentspräsident Mohammad Baker Kalibaf warnte die
       Vereinigten Staaten am Sonntag im Parlament vor einer „Fehlkalkulation“.
       Laut Insidern ist Israel angesichts einer möglichen US-Intervention im Iran
       in höchster Alarmbereitschaft. Angesichts der größten regierungsfeindlichen
       Proteste in der Islamischen Republik seit 2022 drohte US-Präsident Donald
       Trump jüngst wiederholt mit einer Intervention und warnte die Führung in
       Teheran davor, Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden. Am Samstag erklärte
       er, die USA seien „bereit zu helfen“.
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz, der britische Premierminister Keir Starmer
       und der französische Präsident Emmanuel Macron (E3) hatten die iranischen
       Behörden am Freitagabend nachdrücklich aufgefordert, ⁠Zurückhaltung bei den
       Demonstrationen in vielen iranischen Städten zu üben. SPD-Außenpolitiker
       Adis Ahmetovic kritisierte die E3-Erklärung: „Angesichts des gegenwärtigen
       Zustands und der Gewalt, mit der die Proteste niedergeschlagen werden,
       erklärte sich das E3-Format zu zahm“, sagte er der Nachrichtenagentur
       Reuters: „Es braucht keine Drohgebärden aus Paris, London oder Berlin. Aber
       ein unmissverständliches Bekenntnis zur iranischen Bevölkerung und ein
       klares Signal an die Machthaber: Die Zeit ist gekommen, den Weg frei zu
       machen für eine friedliche, selbstbestimmte Transformation des Landes“,
       fügte er hinzu. (rtr)
       
       ## Irans Präsident will sich im TV zur Lage im Land äußern
       
       Der iranische Präsident Massud Peseschkian will sich nach Angaben von
       Staatsmedien am Sonntag in einem Fernsehinterview zur wirtschaftliche Lage
       im Land sowie den „Forderungen des Volkes“ äußern. Der Präsident werde in
       dem bereits aufgezeichneten Interview mit iranischen Medien, das später am
       Tag ausgestrahlt werden solle, auf diese Themen eingehen, berichtete der
       TV-Sender Irib. Die Massenproteste gegen die Regierung waren am
       Samstagabend weitergegangen.
       
       Das Interview befasse sich mit dem „Stand des Wirtschaftsprogramms der
       Regierung“ und gehe auf „die jüngsten Ereignisse“ ein, meldete Irib. Auch
       der „Ansatz der Regierung, den Erwartungen der Iraner gerecht zu werden“,
       werde Thema sein. (afp)
       
       ## Aktivisten melden 116 Tote bei Protesten im Iran
       
       Die Zahl der Todesopfer bei den seit inzwischen zwei Wochen andauernden
       Protesten im Iran ist nach Angaben von Aktivisten auf mindestens 116
       gestiegen. Die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency
       (HRANA) teilte dies am Sonntag mit und berichtete zugleich, dass die Zahl
       der Festnahmen mehr als 2.600 Personen erreicht habe. Die Agentur stützt
       sich bei ihrer Berichterstattung auf ein Netzwerk von Aktivisten innerhalb
       des Irans. Unabhängig ließen sich die Zahlen nicht überprüfen. (ap)
       
       ## Zugang zum Internet im Iran weiter blockiert
       
       Die iranische Führung blockiert das Internet wegen der landesweiten
       Massenproteste den vierten Tag in Folge. Die auf Netzsperren spezialisierte
       Organisation Netblocks teilte am Morgen auf der Plattform X mit, die
       Internetsperre dauere nun seit mehr als 60 Stunden an. Es handele sich
       dabei um Zensur und die Maßnahme stelle eine direkte Bedrohung für die
       Sicherheit und das Wohlergehen der Iraner dar.
       
       Durch die Internetsperren will die iranische Führung in der Regel die
       Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Außerdem soll die
       Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Massenproteste
       unterdrückt werden. Die Maßnahme schürt zudem die Sorge, dass die Führung
       in Teheran wie schon bei vergangenen Protesten das Blackout nutzen könnte,
       um die Demonstrationen brutal niederzuschlagen.
       
       Trotz der nahezu vollständigen Internetsperre gab es nach Angaben des
       Menschenrechtsnetzwerks HRNA mit Sitz in den USA am Samstagabend erneut
       Demonstrationen in 185 Städten des Landes. (dpa)
       
       ## Trump sichert Demonstranten im Iran Hilfe zu
       
       US-Präsident Donald Trump hat den Teilnehmern der Massenproteste gegen die
       autoritäre Staatsführung im Iran Unterstützung zugesichert. „Der Iran
       strebt nach FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA sind bereit zu
       helfen!!!“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Wie die Hilfe
       aussehen soll, ist unklar. Die New York Times meldete unter Berufung auf
       US-Beamte, Trump sei in den vergangenen Tagen über neue Optionen für
       Militärschläge im Iran informiert worden. Er erwäge ernsthaft, seine
       Drohung wahrzumachen, das Land wegen der Unterdrückung der Proteste
       anzugreifen.
       
       Schon zuvor hatte Trump Teheran vor der Tötung von Demonstranten gewarnt.
       „Ich habe ihnen mitgeteilt, dass wir sie hart bestrafen werden, falls sie
       anfangen, Menschen zu töten, was sie während ihrer Unruhen, die ja häufig
       vorkommen, gerne tun“, sagte er in einer am Donnerstag veröffentlichten
       Folge des Podcasts „The Hugh Hewitt Show“. Laut dem Wall Street Journal
       führten US-Beamte erste Gespräche darüber, wie ein Angriff auf den Iran
       durchgeführt werden könnte, sollte dies nötig werden, um Trumps Drohungen
       umzusetzen. (dpa)
       
       ## Linke: Mehr Hilfe und Schutz für iranische Aktivisten
       
       Die Linke fordert von der Bundesregierung mehr Unterstützung für die
       Opposition im Iran und für Iraner in Deutschland. „Es muss verhindert
       werden, dass regimenahe Akteure und Netzwerke Aktivistinnen und Aktivisten
       in der Diaspora einschüchtern, bedrohen oder kriminalisieren“, sagte die
       Parteivorsitzende Ines Schwerdtner der Deutschen Presse-Agentur. „Europa
       muss ein sicherer Raum für oppositionelle Stimmen sein.“
       
       Sie schlug drei weitere Punkte vor: gezielte Sanktionen gegen
       Vertreterinnen und Vertreter des Iran, die für Gewalt verantwortlich seien;
       Hilfen für sichere Kommunikationswege und Internetzugänge für
       Oppositionelle im Iran; und die Dokumentation von
       Menschenrechtsverletzungen mit Blick auf eine künftige mögliche
       Strafverfolgung.
       
       Die Bundesregierung habe im Koalitionsvertrag Schutz für Menschen im Iran
       versprochen, habe dem aber keine Taten folgen lassen, monierte Schwerdtner.
       Dasselbe gelte für die Europäische Union, die faktisch kaum eine relevante
       Rolle spiele. Sie warf der EU „politisches Totalversagen“ vor. (dpa)
       
       ## Israel wegen möglicher US-Intervention im Iran alarmbereit
       
       Israel ‌ist Insidern ⁠zufolge wegen einer möglichen US-Intervention im Iran
       in erhöhter Alarmbereitschaft. Was dies genau bedeutet, sagten die drei mit
       dem Vorgang vertrauten Personen nicht. Die Insider hatten am Wochenende an
       den Beratungen der ⁠israelischen ‍Regierung über Sicherheitsfragen
       teilgenommen. Im Iran halten die ⁠Proteste gegen die Führung an.
       US-Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Tagen wiederholt mit einem
       Eingreifen gedroht und die iranische Führung davor gewarnt, Gewalt gegen
       Demonstranten einzusetzen. Am Samstag erklärte Trump, die USA stünden
       „bereit zu helfen“. Am Freitag hatte er ⁠gedroht: „Ihr solltet besser nicht
       anfangen zu schießen, denn dann werden wir auch schießen.“
       
       In einem Telefongespräch am ⁠Samstag sprachen der israelische
       Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und US-Außenminister Marco Rubio über
       die Möglichkeit einer ‍US-Intervention im ⁠Iran, wie ein israelischer
       Insider ‌berichtete, der bei dem Gespräch anwesend war. Ein US-Vertreter
       erklärte, dass die beiden miteinander gesprochen hätten, äußerte sich
       ‌jedoch nicht zu den besprochenen Themen. (rtr)
       
       ## Iran droht mit Gegenangriff auf Israel und US-Basen
       
       Der Iran droht dem Erzfeind Israel und den USA für den Fall eines
       US-Angriffs zur Unterstützung der landesweiten Protestbewegung gegen die
       autoritäre Staatsführung mit Gegenschlägen. Jede Attacke der USA werde zu
       Angriffen auf Israel und regionale US-Militärstützpunkte als „legitime
       Ziele“ führen, zitierte der arabische Sender Alaraby auf X Irans
       Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf. US-Präsident Donald Trump hatte
       kurz zuvor den Teilnehmern der andauernden Massenproteste gegen die
       Staatsführung im Iran Unterstützung zugesichert. (rtr)
       
       ## Rubio spricht mit Netanjahu über Iran
       
       Einem ⁠Medienbericht zufolge hat US-Außenminister Marco Rubio mit dem
       israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gesprochen. Themen des
       Telefonats vom Samstag ⁠seien die Proteste im Iran sowie die ⁠Lage in Gaza
       und Syrien, meldet der ‍Reporter ⁠Barak Ravid vom ‌Nachrichtenportal Axios
       auf der Plattform X unter ‌Berufung auf einen US-Insider. (rtr)
       
       ## Laschet fordert schärfere Sanktionen gegen Teheran
       
       Angesichts der regierungskritischen Proteste im Iran fordert der
       CDU-Außenpolitiker Armin Laschet verstärkten Druck auf die Führung in
       Teheran. „Die Sanktionen gegen die Regime-Eliten müssen nun verschärft
       werden, damit die Führung versteht: Wer im Iran mit Gewalt, Folter und Mord
       das eigene Volk unterdrückt, wird Konsequenzen spüren“, sagte der
       Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag den Zeitungen der
       Funke Mediengruppe (Sonntagausgaben).
       
       Millionen Menschen hätten ihre Angst verloren, sagte Laschet weiter. Sie
       forderten überall im Iran „das Ende des Terror-Regimes“. Die gemeinsame
       Verurteilung durch die Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs und
       Großbritanniens begrüßte der CDU-Politiker. Dies zeige, dass Europa „klar
       und eindeutig an der Seite der Freiheitsbewegung steht“.
       
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am Samstag erklärt,
       die Europäische Union stehe „voll“ hinter den Demonstranten im Iran. Zuvor
       hatten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der französische Staatspräsident
       Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer „die Tötung
       von Demonstranten auf das Schärfste“ verurteilt. (afp)
       
       ## Solidaritäts-Demos in Berlin und Frankfurt
       
       Die Massenproteste im Iran haben auch Menschen in Berlin und Frankfurt am
       Main auf die Straße gebracht. Rund 1.400 Menschen hätten sich an einer
       Demonstration vom Kurfürstendamm zum Adenauerplatz beteiligt, sagte ein
       Sprecher der Berliner Polizei. Am Wittenbergplatz hätten sich zudem rund
       300 Menschen versammelt. Auch in Frankfurt am Main gingen nach Angaben der
       Polizei bei mehreren Veranstaltungen rund 1.800 Menschen auf die Straße.
       
       Mit Fahnen und Plakaten solidarisierten sich Demonstranten in Berlin mit
       den Protesten im Iran, wo es in mehreren Großstädten zu Aufmärschen gegen
       die Regierung gekommen war. Nur wenige Informationen dringen nach außen,
       die iranische Führung verhängte eine Internetsperre.
       
       In Berlin hielten auch mehrere Demonstranten das Bild von Reza Pahlavi
       hoch, dem Sohn des 1979 gestürzten Schahs. Auf Plakaten stand zum Beispiel
       „Democracy just with Pahlavi“ (übersetzt: Demokratie nur mir Pahlavi). Aus
       seinem Exil in den USA heraus beansprucht Pahlavi eine Führungsrolle in der
       Opposition.
       
       Pahlavi rief auf der Plattform X zu landesweiten Streiks im Iran auf:
       Arbeiter und Angestellte von Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und
       Energieindustrie sollten ihre Arbeit niederlegen. Ziel sei es, die
       finanziellen Lebensadern zu schwächen und den Unterdrückungsapparat in die
       Knie zu zwingen. (dpa)
       
       ## Mullah-Regime spielt Massenproteste herunter
       
       Im Iran weiten sich die Demonstrationen gegen die Regierung aus. Die
       Führung reagiert mit Internetsperren und spricht pauschal von „bewaffneten
       Terroristen“. Staatsmedien verharmlosen die Proteste.
       
       Die iranische Führung hat die landesweiten Massenproteste heruntergespielt.
       In den meisten Städten des Landes habe Ruhe geherrscht, erklärte ein
       Sprecher im Staatsfernsehen, wie laut Übersetzung aus einem Video der
       Nachrichtenagentur des staatlichen iranischen Rundfunkverbundes, Iribnews,
       hervorgeht.
       
       Weiter hieß es, laut Berichten aus dem Einsatzgebiet hätten „bewaffnete
       Terroristen“ zwar erneut versucht, die öffentliche Sicherheit in
       verschiedenen Städten zu stören. Dank des Eintreffens der Sicherheitskräfte
       und der starken Präsenz der Bevölkerung sei es aber zu keinen bewaffneten
       Angriffen gekommen. In der Stadt Qazvin hätten Menschen die Aktionen
       „bewaffneter Terroristen“ scharf verurteilt. (dpa)
       
       ## Massenproteste im Iran am zweiten Abend in Folge
       
       Im Iran haben am zweiten Abend in Folge massenhaft Menschen in
       verschiedenen Großstädten des Landes gegen die Regierung protestiert. Zu
       Aufmärschen kam es unter anderem in den Millionenmetropolen Teheran und
       Maschhad.
       
       Viel geteilte Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenansammlungen an
       zentralen Plätzen. Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen
       zunächst nicht. Auch das genaue Ausmaß der Demonstrationen war vorerst
       unklar. Wegen der landesweiten Internetsperre drangen nur noch wenige
       Aufnahmen nach außen.
       
       In einem von Aktivisten veröffentlichten Video waren Menschenmassen im
       nordwestlichen Teheraner Stadtteil Saadat Abad zu sehen. Eine Stimme im
       Hintergrund berichtet von einer angezündeten Moschee. Auf den Aufnahmen
       sind Brände und chaotische Szenen auf den Straßen zu erkennen. „Tod dem
       Diktator“, ruft die Menge in einem anderen Teil des Videos.
       
       Das Zentrum für Menschenrechte im Iran (CHRI) mit Sitz in New York zeigte
       sich besorgt angesichts staatlicher Gewalt. Man habe glaubwürdige
       Augenzeugenberichte aus Krankenhäusern, die in Gebieten von Teheran,
       Maschhad und Karadsch mit verletzten Demonstrierenden überfüllt seien, hieß
       es in einem Bericht.
       
       ## „Time“-Bericht: Mehr als 200 Tote
       
       Ein Arzt aus Teheran sagte dem US-Magazin Time, sechs Krankenhäuser in der
       iranischen Hauptstadt hätten zusammen mehr als 200 Todesfälle unter
       Demonstranten verzeichnet – die meisten seien demnach „durch scharfe
       Munition“ getötet worden. Unabhängig bestätigen lassen sich diese Zahlen
       jedoch nicht.
       
       Aktivisten zufolge sind bei den landesweiten Protesten bisher 51
       Demonstrierende getötet worden, allerdings fehlten dabei noch Zahlen aus
       mehreren Großstädten vom Donnerstag und aus der vergangenen Nacht. Hunderte
       weitere Menschen sollen bei Konfrontationen mit den Sicherheitskräften
       verletzt worden sein, berichtete die Organisation Iran Human Rights
       (IHRNGO) mit Sitz in Oslo. (dpa)
       
       ## Trump warnt iranische Regierung
       
       US-Präsident Donald Trump wiederholte unterdessen seine Warnung an die
       iranische Regierung, dass die USA eingreifen würden, falls wie in der
       Vergangenheit Menschen getötet werden: „Ich hoffe nur, dass die
       Demonstranten im Iran in Sicherheit sind, denn dort ist es derzeit sehr
       gefährlich. Und ich sage den iranischen Führern noch einmal: Sie sollten
       besser nicht anfangen zu schießen, denn dann werden wir auch anfangen zu
       schießen.“ Trump fügte hinzu: „Wir werden uns einmischen, wir werden sie
       sehr hart treffen, wo es wehtut.“ Damit sei allerdings kein Einsatz von
       US-amerikanischen Bodentruppen gemeint.
       
       Am Donnerstagabend war es zu den größten Demonstrationen seit Beginn der
       Protestwelle gekommen, einen Tag später wurde erneut dazu aufgerufen. Nach
       Darstellung des Bürgermeisters von Teheran, Aliresa Sakani, wurden bei den
       Unruhen in der Hauptstadt mehr als 50 Banken und mehrere staatliche
       Einrichtungen angezündet. „Mehr als 30 Moscheen gingen in Flammen auf“,
       sagte er in einem von der Nachrichtenagentur Mehr verbreiteten Video.
       
       Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei verurteilte die Proteste. In
       einer am Freitag veröffentlichten Rede sprach der 86-Jährige von
       „Unruhestiftern“ und „dem Land schädlichen“ Menschen. „Es gibt auch Leute,
       deren Arbeit Zerstörung ist“, sagte er. Sie richteten Zerstörung an, „nur
       damit sich der Präsident der Vereinigten Staaten freut“, sagte das
       Staatsoberhaupt mit Blick auf Trump. Chamenei signalisierte einen harten
       Kurs gegen die Demonstranten.
       
       Ausgelöst wurden die Demonstrationen Ende Dezember durch eine massive
       Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung
       Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler auf die Straße.
       Inzwischen haben sich die Proteste auf das ganze Land ausgeweitet.
       Daraufhin schaltete die Führung das Internet für die Bevölkerung ab, um die
       Kommunikation zu erschweren.
       
       Deutschland, Frankreich und Großbritannien forderten die iranische
       Staatsführung zum Gewaltverzicht auf. „Wir sind zutiefst besorgt über
       Berichte von Gewalt durch iranische Sicherheitskräfte und verurteilen die
       Tötung von Demonstranten auf das Schärfste“, heißt es in einer gemeinsamen
       Erklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident
       Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer.
       
       Die iranischen Behörden seien verantwortlich für den Schutz der eigenen
       Bevölkerung, sie müssten Meinungsfreiheit und friedliche Versammlungen
       zulassen, ohne dass Angst vor Repressalien herrsche. Der Iran warf den drei
       Ländern in einer Reaktion vor, dass ihre Sorgen „heuchlerisch“ seien. „Wir
       verurteilen böswillige Einmischungen in Irans innere Angelegenheiten, die
       darauf abzielen, Gewalt zu provozieren“, hieß es dort. (dpa)
       
       ## USA sagt iranischer Bevölkerung Unterstützung zu
       
       Die ⁠USA haben den Menschen im Iran ihre Unterstützung zugesagt. „Die USA
       unterstützen das tapfere Volk im Iran“, schrieb Außenminister Marco Rubio
       am Samstag auf X mit Blick ⁠auf ‍die anhaltenden Proteste in dem Land. ⁠Um
       diese einzudämmen, hatten die Behörden am Freitag das Internet landesweit
       abgeschaltet. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran erneut. „Ihr fangt
       besser nicht an zu schießen, sonst schießen wir auch“, teilte er mit. „Ich
       ⁠hoffe nur, dass die Demonstranten in Sicherheit sein werden, denn das ist
       ⁠im Moment ein sehr gefährlicher Ort.“
       
       Die Proteste hatten sich zunächst an der ‍schlechten Wirtschaftslage
       ⁠entzündet. Inzwischen richten sich ‌die Slogans jedoch auch direkt gegen
       die Führung des Landes. (rtr)
       
       10 Jan 2026
       
       ## TAGS
       
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