# taz.de -- CSU stürzt in Beliebtheit ab: Auch in Bayern legen die Ränder zu
       
       > Kurz vor dem Parteitag der CSU ereilen Parteichef Söder schlechte
       > Neuigkeiten. Eine Umfrage malt ein Gespenst an die Wand: Schwarz-Grün.
       
 (IMG) Bild: Aiwanger und Söder: die aktuellen Prognosen sehen nicht gut aus
       
       Es ist noch zwei Jahre hin, bis in Bayern gewählt wird. Prognosen über den
       Ausgang der Wahl sind weit verfrüht. Und doch ist der Bayern-Trend, die
       große Umfrage von Infratest dimap für den Bayerischen Rundfunk, diesmal
       besonders aufschlussreich, vielleicht mehr als ein Stimmungsbild. Denn gibt
       er tatsächlich einen Trend wieder, so sieht dieser für die aktuelle
       Regierung aus CSU und Freien Wählern gar nicht gut aus.
       
       Sicher: Die CSU dürfte demnach weiterhin mit großem Abstand die stärkste
       Fraktion stellen und mit einigem Recht noch den Titel Volkspartei für sich
       beanspruchen – wovon sich die Schwesterpartei CDU in einigen Bundesländern
       längst verabschieden musste. Doch die Ränder legen auch in Bayern zu, die
       AfD kommt auf ihren besten Wert in einer großen bayerischen Umfrage
       überhaupt: Mit 21 Prozent der Stimmen würde sie gegenüber ihrem Ergebnis
       bei den Landtagswahlen 2023 massiv zulegen. Und die Linke, die bei den
       letzten Wahlen gerade mal auf 1,5 Prozent kam, würde sich der
       Fünfprozenthürde nähern. Zwar noch von unten (mit 4 Prozent), aber doch
       scheint ein Einzug in den Landtag so wahrscheinlich wie seit acht Jahren
       nicht mehr.
       
       Die CSU kommt in der Umfrage auf 36 Prozent, drei Prozentpunkte weniger als
       im letzten Bayern-Trend vom Januar. Sie ist damit die einzige
       Landtagspartei, die in der Umfrage verliert. Die Grünen können um zwei
       Prozentpunkte zulegen und kommen auf 15 Prozent, die Freien Wähler
       verharren bei 9, die Sozialdemokraten bei 8 Prozent. Parteien wie BSW, FDP,
       ÖDP und Bayernpartei dürften nach derzeitigem Stand bei der Landtagswahl
       keine größere Rolle spielen, aber dafür sorgen, dass der Block der
       „Sonstigen“ entsprechend groß ausfällt.
       
       ## Von der absoluten Mehrheit hat sich die CSU verabschiedet
       
       Nach den für die CSU desaströsen Kommunalwahlen im März wäre ein solches
       Ergebnis bei der Landtagswahl ein Dämpfer für die Partei von
       Ministerpräsident Markus Söder, bedeutsam ist es aber vor allem aus einem
       anderen Grund: Demnach würde es nur ganz knapp für die Fortsetzung der
       jetzigen Regierung von CSU und Freien Wählern erreichen. Die beiden
       Parteien kämen zusammen auf 45 Prozent, die Oppositionsparteien auf 44.
       Schon eine Änderung im Promillebereich könnte die schwarz-orange Mehrheit
       kippen. Ohnehin sind bei der Umfrage keine Nachkommastellen ausgewiesen.
       
       Früher galt die absolute Mehrheit stets als das klare Ziel der CSU. Von
       1962 bis 2003 konnte sie die Partei auch jedes Mal erreichen. Und sogar
       noch 2013 – damals unter Horst Seehofer. In der Regierungszeit von Markus
       Söder hat man sich dagegen längst damit abgefunden, dass absolute
       Mehrheiten außerhalb des Bereichs des Möglichen liegen. An die Stelle von
       CSU pur trat das Bündnis mit den Freien Wählern, die ohnehin als „Fleisch
       vom Fleisch der CSU“ galten. Da die politischen Unterschiede zu ihnen sehr
       überschaubar sind und sie sich trotz verschiedener Eskapaden ihres Chefs
       Hubert Aiwanger als recht pflegeleichter Koalitionspartner erwiesen, ließ
       es sich auch mit ihnen recht komfortabel regieren.
       
       Was also, wenn es auch für dieses Bündnis nicht mehr reichen sollte? Wenn
       man davon ausgeht, dass keine demokratische Partei mit der AfD paktieren
       würde, bliebe der CSU nur ein Dreierbündnis mit Freien Wählern und SPD oder
       – die naheliegendste Lösung – Schwarz-Grün. Das brächte vor allem Söder in
       die Bredouille. Kaum ein Unionspolitiker tat sich in den vergangenen Jahren
       mit ähnlich heftigem Grünen-Bashing hervor wie er. Auch die
       CDU-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst und Daniel Günther, die in ihren
       Ländern mit Grünen regieren, müssen regelmäßig Sticheleien seitens Söder
       über sich ergehen lassen.
       
       ## Festlegung auf Freie Wähler unwahrscheinlich
       
       Zwar gibt es Ausnahmen von der Regel wie Winfried Kretschmann und
       neuerdings Cem Özdemir [1][und Dominik Krause], zu denen Söder ein gutes
       Arbeitsverhältnis pflegte und pflegt. Aber sie bestätigten die Regel; der
       CSU-Chef machte nie einen Hehl daraus, dass ihn insbesondere mit den
       bayerischen Grünen eine innige Abneigung verbindet.
       
       Bei den Grünen ist die Sympathie für Schwarz-Grün als einzige realistische
       Machtoption sehr groß, wenngleich man sich eine Zusammenarbeit mit einer
       CSU unter Söder nur schwer vorstellen kann. Vielen in der CSU wiederum
       bereitet allein der Gedanke an eine mögliche Zusammenarbeit mit Katharina
       Schulze schon körperliche Schmerzen. Die Fraktionsvorsitzende ist die
       starke Frau bei den bayerischen Grünen und dürfte diese als
       Spitzenkandidatin in den nächsten Wahlkampf führen.
       
       Bei aller Abneigung gegen die Grünen gilt Söder jedoch als sehr
       anpassungsfähiger Pragmatiker. Anders als im Wahlkampf 2023 dürfte er sich
       diesmal wohl kaum frühzeitig auf die Freien Wähler als Koalitionspartner
       festlegen. Auch seine Attacken gegen die Grünen hat er in der jüngsten
       Vergangenheit merklich zurückgefahren. Aktuell gehen die Angriffe eher in
       Richtung Linke.
       
       Freilich kann man die Zahlen des Bayern-Trends auch ganz anders lesen. Was
       sind schon drei Prozentpunkte? Zumal es nur 1,2 Prozentpunkte sind, wenn
       man als Referenzpunkt nicht den vorausgegangenen Bayern-Trend, sondern das
       Wahlergebnis der CSU von 2023 nimmt.
       
       ## Klare Mehrheit für Aigner als Bundespräsidentin
       
       Und die Frankfurter Allgemeine Zeitung erinnert an eine Faustregel, wonach
       die CSU für gewöhnlich nur höchstens zehn Prozentpunkte über dem
       Bundestrend liegen könne. Berücksichtige man sie, so rechnet die Zeitung
       vor, dann seien die 36 Prozent in der Umfrage, gemessen an den 18 bis 21
       Prozent für die Union im Bund, „klar mehr, als manche befürchtet, andere
       womöglich erhofft hatten“. Auch der Münchner Merkur sieht in dem
       Umfrageergebnis Grund zur Freude für die CSU und ihren Chef. „CSU trotzt
       dem Bundestrend“, titelt er und attestiert Söder: „Er sitzt wieder fest im
       Sattel.“
       
       In den Parteitag, der am Freitag in München beginnt, dürften die
       Delegierten jedenfalls mit gemischten Gefühlen gehen. Söder selbst kann
       dort immerhin auf seine persönlichen Beliebtheitswerte verweisen. Fast die
       Hälfte der Befragten bewertet die Arbeit des Ministerpräsidenten positiv.
       Aber auch hier gibt es einen Wermutstropfen: Erstmals seit 2018 liegt die
       Zahl derer, die mit Söders Arbeit unzufrieden sind, mit 49 Prozent über
       derjenigen der Zufriedenen (48 Prozent).
       
       Rundum freuen kann sich wohl nur Ilse Aigner: 59 Prozent der Befragten
       zufolge wäre die CSU-Landtagspräsidentin eine gute Besetzung für die
       Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Nur 22 Prozent
       halten sie für keine gute Wahl.
       
       21 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominik Baur
       
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