# taz.de -- Bergsteigertourismus: Nepal plant strengere Gesetze für Everest-Touren
> Die Saison im Himalaja-Gebirge ist angelaufen. Es gibt jährlich mehr
> Touren – und damit auch mehr Unfälle. Deswegen verschärft Nepal nun die
> Regeln.
(IMG) Bild: Wegen Überfüllung gibt es jetzt strengere Regeln: Unterwegs am Mount Everest
dpa | Die Hauptklettersaison für den Himalaja ist angelaufen. Die
sogenannten Icefall Doctors befinden sich bereits seit Anfang März auf der
nepalesischen Seite des [1][8.849 Meter hohen Mount Everest]. Wie jedes
Jahr bereiten diese Spezialisten vor allem die Routen für die zu erwartende
Schar von Bergsteigern aus aller Welt am tückischen Khumbu-Eisbruch vor.
Mit seinen Eistürmen und Gletscherspalten ist er eine der gefährlichsten
Passagen am höchsten Berg der Erde. Drei Monate bis Ende Mai wird die
achtköpfige Gruppe am Base Camp des Everest bleiben, wie die Himalayan
Times berichtet.
Der Frühling bietet die besten Voraussetzungen für viele Kletterbegeisterte
und Abenteuerlustige, sich den Traum für einen erfolgreichen Aufstieg an
den Himalaja-Giganten über 7.000 oder 8.000 Meter zu erfüllen. Während
Nepal bereits Genehmigungen für Berge wie Annapurna und Dhaulagiri erteilt
hat, stehen Zahlen für den Everest noch aus. Die meisten Expeditionen
finden dort im Mai statt.
## Wachsender Bergsteigertourismus
Im vergangenen Jahr wurden für die Hauptsaison 468 Klettergenehmigungen für
den Everest ausgegeben. Für das arme Land ist der Bergsteiger- und
Trekkingtourismus eine wichtige Einnahmequelle. Dort befinden sich 8 der 14
Berge, die mehr als 8.000 Meter hoch sind.
Das wachsende Tourismusgeschäft schafft für Tausende im Land,
einschließlich des Volks der Sherpa, Arbeitsplätze. Doch gehen damit auch
Risiken für die Sicherheit der Kletterer wie auch die Umwelt der
empfindlichen Bergwelt einher. „Es ist schwierig, die Balance zu wahren“,
sagt der Vermessungstechniker und Himalaja-Experte Khimlal Gautam in
Kathmandu. Strengere Regeln sollen ihm zufolge den Andrang besser
kontrollieren.
## Erst 7.000-Meter-Berg, dann Everest
So gibt es Pläne, die Zahl der Kletterer am Everest stärker zu reduzieren,
sowie strengere Regeln für die Abfallbeseitigung. Einige neue Regeln sollen
in diesem Jahr umgesetzt werden, weitere könnten folgen.
Wer künftig etwa eine Zulassung für die Besteigung des Everest erhalten
will, soll zur Qualifikation zunächst die Besteigung eines Bergs über 7.000
Meter in dem Land nachweisen. Ziel sei es, die wachsende Zahl an
unerfahrenen Bergsteigern zu verringern, berichtet The Kathmandu Post.
Dieser Trend werde oft mit Staus am Berg, Unfällen und Problemen bei
Rettungseinsätzen in Verbindung gebracht. Jedes Jahr zieht es Hunderte
Kletterer auf den Gipfel – einige von ihnen zahlen das gefährliche
Abenteuer in dünner Luft, Eis und Schnee [2][mit ihrem Leben.]
Unter nepalesischen Bergführern und von Kletterern im Ausland erhalten die
Pläne nicht nur Zustimmung. Insbesondere die Absicht, einen Nachweis über
die Besteigung eines Siebentausenders in Nepal selbst erforderlich zu
machen, stößt auf Kritik. „Nach unserer Ansicht sind die Pläne gut“, sagt
der 43 Jahre alte Bergführer Narendra Shahi. „Du benötigst Erfahrung an
Siebentausendern oder andere Erfahrungen am Berg.“ Doch den Nachweis auf
Nepal zu beschränken, sei zu eng gedacht. Ob das in Nepal, Indien, China
oder anderswo passiere, mache keinen Unterschied.
## Werbung für andere Berge
Der Experte Gautam, auf den der Vorschlag zum Nachweis zurückgeht, sieht
neben größerer Sicherheit auch andere positive Auswirkungen. „Meine Absicht
war es, für andere Berge, speziell im Westen Nepals, zu werben.“ Für viele
dieser Berge gebe zu wenig Interesse.
Die geplanten Regeln sind Teil des Entwurfs eines neuen, umfassenden
Tourismusgesetzes. Er liegt derzeit im nepalesischen Parlament. Ob die
neuen Bestimmungen schon in diesem Jahr greifen, ist noch unklar.
Unter dem neuen Gesetz soll auch ein dauerhafter Umweltfonds eingerichtet
werden. Dadurch könnten Aktionen besser finanziert werden, um die höchsten
Berge des Landes einschließlich des Everest sauber zu halten.
Neben den Auswirkungen des Klimawandels auf die Bergwelt bereitet Nepal
auch die Beseitigung des Mülls, der sich in den höheren Regionen seit
Jahren ansammelt, große Sorgen. Das betrifft vor allem Plastik, aber auch
leere Sauerstoffflaschen, Konserven, zurückgelassene Zelte, Kleidung,
Aluminiumleitern, Kletterseile sowie menschliche Fäkalien.
Ende des vergangenen Jahres veröffentlichte die Regierung zudem einen auf
fünf Jahre angelegten Aktionsplan, um die Berge sauber zu halten. Einzelne
Aufräumkampagnen seit Beginn der 2000er Jahre brachten keine dauerhafte
Lösung. Jetzt hänge viel davon ab, wie effektiv der Aktionsplan umgesetzt
werde, betont der Experte Gautam. Teil des Plans ist zum Beispiel, dass die
Bergsteiger die wieder mitgebrachten Abfallmengen dokumentieren.
## Auswirkung der Nahostkrise?
Unklar ist, wie sich globale Krisen auf die Saison auswirken. Insgesamt
erwarten die Veranstalter und Behörden jedoch stabile Zahlen. Zwar gebe es
die Besorgnis, dass sich die Situation in Nahost negativ auswirke, sagt ein
Sprecher des Tourismusministeriums mit Blick auf mögliche Stornierungen und
Umbuchungen. Doch werde eine ähnliche Zahl an Zulassungen wie in den
vergangenen Saisons erwartet.
„Für Everest-Kletterer, die bereits etwa 40.000 Dollar (etwa 34.700 Euro)
ausgeben, werden zusätzliche Ausgaben von 2.000 Dollar für Flüge kein
größeres Problem sein“, meint der Co-Gründer des Veranstalters Seven Summit
Treks, Chhang Dawa Sherpa.
Kein größeres Thema dürften laut ihm zudem höherer Zulassungsgebühren sein,
die nach der Einführung im September auch zur diesjährigen Hauptsaison
fällig werden. Die amtliche Gebühr erhöht sich für die Standardroute von
zuvor 11.000 auf 15.000 Dollar pro Person.
30 Mar 2026
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