# taz.de -- Brandanschlag auf Restaurant in Syke: Nach der Hetze das Feuer
       
       > Die Polizei geht davon aus, dass der Brandanschlag auf ein Syker
       > Restaurant rassistisch motiviert war. Der Betreiber hat einen
       > Migrationshintergrund.
       
 (IMG) Bild: Nicht mal die Polizei glaubt, das sei unpolitisch: Brandanschlag auf das Restaurant „Martini“
       
       Hamburg taz | Die Scheiben der weißen Eingangstür zum Restaurant „Martini“
       sind zertrümmert, ein schwarzes Hakenkreuz darauf gesprüht, ein weiteres an
       anderer Stelle. Am frühen Donnerstagmorgen hat es in der niedersächsischen
       Stadt Syke einen Brandanschlag gegeben. „Wir gehen von einem
       fremdenfeindlichen Hintergrund aus“, sagt Lene Steinbrecher,
       Pressesprecherin der Polizei Diepholz.
       
       Der Betreiber sei deutscher Staatsbürger aus Syke mit syrischem
       Migrationshintergrund. Er habe das Lokal erst kürzlich übernommen. Der
       Staatsschutz sei eingeschaltet, sagt Steinbrecher.
       
       Ein Autofahrer hatte den Brand bemerkt und um 3.20 Uhr die örtlichen
       Feuerwehren und die Polizei in Syke alarmiert. Die Löschmaßnahmen an dem
       italienischen Restaurant verhinderten das Übergreifen des Feuers auf andere
       Gebäude. Sechs Anwohner*innen konnten in Sicherheit gebracht werden.
       
       Der Brand hatte sich im Erdgeschoss ausgebreitet. Die am Brandort von den
       Ermittler*innen entdeckten Spuren deuteten auf Brandstiftung hin, sagt
       Steinbrecher. Zur Tatzeit waren keine Menschen in dem Haus. Der entstandene
       Sachschaden liegt bei mindestens 150.000 Euro.
       
       Nur wenige Tage vor dem Brand waren am Samstag in Syke aus [1][Protest
       gegen die Wahl des FDP-Politiker Thomas Kemmerich] zum Ministerpräsident
       von Thüringen über 100 Menschen auf die Straße gegangen. Unter dem Motto
       „Thüringen: Die Dämme brechen“ hatte das „Wir sind mehr – Landkreis
       Diepholz“ und die Seebrückeninitiative zu einer Kundgebung vor dem
       Kreishaus aufgerufen.
       
       Die Zeitnähe zwischen dem Brandanschlag und der lokalen Kundgebung gegen
       die AfD in Thüringen lässt Bündnismitglieder aufmerksam werden. „Wir fragen
       uns schon, ob es da einen Zusammenhang geben könnte“, sagt Michael Roeder.
       
       Zumal die Spur direkt in das Restaurant führt: „Wir waren da ja auch noch
       mit etwa 20 Demoteilnehmern im Martini essen“, sagt Roeder. Er hofft, dass
       die Polizei dieser Verbindung nachgeht.
       
       Die AfD im Landkreis Diepholz, zu dem Syke gehört, gilt als Anhängerschaft
       des [2][völkischen Flügels]. In der Stadt Syke ist die AfD jedoch nicht im
       Rat vertreten. Bei der niedersächsischen Landtagswahl lag die AfD in der
       Stadt bei rund 6 Prozent. Sie gilt auch nicht als Hotspot der klassisch
       extrem rechten Szene.
       
       Erika Schneider von der Seebrückeninitiative erzählt jedoch, dass die AfD
       dennoch vor Ort präsent sei: „Sie sind überall dabei und vor allem im
       Landkreis Diepholz aktiv – zum Glück will die Mehrheit der Gastwirte ihnen
       kein Forum bieten.“
       
       Das nun von dem Brandanschlag betroffene Restaurant Martini ist erst im Mai
       an den neuen Standort im Stadtteil Steimke gezogen. Vorher war es im ein
       paar Kilometer entfernten Ortsteil Barrien – einem Ort, der dafür bekannt
       ist, dass es dort rechtsextreme Strukturen gibt.
       
       ## Reichsbürger-Attacke auf CDU-Politiker
       
       2019 attackierte ein sogenannter Reichsbürger einen CDU-Politiker aus
       Barrien öffentlich, beleidigte und bedrohte ihn. Beim Schützenfest in dem
       Ortsteil gab es Übergriffe auf Geflüchtete. In dem Stadtteil tummeln sich
       seit Jahrzehnten Rechte.
       
       So lebt etwa ein Mitglied der Bremer Rechtsrockband „Endstufe“ in Barrien.
       Der Mann spielt auch Schlagzeug in der Szene-Band „Bunker 16“. Ein weiteres
       Bandmitglied wohnte ganz in der Nähe. Im Mai 2011 trat „Bunker 16“ im nahen
       Groß Mackenstedt auf, keine 20 Kilometer entfernt von Syke. Rund 150
       Rechtsrock-Fans aus ganz Norddeutschland sollen teilgenommen haben. Dort,
       an der Landesgrenze zu Bremen, befanden sich lange Jahre Proberäume für
       diverse rassistische Bands.
       
       Ob die Täter*innen aus der örtlichen rechtsextremen Szene stammen, ist noch
       ungeklärt. Bis Donnerstagmittag lagen der Polizei noch keine konkreten
       Hinweise auf die Täterschaft vor. Eine sofortige Fahndung unterstützt mit
       einem Hubschrauber verlief ohne Erfolg.
       
       14 Feb 2020
       
       ## LINKS
       
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