# taz.de -- 1.682 Tage Krieg in der Ukraine: Wie man eine „Drohnensafari“ überleben kann
> Unser Autor hat an einem Training für Journalisten teilgenommen. Dort hat
> er gelernt, wie man bei einer Jagd durch russische FPV-Drohnen entkommt.
(IMG) Bild: Russische Kampfdrohne in der Ukraine: Lernen, wie man ihr entkommt
In der Ukraine werden Schulungen für Medienschaffende, die unter den
Bedingungen eines modernen Krieges arbeiten, zunehmend beliebter. Das
Schlüsselwort hierbei ist „modern“. Denn in entsprechenden Kursen der EU
wird man ihnen kaum beibringen, wie man sich vor Drohnen schützt. Das
Trainingsprogramm„Hostile Environment Awareness Training + drones“ der NGO
2402 Foundation hingegen habe ich bereits mehrmals mitgemacht. Und jedes
Mal lerne ich etwas Neues dazu.
Wie verhält man sich bei potenzieller Gefahr?
Der effektivste und gleichzeitig sinnloseste Rat von Soldaten lautet: nicht
dorthin gehen, wo es gefährlich ist. Aber das ist natürlich letztendlich
Teil unserer journalistischen Arbeit, denn wir können ja nicht ganz
aufhören, nach Kramatorsk, Charkiw oder Cherson zu fahren.
Deshalb lautet die erste Sicherheitsregel: Nicht auffallen! Also zum
Beispiel keine Militärkleidung tragen – obwohl nicht wenige Journalisten
gerne wie Rambo aussehen möchten. Auch die Aufschrift „Presse“ auf dem Auto
oder der Kleidung ist zu vermeiden, obwohl das eigentlich internationaler
Standard ist, um den zivilen Status eines Medienmitarbeiters zu
unterstreichen. Aber die Russen interessieren sich nicht für diesen
„zivilen Status“: Journalisten an der Front werden nicht selten gerade
wegen dieser Kennzeichnung getötet. Deshalb sollte man die Schutzweste
besser unter einer Jacke oder einem Hemd verstecken.
Wie identifiziert man Drohnen?
Ja, und dann natürlich das Auto. Auf keinen Fall irgendwelche weißen,
roten, tarnfarbenen oder gepanzerten Geländewagen. In der Ukraine gibt es
bereits informelle Verleihe, wo man einen zwanzig Jahren alten Kombi für
Fahrten in gefährliche Gebiete mieten kann. Je kleiner ein Wagen ist und je
schlechter er aussieht, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er
zum Ziel einer FPV-Drohne wird.
Im Training haben wir gelernt, wie man unterschiedliche Drohnendetektoren
bedient. Sie empfangen das Signal der Drohnenkamera und zeigen auf dem
Display genau das, [1][was auch der Drohnenpilot sieht]. Sieht man sein
eigenes Fahrzeug, ist man im Visier der Drohne. Leider erkennen die
Detektoren keine Glasfaserdrohnen. Deshalb muss man den Himmel an der Front
nach alter Manier zusätzlich mit natürlichen Detektoren überwachen – mit
Augen und Ohren. Und man darf die „Lauerdrohnen“ nicht vergessen, die auf
der Straße auf einen warten und im richtigen Moment abheben können.
Wie sichert man sich ab, wenn die Drohne schon nah ist?
Auf der Autobahn kann man versuchen, mit einer Geschwindigkeit von über 160
km/h zu fliehen. Ist das nicht möglich, sollte man das Auto verlassen und
schnellstmöglich den nächsten Unterschlupf suchen: einen Keller, eine
Schlucht oder auch ein Gebüsch.
Während der Schulung gab es folgende Simulation: Man geht durch eine Stadt,
mit schwerer Schutzweste und Helm. [2][Dabei wird man von einer Drohne
gejagt]. Wir konnten miterleben, wie der Ausbilder diese Drohne steuerte.
Wie ein echter Drohnenjäger, der in einen Rausch geriet, schrie er: „Da hat
er sich gezeigt! Er rennt, er rennt!“, und verfolgte die Teilnehmer. Die
meisten von uns wurden quasi „getötet“.
Ich bin dankbar für diese harte Schule. Denn schon bei meiner nächsten
Reise in den Donbas kreisten echte Drohnen über uns. Einmal passierte das
sogar während eines Interviews, und wir mussten uns in einen mobilen
Schutzraum zurückziehen. Ein anderes Mal kletterten wir tiefer in die
Büsche und versuchten, uns der Umgebung anzupassen. Das Wichtigste ist: Wir
sind am Leben geblieben.
## Sollte man Regeln neu überdenken?
Im Gegensatz zu Militärangehörigen dürfen übrigens Journalisten gemäß
internationalen Vorschriften keine Waffen verwenden. Ein Journalist muss
als unparteiischer Beobachter wahrgenommen werden und nicht als bewaffneter
Konfliktteilnehmer. Wenn man sich unter einem Busch vor einer angreifenden
Drohne versteckt, fragt man sich allerdings unweigerlich: Sollten einige
Regeln vielleicht einmal neu überdacht werden?
Aus dem Russischen Gaby Coldewey
2 Oct 2026
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