# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Drohnen-Angriff auf Brücke während Merz-Besuch
       
       > Trotz russischer Reisewarnung stattet Kanzler Merz der Ukraine einen
       > Solidaritätsbesuch ab. Während seines Aufenthalts gibt es mehrfachen
       > Drohnenalarm.
       
 (IMG) Bild: Vor der Akademie der Wissenschaften in Kyjiw, die bei einem Drohnenangriff getroffen wurde
       
       ## Merz fordert von Putin: „Hören Sie diesen Krieg auf!“
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin
       von Kyjiw aus zu einem Ende der Angriffe und Verhandlungsbereitschaft
       aufgefordert. „Herr Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf! Wir sind
       bereit zu Gesprächen, wir sind bereit, miteinander zu sprechen über das
       Ende dieses Krieges. Aber diese barbarischen Angriffe auf die
       Zivilbevölkerung der Ukraine müssen aufhören“, sagte der CDU-Politiker. Er
       nahm die bei einem Drohnenangriff getroffenen Akademie der Wissenschaften
       in Kyjiw in Augenschein. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj war
       bei dem Ortsbesuch dabei. Währenddessen lösten russische Angriffe mehrfach
       Drohnenalarm aus, eine Brücke im Norden der ukrainischen Hauptstadt war
       schon am Morgen getroffen worden.
       
       Merz sagte an der Ruine der Akademie, bei Angriffen wie dem am letzten
       Montag sei die Sinnlosigkeit dieses Krieges deutlich geworden. „Ein Angriff
       auf die Akademie der Wissenschaften in Kyjiw, mitten in der Stadt, übrigens
       wenige 100 Meter von der deutschen Botschaft entfernt. Und heute Morgen an
       einem friedlichen Sonntag Luftalarm in Kyjiw“, sagte Merz. Und: „Das sind
       tägliche Kriegsverbrechen, die hier verübt werden.“ Es gebe tägliche
       Angriffe auf die Infrastruktur der Ukraine, während das Land sich auf den
       Winter vorbereite. „Ich appelliere noch einmal an die russische Führung, an
       den russischen Staatspräsidenten: Hören Sie diesen Krieg auf! Wir können
       sprechen, aber erst, wenn die Waffen schweigen und die Waffen müssen
       schweigen“, sagte Merz.
       
       Die Drohne war mitten am Tag in der Akademie eingeschlagen. Der Treffer und
       der nachfolgende Brand zerstörten zwei Stockwerke des historischen
       Gebäudes. Eine Frau wurde getötet, ein halbes Dutzend Menschen verletzt.
       Das russische Militär machte dabei Angaben zu Angriffen auf Anlagen von
       ukrainischen Kommunikationsunternehmen. Der Hauptsitz der Ukrtelecom
       befindet sich in unmittelbarer Nähe der Akademie. Auch das Gebäude der
       deutschen Botschaft ist nur etwa 140 Meter von dem Einschlagsort entfernt.
       (dpa)
       
       ## Mehrfach Drohnenalarm in Kyjiw bei Merz-Besuch
       
       In Kyjiw haben nach der Ankunft von Kanzler Friedrich Merz (CDU) russische
       Angriffe auf die Hauptstadt mehrfach Drohnenalarm ausgelöst. In der Stadt
       heulten die Sirenen, während Merz sein Besuchsprogramm absolvierte.
       Bürgermeister Vitali Klitschko informierte am Morgen bei Telegram über
       einen Einschlag auf der Nordbrücke der ukrainischen Hauptstadt, die gut
       vier Kilometer vom Bahnhof und Innenstadt-Kern entfernt ist.
       
       Klitschko hatte bereits am frühen Morgen von einem Drohnenalarm berichtet.
       Trümmer eines abgeschossenen Flugobjekts seien auf das Dach eines
       Wohnhauses gefallen. Danach gab es immer wieder neuen Alarm. Der
       ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankte Merz für seinen
       abermaligen Besuch und lobte, dass Deutschland „konsequent Führungsstärke
       beim Schutz der Leben der Ukrainer und Ukrainerinnen vor russischen
       Angriffen beweist“. Es würden mit der Bundesregierung weitere Maßnahmen zur
       Verteidigung der Ukraine und Europas vorbereitet. „Es werden wichtige
       Vereinbarungen zwischen der Ukraine und Deutschland getroffen werden.
       Russland muss gemeinsam gestoppt werden“, teilte Selenskyj bei Telegram
       mit.
       
       Das russische Außenministerium hatte Ausländer und Diplomaten am Samstag
       vor Besuchen in Kyjiw gewarnt und zum Verlassen der Stadt aufgerufen.
       Jeder, der die Warnung missachte, setze sich einer „tödlichen Gefahr“ durch
       „massive“ russische Luftangriffe aus. Moskau versucht seit einiger Zeit,
       die Bevölkerung in der Ukraine zu zermürben und die Partner Kyjiws unter
       Druck zu setzen. (afp/dpa)
       
       ## Merz bringt neues Unterstützungspaket mit
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz ist am Sonntagmorgen überraschend in Kyjiw
       eingetroffen. Er wird von [1][Wirtschaftsministerin Katherina Reiche] und
       einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Der Kanzler habe ein Paket an
       Unterstützungsmaßnahmen dabei, das die Freigabe von einer Milliarde Euro
       deutscher Militärhilfe sowie 350 Millionen Euro für die Reparatur im
       Energiesektor beinhalte, hieß es in Regierungskreisen am Sonntag.
       
       So solle der Startschuss für die gemeinsame Produktion ‌verschiedener
       Drohnentypen fallen, die sowohl in Deutschland als auch in der Ukraine
       gebaut werden sollen. Zentral sei dabei die schnelle Produktion der
       Anti-Jet-Drohnen, die die Firma Quantum erfolgreich getestet hatte.
       Russland hatte zuletzt schnelle Jet-Drohnen für Angriffe gegen zivile Ziele
       eingesetzt.
       
       Zudem geht es um die gemeinsame Entwicklung und Produktion sogenannter
       Abstandswaffen mit einer Reichweite von mehr als 1000 Kilometern, die die
       Ukraine für Angriffe ins russische Hinterland verwenden kann. Deshalb wird
       Merz auch von Unternehmenschefs von Rüstungsfirmen begleitet. In
       Regierungskreisen wurde betont, dass es nicht nur darum gehe, die Ukraine
       zu unterstützen. Die verstärkte Zusammenarbeit nutze auch Deutschland, weil
       Geld und Technologie zurück in die Bundesrepublik flössen, weil dort Waffen
       produziert würden und die Abwehr von Drohnen gegen kritische Infrastruktur
       verstärkt werden könne.
       
       Die ‌unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfindende Reise sei als
       klares Zeichen an die ukrainische Führung und Russland gemeint, dass
       Deutschland zu seiner bisherigen Unterstützung steht. Kanzler Merz dürfte
       dabei auch auf Reformen in dem Land drängen, etwa bei der
       Korruptionsbekämpfung.
       
       Merz hatte erst am Donnerstag [2][in ⁠einer Grundsatzrede] angekündigt,
       dass sich Deutschland von der steigenden Zahl hybrider Angriffe Russlands
       auf europäische Staaten nicht beeindrucken lassen werde.
       
       Die russische Führung hatte am Samstag eine Mitteilung veröffentlicht, in
       der sie ausländische Staatsbürger und diplomatisches Personal davor warnte,
       sich in der Ukraine aufzuhalten oder dorthin zu ‌reisen. „Die Verantwortung
       für jegliche nachteiligen ‌Folgen liegt voll und ganz bei denjenigen, die
       diese Warnung ignorieren“, hieß es in der ⁠Erklärung. Russland bombardiert
       zunehmend zivile Ziele im Nachbarland Ukraine, das es 2022 überfallen
       hatte. Auch die Angriffe auf die Hauptstadt Kyjiw wurden verstärkt. (rtr)
       
       ## Weitere Angriffe auf Ölraffinerien in ‌Russland
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte am Samstag ‌an, dass
       die Streitkräfte seines Landes ihre Angriffe auf Ölraffinerien in ‌Russland
       verstärken würden. Dies sei eine Reaktion auf eine neue russische Taktik,
       Einwohner Kyjiws und anderer Städte zur Flucht zu bewegen, sagte Selenskyj
       der Nachrichtenagentur Reuters. Vergangenen Mittwoch hatte er angekündigt,
       ‌dass seine Regierung mit der Bundesregierung Verträge über die ⁠Produktion
       verschiedener Drohnentypen bald finalisieren werde. (rtr)
       
       ## US-Denkfabrik: Putin halluziniert – Geländeverlust in Ukraine
       
       Russland hat laut einer Analyse des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW) im
       September mehr Gelände in der Ukraine verloren als gewonnen. Der Verlust
       betrage rund 81 Quadratkilometer, teilte das Institut auf der Plattform X
       mit. Die Behauptungen von Kremlchef Wladimir Putin über russische
       Geländegewinne an der Front im September seien so weit von der Realität
       entfernt, „dass sie wie Halluzinationen anmuten“. Das ISW könne nicht
       beurteilen, ob Putin wisse, dass die von ihm präsentierten Zahlen falsch
       seien, hieß es weiter. Es könne auch sein, dass er „fiktive Angaben zur
       Lage an der Front“ übernehme. Die „Kultur des Lügens“ sei in der russischen
       Militärführung tief verwurzelt. Putin behauptete demnach, die russischen
       Streitkräfte hätten im September mehr als 1.300 Quadratkilometer erobert.
       
       Vor wenigen Tagen hatte Putin die komplette Eroberung des ukrainischen
       Donbass-Gebiets in weniger als anderthalb Jahren angekündigt. Er gehe davon
       aus, dass dies angesichts des Vormarsches der russischen Truppen viel
       früher geschehen werde. Die Frontlinie ist allerdings an vielen Abschnitten
       seit mehreren Monaten weitgehend unverändert. In den vergangenen Wochen hat
       das russische Militär [3][die Angriffe gegen ukrainische Städte] verstärkt.
       Vor allem die großen Ballungszentren wie Kyjiw, Charkiw oder Odessa stehen
       im Visier der russischen Luftwaffe und werden mit Kampfdrohnen oder
       ballistischen Raketen angegriffen. (dpa)
       
       ## Neun Tote bei Drohnenangriffen
       
       Bei russischen Angriffen sind nach ukrainischen Angaben sechs Menschen
       getötet worden. Drohnen und Gleitbomben hätten in Charkiw und Umgebung fünf
       Menschen getötet und mehr als 40 verletzt, teilte Regionalgouverneur Oleh
       Synjehubow am Samstag mit. Im nahe gelegenen Isjum verletzten russische
       Drohnenangriffe nach Angaben der Militärverwaltung drei Menschen.
       
       Eine Drohne sei in ein Industrielager eingeschlagen, hieß es. Eine weitere
       habe Wohnhäuser beschädigt. Die ukrainische Seehafenbehörde teilte mit, in
       der Region Odessa, in der mehrere Schwarzmeerhäfen liegen, hätten russische
       Streitkräfte ein ziviles Frachtschiff unter liberianischer Flagge
       angegriffen. Dabei seien ein Seemann getötet und drei weitere Menschen
       verletzt worden.
       
       In der von Russland besetzten ostukrainischen Region Luhansk töteten
       ukrainische Drohnen zwei Menschen. Weitere zwei seien verletzt worden,
       teilte der von Moskau eingesetzte Verwaltungschef Leonid Pasetschnik mit.
       Die Drohnen hätten einen Lastwagen und einen Pkw angegriffen, die auf einer
       Fernstraße unterwegs waren. Alle Opfer seien Zivilisten gewesen. In
       Russland trafen ukrainische Drohnenangriffe Dörfer, die nur wenige
       Kilometer von der Grenze entfernt liegen. Eine Zivilperson sei verletzt
       worden, zwei weitere Menschen hätten Verletzungen erlitten, teilten die
       örtlichen Behörden mit. (ap)
       
       ## Ukraine: Russland hat Schiff getroffen
       
       Russland hat ukrainischen Angaben zufolge ein unter liberianischer Flagge
       fahrendes Frachtschiff in einem der ukrainischen Schwarzmeerhäfen in der
       Region Odessa angegriffen. Dabei sei eine Person getötet und drei weitere
       verletzt worden, teilt die ukrainische Hafenverwaltung ‌mit. In einer
       Erklärung über die App „Telegram“ hieß es, dass 13 weitere
       Besatzungsmitglieder in Sicherheit gebracht worden seien. Da sich der Krieg
       nun bereits im fünften Jahr befindet, hat Russland seit dem Sommer seine
       Blockade der ukrainischen Schwarzmeerhäfen faktisch wieder aufgenommen,
       wodurch Handelswege unterbrochen, Getreide- und Stahlexporte eingeschränkt
       und der ukrainischen Wirtschaft ein schwerer Schlag versetzt wurden. (rtr)
       
       ## Zeitung: Friedensgespräche sollen an Öldeal geknüpft werden
       
       Die Gespräche ‌der US-Regierung mit Russland über ein Ende des Krieges in
       der Ukraine haben sich einem Zeitungsbericht zufolge auf milliardenschwere
       Ölgeschäfte ausgeweitet. Von diesen würden Geschäftsleute mit Verbindungen
       zu den ‌US-Verhandlungsführern Steve Witkoff und Jared Kushner profitieren,
       berichtete die New York Times.
       
       Bei dem möglichen Deal, der von der Zustimmung der US-Regierung und des
       Kremls abhänge, gehe es um ein weltweites Netz aus Ölfeldern, Raffinerien
       und Tankstellen des russischen Energiekonzerns Lukoil. Zu ‌der Gruppe, die
       das Geschäft anstrebe, gehören neben dem US-Milliardär Todd Boehly zwei
       ⁠Konzerne aus dem Nahen Osten, die bereits mit Kushner oder Witkoffs
       Familie Geschäfte getätigt hätten, so die ‌Zeitung. ‌Das Weiße Haus, ⁠das
       US-Finanzministerium und Lukoil reagierten nicht auf Anfragen nach einer
       Stellungnahme. (rtr)
       
       ## Kyjiw: Russland hat erneut Brücke getroffen
       
       Russland hat nach ukrainischen Angaben erneut eine wichtige Brücke in Kyjiw
       beschädigt. Die Nordbrücke über den Fluss Dnipro sei bei den jüngsten
       russischen Luftangriffen getroffen worden und jetzt für den Verkehr
       gesperrt, sagte Bürgermeister Vitali Klitschko. Berichte über Opfer gab es
       nicht. In den vergangenen Tagen war schon die Südbrücke mehrmals von
       russischen Drohnen getroffen worden. Viele Einwohner der ukrainischen
       Hauptstadt leben östlich des Flusses und pendeln zur Arbeit auf die
       Westseite. Russland hat immer wieder betont, seine Angriffe seien nicht
       gegen die Zivilbevölkerung gerichtet. (rtr)
       
       ## Agentur: Putin beobachtet Ural-Manöver mit China, Belarus und Pakistan
       
       Der russische Präsident Wladimir Putin hat der Agentur Interfax zufolge ein
       Militärmanöver in der Ural-Region beobachtet, bei dem auch Truppen aus
       China, Belarus und Pakistan im Einsatz gewesen seien. Bei der Übung seien
       zudem russische strategische Bomber im Einsatz gewesen. Der Kreml
       bezeichnete das Manöver der Agentur Tass zufolge als routinemäßig. (rtr)
       
       4 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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