# taz.de -- Angeblicher Rentenplan: Massive Kritik an ungeplanter Rente mit 70
       
       > Die „Bild“ berichtet, die Expertenkommission der Bundesregierung habe
       > einen konkreten Vorschlag. Deren Mitglieder dementieren, die Debatte
       > läuft trotzdem.
       
 (IMG) Bild: Rente mit sechsundsechzig: Nach fünfzig Dienstjahren geht der Triebfahrzeugführer Detlef Zimmermann am 20. Juli 2023 in Rente
       
       Opposition, Gewerkschaften und selbst Teile der Koalition kritisieren
       [1][die Rentenkommission der Bundesregierung] – für eine Forderung, die sie
       gar nicht erhoben haben will: die Rente mit 70.
       
       Am Donnerstag berichtete zunächst die Bild unter Berufung auf
       „Kommissionskreise“, das Gremium habe sich auf diesen Vorschlag geeinigt.
       Sie plane, die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre
       bis in die 2060er Jahre zu empfehlen. Zudem wolle sie ein Absenken des
       Rentenniveaus bis auf 46 Prozent vorschlagen. [2][Aktuell sind es 48
       Prozent.]
       
       Die im Januar von der Bundesregierung eingesetzte Kommission hat für ihre
       Beratungen eigentlich strikte Vertraulichkeit vereinbart – und hatte diese
       bislang auch gewahrt. Entsprechend schnell dementierten am Donnerstag auch
       Mitglieder der Kommission die angeblichen Festlegungen.
       
       Die SPD-Bundestagsabgeordnete Annika Klose, die der Kommission angehört,
       erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP zum Stand der Beratungen,
       „dass vieles noch nicht entschieden ist und wir noch vier bis fünf Wochen
       brauchen“. Von daher könne sie sagen, „dass der Bild-Bericht nicht stimmt“.
       Der CDU-Bundestagsabgeordnete Pascal Reddig sagte, der Bericht treffe
       „schon deshalb nicht zu, weil bislang über die beschriebenen Punkte noch
       keine Beschlüsse getroffen wurden“.
       
       Constanze Janda, die Ko-Vorsitzende der Rentenkommission, sagte dem
       Tagesspiegel: Die Kommission werde „ihre Arbeit erst Ende Juni abschließen,
       sodass zurzeit noch keine Empfehlungen fertig entschieden sind.“ Das
       Bundessozialministerium lehnte es ab, „vermeintliche Zwischenstände aus der
       Rentenkommission“ zu kommentieren.
       
       ## Viele dagegen …
       
       Die Diskussion war damit aber schon nicht mehr einzufangen. So sprach
       [3][der Arbeitnehmerflügel der CDU] eine Warnung aus: Eine pauschale
       Anhebung auf 70 Jahre wäre „der falsche Schritt“, sagte Dennis Radtke, der
       Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA. „Wir haben schon heute
       Menschen, die aufgrund der Belastung keine Chance haben, überhaupt bis 67
       zu arbeiten.“ Eine Anhebung des Eintrittsalters wäre nur denkbar, wenn sie
       an die Entwicklung der Lebenserwartung gekoppelt sei und Verbesserungen bei
       der Erwerbsminderungsrente umgesetzt würden.
       
       Von Gewerkschaftsseite kam ein klares Nein. Ein höheres Rentenalter seit
       „eine Rentenkürzung für alle Beschäftigten und bestraft all jene, die nicht
       länger arbeiten können oder von den Unternehmen nicht mehr eingestellt
       werden“, kritisierte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel.
       
       Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek kritisierte Gedankenspiele zu einer
       Rente mit 70 als „unfassbar sozial kalt“. Der Grünen-Rentenexperte Armin
       Grau warnte vor steigender Altersarmut. „Im internationalen Vergleich sind
       die Renten in Deutschland heute schon sehr niedrig, und wir geben gemessen
       an unserer Wirtschaftsleistung unterdurchschnittlich wenig für die Renten
       aus“, erklärte er.
       
       ## … manche dafür
       
       Der Wirtschaftsrat der CDU hingegen forderte die Rente mit 70: „An der
       Anhebung des Renteneintrittsalters führt kein Weg vorbei, der
       Wirtschaftsrat fordert das seit langem“, sagte Generalsekretär Wolfgang
       Steiger den Funke-Zeitungen. Die SPD dürfe vor dieser Notwendigkeit nicht
       länger die Augen verschließen.
       
       Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther,
       äußerte sich ähnlich. Zur Stabilisierung des Rentensystems gebe es „nur
       drei Stellschrauben: den Beitragssatz, das Rentenniveau und das
       Rentenzugangsalter“, sagte Hüther der Rheinischen Post. Eine Rente mit 70
       könnte das Rentenniveau stabilisieren, ohne den Beitragssatz anzuheben.
       (afp/taz)
       
       21 May 2026
       
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