# taz.de -- EU sorgt sich um Energie: Wie sich die Europäische Union auf eine neue Energiekrise vorbereitet
       
       > Vor dem EU-Gipfel in Brüssel werden die Rufe nach Notmaßnahmen lauter.
       > Europaweit sind die Gasspeicher so wenig gefüllt wie noch nie zuvor.
       
 (IMG) Bild: EU-Ratspräsident António Costa möchte die Folgen steigender Energiepreise abfedern
       
       Deutschland und die EU bereiten sich auf eine neue Energiepreiskrise und
       mögliche Versorgungsengpässe vor. Noch sei die Lage nicht so ernst wie zu
       Beginn des Ukrainekriegs 2022, hieß es nach einem Treffen der
       EU-Finanzminister in Luxemburg. Dennoch müssten sich Bürger und Unternehmen
       auf höhere Preise und mehr Inflation einstellen. Dies könne auch das
       [1][Wachstum dämpfen].
       
       EU-Ratspräsident António Costa hat das Thema auf die Tagesordnung des
       EU-Gipfels gesetzt, der am kommenden Donnerstag in Brüssel beginnt. Gefragt
       seien „gezielte und temporäre Maßnahmen“, um die Folgen steigender
       Energiepreise abzufedern, schrieb Costa in der Einladung zu dem Treffen, an
       dem auch Kanzler Friedrich Merz (CDU) teilnimmt. Die Beratungen könnten
       hitzig werden.
       
       Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat Sofortmaßnahmen gefordert und
       vor Knappheiten gewarnt. Der EU-Kommission hat bereits zum Einsparen von
       Gas und Strom aufgerufen. Zudem hat die Brüsseler Behörde vorgeschlagen,
       die [2][Methanverordnung] für Öl-, Gas- und Kohleimporte aufzuweichen und
       die Umsetzung ein Jahr aufzuschieben. Das spare „zusätzliche Kosten in
       einer Krisenzeit“, sagte Kommissionschefin Ursula von der Leyen.
       
       Die Gaspreise seien seit Ende Februar um 140 Prozent gestiegen, erklärte
       die CDU-Politikerin. Die Mehrkosten für importierte fossile Brennstoffe
       bezifferte sie auf 100 Milliarden Euro. Einige EU-Staaten wie Tschechien
       und Italien hatten eine dreijährige Schonfrist beim Methan gefordert. Zudem
       werden vor dem EU-Gipfel in Brüssel die Rufe nach weiteren Notmaßnahmen
       lauter.
       
       ## Freigabe der Diesel-Reserven: nur kurzzeitige Entlastung
       
       Die EU ist gleich mit mehreren Problemen konfrontiert. Zum einen steigen
       die [3][Preise für Öl und Gas], weil die für die Energieversorgung wichtige
       Straße von Hormus immer noch umkämpft ist. Wegen des Preisschubs beim
       Diesel hatte US-Präsident Donald Trump die Europäer in der vergangenen
       Woche erfolgreich gedrängt, ihre Reserven freizugeben. Dies bringt jedoch
       nur kurzzeitig Entlastung.
       
       Gleichzeitig leeren sich die [4][Gasspeicher] in rasantem Tempo – und das
       kurz nach dem Start der Heizperiode. Die Befüllung sei auf einem
       historischen Tiefststand angekommen, teilten die Gasnetzbetreiber mit.
       Normalerweise sollten die Speicher bis Anfang November zu 90 Prozent
       gefüllt sein – so die EU-Vorgabe. Derzeit sind es europaweit aber nur 72
       Prozent, in Deutschland sogar nur 59 Prozent.
       
       Ein Grund dafür ist, dass sich Import und Speicherung von Erdgas wegen der
       hohen Preise am Weltmarkt infolge des Irankriegs derzeit kaum lohnen. Ein
       Notstand drohe aber nicht, so die Versorger. Die europäische Infrastruktur
       sei wegen der Terminals für Flüssiggas (LNG) „ausreichend flexibel“, um
       niedrige Füllstände teilweise auszugleichen, teilte die
       Betreiberorganisation Entsog mit.
       
       Zu einem anderen, beunruhigenden Ergebnis kommt ein US-Thinktank. Demnach
       drohe beim Gas eine Mangellage, die bis zu 12 Millionen Haushalte treffen
       könnte. Derzeit fehlten jährlich 14 Milliarden Kubikmeter an Erdgas, rund 7
       Prozent des EU-Bedarfs, fand der US-Thinktank [5][Institution for Energy
       Economics and Financial Analysis] heraus. Außerdem warnen die Experten vor
       einer Preisexplosion.
       
       Noch mehr verschärfen könnte sich die Lage, wenn die EU an ihrem für 2027
       geplanten Importverbot für russisches Flüssiggas (LNG) festhält. Dann
       würden weitere 7 Milliarden Kubikmeter fehlen. Die EU hatte zuletzt wieder
       mehr LNG aus Russland importiert. Bei einem Stopp würde sich die seit 2022
       zunehmende Abhängigkeit von teurem und schmutzigen Frackinggas aus den USA
       weiter erhöhen.
       
       10 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] /Fragen-und-Antworten-zum-Tankrabatt/!6217937
 (DIR) [4] /Gasversorgung-im-Winter/!6217627
 (DIR) [5] https://ieefa.org/resources/eu-may-need-cut-winter-gas-demand-7-gas-storage-record-seasonal-low
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eric Bonse
       
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