# taz.de -- Katastrophe im Himalaja: Hunderte Touristen nach Sturzflut in Nepal vermisst
> Unter den bisher 384 Vermissten im Grenzgebiet zu Tibet sind auch viele
> Ausländer. Bisher wurden im Katastrophengebiet 157 Tote geborgen.
(IMG) Bild: Beschädigte Häuser und Fahrzeuge nach den massiven Sturzfluten entlang des Trishuli-Flusses in Nepals Nuwakot-Distrikts
dap/afp/rtr Nach einer heftigen Sturzflut in der Gebirgsregion von Nepal
werden nach Behördenangaben Hunderte Reisende vermisst. Insgesamt würden
384 Touristen, darunter mehr als 290 Ausländer etwa aus Indien,
Deutschland, den USA und Spanien vermisst, sagte der leitende Beamte
Santosh Panta von der nationalen Tourismusorganisation Nepal Tourism Board
der Deutschen Presse-Agentur in Kathmandu.
Die Organisation berief sich dabei auf vorläufige Zahlen von Reise- und
Trekkingagenturen, die Touren durch die betroffene Region organisieren. Der
Großteil der Vermissten stammt demnach aus dem Nachbarland Indien.
Der Leiter der Polizei der betroffenen Provinz Bagmati sprach zuerst von
mindestens 22 Toten, korrigierte die Zahl aber noch am Mittwochabend
(Ortszeit) auf 157. Es werde noch eine Zeit lang dauern, bis genauere Daten
zu Vermissten und zum Ausmaß der Schäden vorlägen. Bestätigt wurde, dass
auch 26 Polizeibeamte in den betroffenen Hochgebirgsgebieten nahe der
Grenze zu Tibet als vermisst galten.
Ganze Dörfer wurden weggespült und Straßen, Brücken sowie Kraftwerke
beschädigt, teilten die Behörden am Mittwoch mit. In den sozialen Medien
verbreitete [1][Videoaufnahmen] vom Grenzübergang in Gyirong zwischen Tibet
und Nepal zeigten gigantische Wassermassen, die große Häuser mit sich
rissen. Aufnahmen aus anderen Orten zeigten in Schlamm versunkene Gebäude.
## Große Zerstörungen
„Ich habe gesehen, wie die Fluten acht oder neun Lastwagen mit sich rissen,
außerdem Häuser und Menschen“, sagte der Lehrer Suman Chalise aus Nepals
Bezirk Nuwakot. „Es war absolut entsetzlich. So eine Zerstörung habe ich
noch nie gesehen.“ Die nepalesische Armee entsandte Hubschrauber und
Rettungstrupps in die Katastrophenregion. Mehrere Fernstraßen waren
blockiert.
Auch Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete von
Befürchtungen über zahlreiche Opfer und Vermisste am Grenzübergang im Kreis
Gyirong im Südwesten der Region Tibet.
Nach Berichten der Zeitung The Kathmandu Post und anderer nepalesischer
Medien richteten die Wasser- und Schlammmassen große Zerstörungen in
Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Flusses Bhotekoshi an. Er
entspringt im Hochland von Tibet und fließt durch die nepalesische Provinz
Bagmati. Unter anderem seien Häuser und Brücken weggespült oder beschädigt
worden.
Nepals Regierungschef Balendra Shah kündigte den Einsatz der Armee und
weiterer Sicherheitskräfte für die Rettungsmaßnahmen an. Die Behörden gaben
für die flussabwärts gelegenen Gebiete in dem Himalaja-Staat eine
Katastrophenwarnung heraus.
## Ursache der Katastrophe noch unklar
Unklar war zunächst, was die Sturzflut ausgelöst hat. Nicht ausgeschlossen
wurde, dass ein sogenannter Gletscherseeausbruch dazu geführt haben könnte.
Dabei entleert sich plötzlich ein Gletschersee in Form von Flutwellen.
Die Schlammlawine habe die Straßen zu dem Grenzübergang sowie die
Stromzufuhr und Kommunikationsverbindungen abgeschnitten, berichtete Chinas
staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Videoaufnahmen in sozialen Medien und
Fotos zeigten, wie die braunen Schlammmassen das Flusstal überspülten.
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping forderte, die Vermissten mit allen
Mitteln zu suchen und Menschen in der Region in Sicherheit zu bringen, wie
Xinhua meldete. Zudem mahnte er demnach, das Frühwarnsystem zu stärken. Xi
gibt solche Anweisungen in der Regel nur bei besonders schweren Unglücken.
Zudem schickte er mit Zhang Guoqing einen ranghohen Kader der
Kommunistischen Partei in die betroffenen Region, um die Rettungsmaßnahmen
zu überwachen.
26 Aug 2026
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