# taz.de -- Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier: CDU will laut Medien Ilse Aigner als Bundespräsidentin
       
       > Nach der CSU legt sich offenbar auch die Schwesterpartei CDU fest: Die
       > bayerische Landtagspräsidentin soll Deutschlands erstes weibliches
       > Staatsoberhaupt werden.
       
 (IMG) Bild: Bundespräsident mit Nachfolgerin?
       
       afp/dpa/kna/rtr | Die CDU will Medienberichten zufolge die CSU-Politikerin
       Ilse Aigner für das Amt des Bundespräsidenten nominieren. Dies berichteten
       Bild, Spiegel und Süddeutsche Zeitung am Freitag ‌übereinstimmend. Die
       Deutsche Presse-Agentur erfuhr es aus mehreren hochrangigen Quellen der
       Union.
       
       Die 61-Jährige wäre die erste Frau an der Staatsspitze der Bundesrepublik.
       Aigner ist derzeit Präsidentin des Bayerischen Landtags. Im Kabinett von
       Kanzlerin Angela Merkel war sie einst Bundeslandwirtschaftsministerin. Das
       ‌neue deutsche Staatsoberhaupt und Nachfolger*in von Frank-Walter
       Steinmeier (SPD) wird von ⁠der Bundesversammlung am 30. Januar kommenden
       Jahres gewählt. Aigner hat bereits aus ‌den Reihen ‌von ⁠SPD und Grünen
       Zustimmung erfahren, womit ihre Wahl im ‌Januar ‌als gesichert gelten
       dürfte.
       
       ## Klingbeil: SPD würde Kandidatur von Aigner unterstützen
       
       Die SPD ist bereit, Ilse Aigner bei einer offiziellen Kandidatur mit zur
       Bundespräsidentin zu wählen. „Wenn das Präsidium sich dann auch offiziell
       durchringt in der Union am Montag, dass man Ilse Aigner vorschlägt, dann
       kann ich nur für die SPD sagen, dann würden wir das begrüßen und
       unterstützen“, sagte Parteichef Lars Klingbeil bei einem finanzpolitischen
       Jugenddialog in Berlin.
       
       Aigner habe „eine wahnsinnig integrative Kraft“, die Deutschland gerade in
       diesen Zeiten brauche. „Die ist eine sehr volksnahe Politikerin, die redet
       mit den Menschen auf Augenhöhe, das ist total wichtig“, sagte Klingbeil.
       
       Offiziell soll sie eigentlich erst am Montag verkündet werden. Die
       derzeitige bayerische Landtagspräsidentin würde damit Deutschlands erstes
       weibliches Staatsoberhaupt – nach 12 Männern. Und das erste mit
       CSU-Parteibuch. Der Niederbayer Roman Herzog war bei der CDU.
       
       Eine weitere doppelte Premiere wäre mit ihrer Person verbunden: Aigner hat
       nicht studiert – und sie ist ledig. Was bedeutet, sie müsste
       Bundespräsidentin und First Lady in einem sein.
       
       ## Hohe Zustimmungswerte auch bei SPD und Grünen
       
       Wegen hoher parteiübergreifender Zustimmungswerte dürfte ihr eine satte
       Mehrheit in der Bundesversammlung am 30. Januar sicher sein. Zuletzt
       sprachen sich auch führende Sozialdemokraten und Grünen-Politiker für die
       Oberbayerin aus. Eine Gegenkandidatur mit Siegchancen erscheint unter
       diesen Umständen ausgeschlossen.
       
       Lange ließ sich Aigner nicht entlocken, ob sie überhaupt Ambitionen auf
       Schloss Bellevue hat. Das war offenbar ein kluger Schachzug. Nicht nur,
       weil sie sich nicht so ohne Weiteres des Rückhalts in ihrer eigenen Partei
       vollständig sicher sein konnte. Sondern auch, weil zu forsches Auftreten
       aufseiten der CSU regelmäßig Abwehrreflexe bei der größeren Schwesterpartei
       auslöst.
       
       ## „Schicksalsgemeinschaft“ mit Söder
       
       Mit [1][CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder] verbindet sie eine
       „Schicksalsgemeinschaft“, hat Aigner einmal gesagt. Beide zogen 1994 in den
       Landtag ein, waren Kolleg*innen im Landesvorstand der Jungen Union und
       im Kabinett von Horst Seehofer. Den Wettstreit um Seehofers Nachfolge 2018
       verlor sie gegen den fränkischen Rivalen.
       
       Seinen [2][Traum vom Kanzleramt] müsste Söder wohl endgültig begraben,
       sollte seine 61-jährige Parteifreundin nach Berlin wechseln. Andererseits
       hätte er eine potenzielle Konkurrentin für den Regierungssessel in München
       vom Hof. Dieser Aspekt ist nicht zu unterschätzen, denn der Amtsinhaber ist
       in seiner Partei keineswegs mehr so unangefochten wie früher.
       
       An seiner Unterstützung für eine Bundespräsidentin Aigner hatte Söder seit
       einem halben Jahr keinen Zweifel mehr gelassen. „Wenn sie möchte, hat sie
       meine volle Sympathie und Unterstützung“, sagte er im April in einem
       Interview. Im Sommer legte er nach, Ende Oktober [3][nutzte er den
       CSU-Parteitag für eine regelrechte Werbeoffensive].
       
       ## Ein vielsagender Versprecher
       
       „Die Entscheidung wird woanders gefällt, aber ich würde mir es von Herzen
       gönnen, wenn Ilse Aigner nächster Bundespräsident würde. Das wäre eine
       tolle Sache“, sagte Söder wörtlich. „Mir?“ Nur ein Versprecher?
       
       Wer aber ist die groß gewachsene, dunkelhaarige, kinderlose Katholikin?
       Aigner stammt aus Feldkirchen-Westerham. Das liegt auf halber Strecke
       zwischen München und Rosenheim. Nach der Mittleren Reife 1981 ließ sie sich
       zur Radio- und Fernsehtechnikerin ausbilden. Später bildete sie sich zur
       Systemelektrikerin für Hubschrauber weiter.
       
       An der Berufsschule war sie unter 100 Männern die einzige Frau. Eine gute
       Vorschule für das, was sie später in der Politik erwartete. Schon mit 27
       wollte Aigner Bürgermeisterin ihrer Heimatgemeinde werden.
       Männerseilschaften bremsten sie bei der Nominierung aus. Nach einer kurzen
       Zeit im Landtag sprang Aigner für einen ausgefallenen CSU-Direktkandidaten
       bei der Bundestagswahl 1998 ein. Und gewann auf Anhieb das Mandat.
       
       ## „Bin Single, aber nicht einsam“
       
       Seehofers Angebot, im Kabinett von Angela Merkel 2008 Agrarministerin zu
       werden, kam für sie überraschend. Sie sagte erst zu, nachdem sie sich mit
       ihren Schwestern bei einer Bergtour beraten hatte. Im Podcast „Grant &
       Gloria“ gab sie Mitte Oktober einen seltenen Einblick in ihr Privatleben:
       „Ich gehe als Single durchs Leben.“ Das bedeute aber nicht, dass sie einsam
       sei. „Ich lebe in einem großen Familienverbund, in einem sogenannten
       Dreigenerationenhaus, wo immer irgendwas los ist.“ Mehrfach habe sie
       versucht eine Partnerschaft einzugehen, „mit mehr oder weniger Erfolg“.
       
       Die Politikerin hat schwere Krankheiten durchgemacht. Im Jugendalter wurde
       ihr ein Tumor im Rücken diagnostiziert. Durch eine Operation entging sie
       einer drohenden Querschnittslähmung. Als Bundeslandwirtschaftsministerin
       überwand sie Schilddrüsenkrebs mit einer Strahlentherapie.
       
       ## Technikerin der Macht
       
       Als bayerische Parlamentspräsidentin hat sich Aigner weit über die CSU
       hinaus Respekt verschafft. Schon bei ihrer ersten Wahl erzielte sie mit 198
       von 205 Stimmen eine überwältigende Mehrheit. Als ausgleichend und nahbar
       gilt die Technikerin der Macht.
       
       Nicht nur in ihren öffentlichen Reden hat Aigner ihr Profil als
       Verteidigerin der Demokratie und als Brückenbauerin geschärft. Auf Krawall
       gebürsteten AfD-Abgeordneten zeigte sie im Landtag mehrfach die Grenzen
       auf. Den Laden zusammenzuhalten, diese Fähigkeit wäre im höchsten Staatsamt
       in Berlin noch einmal stärker gefragt.
       
       6 Nov 2026
       
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