# taz.de -- Katastrophe im Himalaja: Mehr als 1.300 Vermisste nach Himalaja-Flutwelle
       
       > Nach der Sturzflut im Himalaja wird das Ausmaß der Katastrophe klarer.
       > Die Retter kämpfen gegen Geröll und Schlamm. Auch viele Touristen werden
       > vermisst.
       
 (IMG) Bild: Trishuli im Nuwakot-Distrikt, Nepal, 27. August 2026
       
       dpa | Die verheerende Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und China hat
       eine Spur der Zerstörung hinterlassen. Mehr als 1.300 Menschen werden
       inzwischen vermisst. Allein in Nepal stieg die Zahl dem örtlichen
       Katastrophenschutz zufolge auf 826, darunter fast 580 Touristen. 165
       Menschen kamen dort den Angaben zufolge ums Leben.
       
       Viele Tote wurden demnach viele Kilometer flussabwärts an der Grenze zu
       Indien entdeckt – und waren offenbar von den Fluten extrem weit mitgerissen
       worden. Ein Polizeisprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, teilweise
       seien nur Leichenteile gefunden worden.
       
       Die Zahl der Vermissten auf chinesischer Seite hatte sich zuvor bereits auf
       mehr als 550 Menschen verdoppelt, darunter 260 Ausländer, wie das
       chinesische Staatsfernsehen berichtete. Chinas Staatsmedien meldeten
       bislang nur drei Todesopfer in dem betroffenen Kreis in Tibet.
       
       Bilder und Videos aus dem Gebiet im Himalaja legten [1][ein erschreckendes
       Ausmaß der Zerstörung] nahe. Es war davon auszugehen, dass die Opferzahlen
       weiter steigen könnten. Den Behörden in Nepal zufolge waren hier mehr als
       7.400 Retter im Einsatz. Fast 240 Menschen konnten bisher lebend mit
       Helikoptern geborgen werden.
       
       ## Trekkingagentur: auch Deutsche unter den Vermissten
       
       Der Chef der nepalesischen Touristenpolizei, Bishow Raj Adhikari,
       bestätigte der dpa, Hunderte Touristen seien bislang nicht erreichbar. Nach
       Angaben von Trekkingagenturen befänden sich darunter acht deutsche
       Staatsangehörige. Die Mehrheit der Vermissten seien Inder, zudem seien
       viele Menschen aus den USA und Großbritannien darunter, erklärte Adhikari.
       Das Auswärtige Amt hatte auf Anfrage am Vortag erklärt, keine Kenntnis von
       deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen zu haben.
       
       Die Rettungskräfte in den Katastrophengebieten beider Länder suchten
       derweil am Tag nach dem Unglück weiter mit Hochdruck nach Verschütteten.
       Weitere 111 Profiretter der Feuerwehr erreichten am Vormittag (Ortszeit)
       den Flughafen in Tingri, im Südwesten Tibets, um von dort ins
       Katastrophengebiet aufzubrechen, wie das chinesische Staatsfernsehen
       berichtete.
       
       Die dicken Schlammmassen am dramatisch überspülten Grenzübergang Gyirong
       erschwerten aber die Rettungsarbeiten. Die Schlammassen hatten demnach
       Straßen für schweres Gerät und große Fahrzeuge unpassierbar gemacht und die
       Kommunikationsnetze teilweise zusammenbrechen lassen.
       
       ## Was war passiert?
       
       Am Mittwoch hatten gewaltige Schlamm- und Gesteinsmassen in der
       Gebirgsregion zwischen Nepal und dem Südwesten Tibets entlang des Flusses
       Bhotekoshi bis nach Zentralnepal hinein eine Schneise der Verwüstung
       geschlagen. Die Flut riss Brücken mit sich, beschädigte Staudämme und ließ
       Häuser in Sekundenschnelle im Schlamm versinken, wie dramatische
       Videoaufnahmen zeigten. Der Moment des Unglücks wirkte wie aus einem
       Katastrophenfilm.
       
       Australiens Ministerpräsident Anthony Albanese sprach auf X von einer
       bekannten Anzahl australischer Staatsbürger in der Region, deren
       Wohlbefinden man nun versuche zu bestätigen. „Nepal ist ein
       Entwicklungsland. Es verfügt nicht über die Ressourcen, die in Australien
       für ein solches Ereignis zur Verfügung stünden. Daher ist die
       Informationsbeschaffung schwierig“, zitierten ihn australische Medien. Nach
       Informationen der Regierung in Canberra werden aber mindestens 34
       Australier vermisst.
       
       ## Hilfen aus dem Ausland zugesagt
       
       Die USA sagten Nepal Hilfe mit Notunterkünften, frischem Wasser und anderen
       Hilfsgütern zu. Insgesamt belaufe sich die Katastrophenhilfe auf 500.000
       US-Dollar (rund 430.000 Euro), teilte das Außenministerium mit.
       
       Aus dem Ausland kamen zahlreiche Beileidsbekundungen. Bundesaußenminister
       Johann Wadephul (CDU) sprach den Betroffenen und Rettungskräften in der
       Region auf X sein Mitgefühl aus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
       signalisierte Nepal Deutschlands Bereitschaft für Unterstützung.
       UN-Generalsekretär António Guterres sagte der Regierung in Nepal Hilfe
       durch Teams der Vereinten Nationen zu.
       
       EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprach, europäische
       Unterstützung zu mobilisieren. Der Erdbeobachtungsdienst Copernicus sei zur
       Kartografierung der betroffenen Gebiete aktiviert worden, schrieb sie auf
       X.
       
       Unter den Vermissten waren nach Angaben von Nepals Tourismusorganisation
       Nepal Tourism Board auch US-Amerikaner, Inder und Briten. Die betroffene
       Region gilt als beliebtes Wandergebiet und Ziel von buddhistischen und
       hinduistischen Pilgern, die über Nepal zum heiligen Berg Kailash in Tibet
       wollen. Bereits vor einem Jahr hatte eine schwere Flut in dem Gebiet
       Menschen getötet und eine Brücke zerstört. Laut nepalesischen Medien hatte
       sich damals im Juli 2025 am Oberlauf des Lhende-Flusses in Tibet ein
       Gletschersee plötzlich in den Bhotekoshi-Fluss ergossen.
       
       ## Suche nach der Ursache
       
       Was die Flutwelle diesmal auslöste, wird noch untersucht. Die nepalesische
       Katastrophenschutzbehörde vermutete jedoch nach ersten Analysen von
       Satellitenbildern, eine Gletscherlawine könnte zunächst einen Zufluss des
       Bhotekoshi blockiert haben, der im Hochland von Tibet entspringt, wie die
       Kathmandu Post berichtete. Dadurch habe sich ein vorübergehender See
       gebildet, der anschließend über die Ufer getreten sei. Eine Flutwelle aus
       Wasser, Eis und Geröll sei dann flussabwärts im Himalaja-Staat vorgerückt.
       
       Die US-Erdbebenwarte USGS erklärte, in der Grenzregion zu Tibet seien durch
       einen Erdrutsch am Morgen (Ortszeit) Erschütterungen der Stärke 5,2
       verzeichnet worden. Zunächst sei man von einem Erdbeben ausgegangen.
       Zusätzliche Analysen deuteten allerdings darauf hin, „dass die seismische
       Energie stattdessen durch einen Gletscherabbruch und Schuttfluss erzeugt
       wurde“, teilte die USGS mit.
       
       27 Aug 2026
       
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