# taz.de -- Orthodoxe Kirche in Georgien: Konservativ und in Richtung Russland
> Der neue Patriarch heißt Schio III. Doch Kritiker der Regierungspartei
> Georgischer Traum und Russlands haben von ihm keine Gnade zu erwarten.
(IMG) Bild: Shio Mujiri, neues Oberhaupt der Georgisch-Orthodoxen Kirche
Hallelujah, die Orthodoxe Kirche in Georgien hat einen neuen Patriarchen:
Schio III. alias Schio Mujiri. Am Dienstag wurde er in einer feierlichen
Zeremonie in der Swetizchoweli-Kathedrale in Mzcheta – religiöses Zentrum
der Südkaukasusrepublik – im Rahmen einer feierlichen Zeremonie
inthronisiert.
Tags zuvor war der 57-jährige, den Kommentatoren in Georgien als
vorsichtig, zurückhaltend und konservativ bezeichnen, bei einem
Kirchenkonzil in der Dreifaltigkeitskathedrale in der Hauptstadt Tbiliisi
gewählt worden. Von den 39 wahlberechtigten Bischöfen stimmten 22 für Schio
Mujiri. Er tritt die Nachfolge von [1][Ilia II. an, der am 17. März 2026 im
Alter von 93 Jahren gestorben war].
Geboren wurde Schio III. als Elizbar Mujiri am 1. Februar 1969 in Tbillisi.
Dort beendete er eine Schule mit dem Schwerpunkt Musik und das Staatliche
Konservatorium im Fach Violoncello. Danach endete seine musikalische
Karriere abrupt. 1991, dem Jahr des Zusammenbruchs der Sowjetunion, trat er
als Novize in das Kloster Schio-Mgvime ein und wurde zwei Jahre später zum
Mönch geweiht.
Sein Theologiestudium absolvierte Schio III. in Batumi und Moskau am
Geistlichen Seminar der Orthodoxen Universität für Geisteswissenschaften
St. Tichon. 2015 verteidigte er seine Dissertation und erwarb den Grad
eines Kandidaten der Theologie.
## Australien und Neuseeland
Während seines Studiums in Russland – und vor seiner Ernennung zum Bischof
der neuen Diözese Senaki und Tschchorotsq 2003 – wirkte Shio III. als
Rektor der georgischen Gemeinde an der St.-Georgs-Kirche in Moskau. 2009
wurde ihm die Verwaltung der Gemeinden der Georgisch-Orthodoxen Kirche in
Australien und Neuseeland anvertraut. Ein Jahr später wurde er in den Rang
eines Metropoliten erhoben.
2017 ernannte ihn Ilia II. zu seinem Stellvertreter (Locum Tenens) – ein
Novum, da einem Vize in der Regel erst nach dem Tod oder Rücktritt eines
Patriarchen diese „ehre“ zuteil wird. Schon damals vermuteten einige
Beobachter, Russland könne Druck ausgeübt haben. Der Beförderung von Schio
III. war ein Besuch des damaligen Leiters des Außenamtes der
Russisch-Orthodoxen Kirche, Metropolit Hilarion, in Tbillisi
vorausgegangen.
Inwieweit Russland auch jetzt wieder seine Finger im Spiel gehabt haben
könnte, war Gegenstand zahlreicher Berichte georgischer Medien. Dort war
unter anderem zu lesen, dass der russische Auslandsgeheimdienst (SWR) vor
der Wahl am Montag den Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus des Versuchs
beschuldigt habe, die Georgisch-Orthodoxe Kirche zu beeinflussen.
Etwas anders, aber nicht weniger eindeutig, hörte sich die Grußbotschaft
des Patriarchen der Russisch-Orthodoxen Kirche Kirill an „seinen Bruder“ in
Georgien an. Kirill, der Russlands vollumfänglichen völkerrechtswidrigen
Angriffskrieg gegen die Ukraine vorbehaltslos unterstützt, verlieh seiner
Hoffnung Ausdruck, die orthdoxoe Kirche Georgiens werde ihre Position, was
die „ukrainische Frage“ betreffe, nicht verändern. Selbige hat bislang die
Autokephalie (die volle kirchenrechtliche Unabhängigkeit) der Orthodoxen
Kirche der Ukraine nicht anerkannt.
## Änderungen nicht in Sicht
Dass sich das unter Shio III. ändern könnte, ist unwahrscheinlich. In
seinen Predigten und öffentlichen Ansprachen habe er. auf direkte
politische Äußerungen verzichtet und es vermieden, die staatlichen
Autoritäten zu kritisieren. Er habe öffentlich bestimmte
Regierungsinitiativen – insbesondere ein Gesetz zur Einschränkung der
Rechte von [2][LGBTQIA-Personen] sowie die Streichung des Konzepts der
„Geschlechtsidentität“ aus der Gesetzgebung begrüßt sowie von externen
Bedrohungen für traditionelle Werte und die Familie gesprochen, schreibt
der russischesprachige Dienst der BBC.
„Metropolit Schio wiederholt häufig die Kernprinzipien des russischen
konservativen Narrativs. Wenn man eine Reihe seiner Predigten über die
Rolle der Frau betrachtet und diese mit dem vergleicht, was in der
russischen Kirche geschieht, wird deutlich, dass sie praktisch identisch
sind“, zitiert das Nachrichtenportafl Jam news den Theologen Mirian
Gamrekelaschwili.
Doch der Blick nach Moskau sei nur das eine Problem, die Nähe zur
Regierungspartei Georgischer Traum ein anderes. Die Kirche sei die letzte
Institution, die nicht komplett von der Staatsmacht kontroliiert worden
sei. Jetzt sei jedoch eine Figur gefunden worden, die diese Möglichkeit
eröffne, so Gamrekelaschwili. Da hilft nicht einmal mehr beten.
13 May 2026
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## AUTOREN
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