# taz.de -- Fifa-Chef Infantino vor Gericht?: In der Logik der Aufklärung
       
       > Die Uefa prüft rechtliche Schritte gegen Infantino. Es geht um den
       > Investoren-Plan. Der Fifa-Chef verschanzt sich weiter in seinem
       > Paralleluniversum.
       
 (IMG) Bild: Der derzeit stark angefeindete Gianni Infantino genießt im Stadion von Hanoi den Applaus auf der Tribüne
       
       Für Außenstehende mag es vielleicht wie eine außer Kontrolle geratene
       Eskalationsspirale wirken. Wie am Donnerstag bekannt wurde, bereitet der
       europäische Fußballverband nun noch ein Strafverfahren gegen den
       Weltverbandschef Gianni Infantino wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung vor.
       Aber dieser über Wochen sorgfältig vorbereitete Schritt – das
       Antragsschreiben an ein Distriktgericht im US-Bundesstaat Florida füllt
       allein schon 54 Seiten – folgt einer zwingenden Aufklärungslogik.
       
       Bereits als Ende Juli Fifa-Präsident Infantino [1][seine im exklusiven
       Kreis ausgetüftelten Investorenpläne] zur Abstimmung bringen wollte,
       störten sich neben der Uefa andere Kontinental- und Nationalverbände sowohl
       am Vorhaben an sich als auch an der Intransparenz des Vorgehens.
       
       Der Fifa-Präsident [2][wollte die Vermarktungs-, Medien- und
       Sponsorenrechte für Fifa-Turniere in eine Tochtergesellschaft auslagern],
       die wiederum den Einstieg von Investoren, unter anderem aus dem
       Familienkreis von US-Präsident Donald Trump, ermöglichen sollte. Dass der
       Verkaufswert dieser Rechte auf läppische 20 Milliarden Dollar taxiert
       wurde, obwohl allein mit der letzten Männer-WM Gewinne im zweistelligen
       Milliardenbereich eingefahren wurde, dürfte ein zentraler Baustein bei
       einem möglichen Strafverfahren sein. Die Frage drängt sich auf, ob an
       dieser Stelle zum Schaden der Fifa und zugunsten einzelner Personen und
       Unternehmen gehandelt wurde. Und wer wurde an diesem Entscheidungsprozess
       beteiligt beziehungsweise entgegen den Fifa-Statuten nicht beteiligt? Mit
       einem Strafverfahren könnte die Fifa gezwungen werden, Informationen
       herauszurücken.
       
       Wegen des massiven Protests [3][musste Infantino Abstand von seinen Plänen
       nehmen.] Der Forderung nach Aufklärung der Vorgänge kam er bis heute nicht
       nach. So forciert die Anklageprüfung der Uefa nicht die Spaltung des
       Weltfußballs. Diese ist längst Realität.
       
       ## Groteske Botschaft aus Vietnam
       
       Wie sehr sich Gianni Infantino trotz massiver Gegenproteste in seinem
       Paralleluniversum verschanzt, demonstrierte er einmal mehr nach
       Bekanntwerden der jüngsten Uefa-Maßnahmen. Auf Instagram postete er auf
       seiner Wahlkampftour für die Fifa-Präsidentschaftswahl kommenden März die
       üblichen Strahlemann-Bilder von sich mit entsprechendem Beitext: „Ich hatte
       einen wunderbaren Aufenthalt in Vietnam – ein großartiges Land, das eine
       unglaubliche Leidenschaft und großes Talent für den Fußball birgt.“ Und er
       sagte der Region die volle Unterstützung der Fifa für die zukünftige
       Entwicklung zu.
       
       Eine groteske Botschaft von einem Mann, dem es offensichtlich an
       Unterstützung und Zukunft in seinem Amt mangelt. Allein die drei
       Kontinentalverbände Uefa, AFC und Concacaf, die sich gegen Infantino
       positioniert haben, präsentieren mehr als die Hälfte der Stimmen im
       Weltverband.
       
       Statt mit einem halbwegs gesichtswahrenden Rücktritt den Weg für eine
       Neuordnung des Weltfußballs freizumachen, will der 56-jährige Schweizer
       nicht vom Glauben ablassen, mit seiner alten Strategie der großen
       Geldversprechen zumindest noch kleine Nationalverbände umstimmen zu können.
       Selbst wenn ihm das gelingen sollte, dürfte angesichts des zerrütteten
       Verhältnisses zwischen Infantino und den größten europäischen
       Fußballnationen eine Fortführung seiner Amtszeit existenzgefährdend für die
       Fifa sein.
       
       Die Fifa müsse wieder als eine Institution geführt werden, die dem Fußball
       dient – und nicht als Instrument individueller Macht, hatte die Uefa am
       Donnerstag erklärt. Der Kampf um die Fifa geht weiter.
       
       28 Aug 2026
       
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 (DIR) Johannes Kopp
       
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