# taz.de -- CDU in der Krise: Dem Ärger Luft gemacht – und nun?
> Zwei Tage lang haben rund 160 CDU-Kreisvorsitzende der Parteiführung die
> schlechte Stimmung an der Basis geschildert. Was davon nimmt Merz mit?
(IMG) Bild: Serap Güler, erste weibliche Kreisvorsitzende der CDU Köln, fordert ihre Partei auf, mehr Frauen aufzustellen
Seit vier Jahren ist Friedrich Merz Vorsitzender der CDU, doch zwischen ihm
und seiner Partei kriselt es gewaltig. Ehemalige glühende Anhänger seien
enttäuscht, berichtet etwa die Vorsitzende des Kreisverbandes Frankfurt
(Oder) Desirée Schrade im Gespräch mit dem Journalisten Paul Ronzheimer
[1][in dessen gleichnamigem Podcast]. Sie spüre eine richtige Zerrissenheit
in der CDU. Und der Rückhalt in der Gesellschaft schwindet. In Brandenburg
gelinge es nicht mehr, als reine CDU-Kandidatin ein gutes Ergebnis zu
erzielen, und „wir finden kaum noch jemand, der für uns an die Info-Stände
geht“. Es gebe Parteiaustritte in Größenordnungen.
So hatte Schrade das auch am Montag dem Parteivorsitzenden und Kanzler Merz
geschildert, der sie und die rund 330 CDU-Kreisvorsitzenden [2][zwei Tage
lang zur Aussprache] in die Berliner Parteizentrale eingeladen hatte. Etwa
die Hälfe der Ehrenamtlichen war der Einladung gefolgt.
Eine von ihnen war Serap Güler, erste weibliche Vorsitzende des fast 4.000
Mitglieder zählenden Kreisverbandes Köln. Gülers Arbeitsort ist Berlin, sie
ist auch Staatsministerin im Auswärtigen Amt. Sie habe eine offene und
kritische Debatte erlebt, viele hätten die Gelegenheit gehabt, „mal Luft
abzulassen“, berichtet sie der taz. „Das war wichtig, auch über die
Unzufriedenheit zu sprechen und damit Gehör beim Kanzler zu finden.“ Das
müsse jetzt fortgesetzt werden. Dazu gehöre auch, stärker mit der Basis zu
kommunizieren und die Politik der Bundesregierung besser zu erklären und
einzuordnen. Sie plädiert dafür, solche offenen und kritischen Aussprachen
regelmäßig zu führen. „Das täte beiden Seiten gut.“
Schrade aus Frankfurt (Oder) fordert, die CDU müsse sich auch breiter
aufstellen. Eine Forderung, die Güler vom Arbeitnehmerflügel, CDA,
unterstützt. „Wenn wir sagen, wir müssen uns breiter aufstellen, dann
gehören dazu aber auch mehr Frauen in führenden Positionen.“ Bei der
Aussprache in Berlin und unter den Kreisvorsitzenden generell seien die
weiblichen Vertreter klar in der Minderheit gewesen.
## Zum ersten Mal eine Bundespräsidentin
Merz griff die fehlende Repräsentanz von Frauen zumindest in einem Punkt
auf. Auf der Konferenz hatte er sich am Montagabend darauf festgelegt, dass
eine Frau zum ersten Mal das höchste Staatsamt der Bundesrepublik bekleiden
soll. Die CDU hat das Vorschlagsrecht für die oder den
Bundespräsidentin/en, der oder die im Februar neu gewählt wird. „Ich werde
der Partei eine gemeinsame Kandidatin vorschlagen, eine Kandidatin der
politischen Mitte. Ich bin festgelegt in der Frage, dass es eine Frau
werden muss“, sagte Merz nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur.
CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sagte, die Entscheidung liege
bei den Parteigremien voraussichtlich Anfang kommender Woche. Jetzt würden
noch Gespräche geführt, die erforderlich seien. Inhaltlich sagte die
CDU-Generalsekretärin, in diesen polarisierten Zeiten wäre es gut, wenn
jemand im höchsten Staatsamt sei, der mit „Herzenswärme und
Bodenständigkeit auf die Menschen zugehen kann“ und zugleich politische
Erfahrung mitbringe. Die CSU hat bereits die bayerische Landtagspräsidentin
Ilse Aigner vorgeschlagen, die SPD unterstützt diesen Vorschlag.
3 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://ronzheimer.podigee.io/
(DIR) [2] /CDU-Spitze-trifft-Basis/!6226697
## AUTOREN
(DIR) Anna Lehmann
## TAGS
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) Landtagswahl Brandenburg
(DIR) CDU
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier: CDU will laut Medien Ilse Aigner als Bundespräsidentin
Nach der CSU legt sich offenbar auch die Schwesterpartei CDU fest: Die
bayerische Landtagspräsidentin soll Deutschlands erstes weibliches
Staatsoberhaupt werden.
(DIR) Debatte um Steinmeiers Nachfolge: Wir brauchen keine Bundespräsidentin
Als erste Frau könnte Ilse Aigner (CSU) demnächst Bundespräsidentin werden.
Ist uns damit geholfen?
(DIR) CDU-Spitze trifft Basis: Die große Unzufriedenheit
An der CDU-Basis brodelt es. Jetzt hat die Parteiführung die
Kreisvorsitzenden nach Berlin eingeladen. Ihre Kritik richtet sich vor
allem an den Chef.
(DIR) Ilse Aigner als Bundespräsidentin: Merz’ Schwäche macht auch Scheindebatten relevant
Die CSU sieht ihre Kandidatin schon fast im Schloss Bellevue. Ein Problem
dabei ist, dass der Kanzler zu schwach ist, um Größe zu zeigen.