# taz.de -- Alkoholverbot an Berliner Bahnhöfen: Ein Schritt zu friedlicherem Miteinander?
       
       > Die Deutsche Bahn verhängt ein Alkoholverbot an zwei zentralen Bahnhöfen
       > in der Hauptstadt. Doch das geht an den eigentlichen Problemen vorbei.
       
 (IMG) Bild: In Hamburg gibt es das schon seit April 2024: Hinweisschild am Hauptbahnhof
       
       Junggesell*innenabschiede, der Sieg des Lieblingsfußballklubs oder einfach
       ein anstrengender Arbeitstag: Es gibt viele Gründe, weshalb jede*r von uns
       mal ein Bier oder ein Weinchen am Bahnhof kauft und direkt trinken mag.
       [1][Seit dem 1. Mai gibt es ein Alkoholverbot] an zwei zentralen Bahnhöfen
       in der Hauptstadt: dem Berliner Zoo und dem Ostbahnhof.
       
       Was ein Novum für Berliner*innen darstellt, ist in Städten wie Hamburg
       und Bremen nichts Neues. Von Kontrollen durch Sicherheitspersonal bis zur
       Videoüberwachung: Die Deutsche Bahn, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)
       oder auch der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) wollen mit ihren Konzepten
       für mehr „Sicherheit und Sauberkeit“ an den Bahnhöfen sorgen.
       
       Aber kann solch eine Regelung ein gemeinschaftlicheres Zusammenleben
       fördern? Darüber lässt sich streiten: Wer in der Bahn sitzt oder an den
       Bahnhöfen wartet, kommt mit vielen unterschiedlichen, häufig auch
       alkoholisierten Menschen zusammen. Sicher ist, der Alkoholkonsum fördert
       das aggressive Verhalten von Menschen. Nach Angaben der
       Bundespolizeidirektion gab es in Berlin im Jahr 2024 insgesamt 577
       Gewalttaten im Bahnverkehr – darunter wurden 24,4 Prozent unter Alkohol-
       oder Drogeneinfluss begangen.
       
       In Hamburg wurde bereits im April 2024 ein Alkoholverbot am Bahnhof
       eingeführt. Mit Bußgeldern wird dieses Verbot durchgesetzt: 40 Euro beim
       ersten Verstoß und bis zu 200 Euro bei Wiederholungen werden eingezogen. Im
       Jahr 2025 sind laut Bundespolizei Hamburg die Gewalttaten wie
       Körperverletzungen in der Stadt um 25 Prozent gesunken. Man darf jedoch
       nicht vergessen, dass das eingeführte Waffenverbot, die Ausweitung von
       KI-Videoüberwachung und ein erhöhtes Polizeiaufgebot auch Gründe für die
       sinkende Gewalt sind.
       
       Auch in Bremen sind die Zahlen von allen Straftaten wie zum Beispiel
       Diebstahl gesunken. Im Jahr 2025 gab es insgesamt 2.500 Straftaten am
       Hauptbahnhof – 100 weniger als im Vorjahr. Davon waren 319 Fälle
       Gewalttaten.
       
       ## Zu einfach gedacht
       
       Neben der Bahn und der Polizei befürwortet auch die Stadtmission Berlin ein
       Alkoholverbot an Bahnhöfen. Ehrenamtliche Mitarbeiter*innen werden von
       alkoholisierten Menschen bespuckt und beschimpft, obwohl sie nur helfen
       wollen. Mit einem eingeführten Alkoholverbot könnten sie sich besser auf
       die Menschen konzentrieren, die Hilfe annehmen wollen.
       
       So weit, so gut. Doch unter vielen Aspekten ist ein Alkoholverbot an
       Bahnhöfen zu einfach gedacht, denn das strukturelle Problem wird zum
       größten Teil einfach verdrängt. Häufig sind obdachlose Menschen
       alkoholkrank und leben teilweise in Bahnhöfen. Kaum bezahlbarer
       Wohnungsraum, Krankheiten und Arbeitsverlust: Das sind Gründe, weshalb
       Menschen zur Flasche greifen, um sich von ihrem Leid abzulenken. Ein
       Alkoholverbot bestraft sie für ihre Krankheit und Lebensumstände. Sollten
       sie sich an die Regeln halten, können sie sich eben ein paar Straßen weiter
       betrinken. Das Problem wird in den Bahnhöfen unsichtbar gemacht, aber eben
       nicht gelöst.
       
       Außerdem erhöhen Verstärkungen von Sicherheitspersonal und Polizeipräsenz
       den Druck auf marginalisierte Gruppen, wie etwa durch nach wie vor
       verbreitetes [2][Racial Profiling]. Menschen, die als „ausländisch“
       wahrgenommen werden, erfahren wahrscheinlicher aufgrund ihres Aussehens
       Kontrollen.
       
       Laut Bahn wurden der Ostbahnhof und der Berliner Zoo als Stationen
       ausgewählt, da sie eine „Rund um die Uhr“-Kontrolle gewährleisten könnten.
       Die Zahlen sagen das eine, die möglichen Konsequenzen das andere.
       Vielleicht muss ein gemeinschaftlicheres Leben mehr strukturell gedacht
       werden als in Verboten und Kontrollen.
       
       2 May 2026
       
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