# taz.de -- BSW in Aufruhr: Nahostkrieg unter Friedensfreunden
> Das sächsische BSW entsendet den Israel-Unterstützer Constantin Schreiber
> zur Wahl der Bundespräsidentin. Die Antizionisten in der Partei sind auf
> den Bäumen.
(IMG) Bild: Reizfigur für „Antizionisten“: BSW-Wahlmann Constantin Schreiber am 7. Oktober in Dresden
Der stellvertretende Bundesvorsitzende des BSW ist empört. Er distanziere
sich „ausdrücklich und entschieden“ von den sächsischen Parteikolleg:innen,
teilte Michael Lüders am Donnerstag mit. Das Vorgehen des BSW im Dresdener
Landtag sei „falsch“ und „politisch in keiner Weise“ nachvollziehbar. Die
Aufregung ist groß. Nicht nur bei Lüders. Auch das JSW, das Jugendbündnis
der Wagenknecht-Partei, echauffiert sich: „Ohne uns. Sachsens Jugend bleibt
antizionistisch.“
Der „antizionistische“ Furor gilt dem früheren „Tagesschau“-[1][Sprecher
Constantin Schreiber]. Der dezidierte Unterstützer Israels ist am
Donnerstag zum Vertreter des sächsischen BSW in der Bundesversammlung
bestimmt worden, die Ende Januar eine neue Bundespräsidentin wählen wird.
Inzwischen hat Schreiber erklärt, dass er die Nominierung durch das BSW
annehme. „Antizionistischen“ Kreisen gilt der 47-Jährige wahlweise als
„Genozidleugner“, „Israel-Propagandist“ oder „Islamhasser“.
Der sächsische BSW-Fraktionschef Ronny Kupke kann die Aufregung nicht
verstehen. „Constantin Schreiber ist ein etablierter Journalist,
Nahost-Korrespondent, ehemaliger Tagesschausprecher und kritischer
Beobachter gesellschaftlicher Entwicklungen, auch über deutsche Grenzen
hinaus“, sagt Kupke zur taz. Die Differenzen von Schreibers
„transatlantischen und proisraelischen Positionen“ zu denen der
Wagenknecht-Partei seien offensichtlich: „Und natürlich macht sich das BSW
diese nicht zu eigen.“
So wie [2][das BSW in Sachsen] aber die Brandmauer ablehne, so habe die
Partei „kein Problem damit, mit Menschen in Kontakt zu kommen, deren
Ansichten wir nur bedingt teilen“, sagt Kupke. Das gelte auch für die
Nominierung von Wahlleuten für die Bundesversammlung: „Was also spricht nun
dagegen, jemanden zu entsenden, der anderer Meinung ist?“
## BSW-General Ruhnert überrascht
Ursprünglich wollte das BSW Sachsen gar nicht Constantin Schreiber, sondern
den [3][Generalsekretär der Bundespartei], Oliver Ruhnert, ins Wahlrennen
schicken. Der Journalist, der zuletzt als „Global Reporter“ für den
Axel-Springer-Verlag tätig war, kam nur deshalb zum Zug, weil Ruhnert nach
eigenen Angaben Ende Januar aus terminlichen Gründen verhindert ist.
Die Begeisterung des BSW-Generals über seinen Ersatz-Wahlmann hält sich
dabei schwer in Grenzen. „Ich war auch überrascht und teile Schreibers
Aussagen zu Nahost nicht“, sagt Ruhnert zur taz. „Meinungspluralität tut
unserer Partei gut. Aber ich hätte mir eine andere Entscheidung gewünscht.
Vor allem aber hätte ich mir gewünscht, dass man diese Personalie zunächst
intern bespricht.“
Gleichwohl gebe es jetzt auch keinen Grund, die Personalie der sächsischen
Kolleg:innen „zum großen Politikum“ zu machen. Es handele sich
schließlich „nur“ um die Vertretung in der Bundesversammlung und nicht um
ein Amt im BSW oder im Landtag, so Ruhnert weiter.
Auch Ronny Kupke vom sächsischen BSW-Landesverband versucht, den Ball flach
zu halten. Der Fraktionschef im Landtag sagt: „Unser Anspruch war dabei
nicht, eine geopolitische Debatte vom Zaun zu brechen, sondern eine
Persönlichkeit des öffentlichen Lebens zu entsenden, die glaubhaft
vermittelt, dass sie das Weiter-so der Altparteien nicht mitträgt.“ Eben
eine Person wie Constantin Schreiber.
## Eine Frage der Relation
Der Bundesversammlung gehören alle 630 Bundestagsabgeordneten an, dazu
nochmal ebenso viele von den Landesparlamenten bestimmte Wahlleute. Diese
müssen nicht zwangsläufig Abgeordnete sein.
Constantin Schreiber wird dann auch nur einer unter etlichen
Nicht-Politiker:innen sein, die am 30. Januar eine neue Bundespräsidentin
wählen. So wollen die Grünen im niedersächsischen Landtag unter anderem die
Klimaaktivistin Luisa Neubauer nominieren, während ihre
Parteikolleg:innen in Baden-Württemberg etwa auf Hartmut Engler
setzen, den Sänger der zumindest musikalisch schwierigen Schlagerband
„Pur“.
Sachsen entsendet insgesamt 33 Wahlleute, 4 davon das sächsische BSW, einer
davon ist Constantin Schreiber. Auch diese Relation müsse man sich mal vor
Augen führen, sagt Ronny Krupke. „Daraus nun ein fundamentales Problem zu
konstruieren, erscheint gewagt.“
## Schreiber lehnt Ilse Aigner als Bundespräsidentin ab
Constantin Schreiber selbst erklärt am Freitagabend, man müsse „kein
Politikwissenschaftler sein, um zu erkennen, dass zwischen meinen
politischen Überzeugungen und denen des BSW erhebliche Unterschiede
bestehen beziehungsweise es überhaupt keine Überschneidungen gibt“. Das
gelte für die Sicherheit Israels, die russische Aggression gegen die
Ukraine oder die soziale Marktwirtschaft.
Er sei kein Mitglied des BSW, er wähle nicht mal die Partei. Trotzdem nehme
er das Angebot an, weil er keinen „Parteisoldaten“ im Schloss Bellevue
sehen wolle. Die seit Freitag feststehende Favoritin für das Amt der
Bundespräsidentin, Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), lehne er
ebenso ab wie die zuvor genannten Kandidatinnen, Bildungsministerin Karin
Prien oder Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (beide CDU).
Die bisherige „Art der Kandidatensuche“ sei jedenfalls eine
„Unverschämtheit“, sagt Schreiber in dem Videostatement. Um dann zu
verkünden, dass er nun „selbst nach einer Persönlichkeit suchen“ werde,
„die dieses Amt vielleicht wirklich auch verdient“. Und weiter: „Als
Wahlmann darf ich jemanden nominieren, und von diesem Recht möchte ich
Gebrauch machen.“
Anm. der Red.: Die Stellungnahme von Constantin Schreiber wurde am
Freitagabend ergänzt. In einer früheren Fassung hieß es zudem
fälschlicherweise, das sächsische BSW entsende drei statt vier Wahlleute.
Wir haben die Stelle korrigiert.
6 Nov 2026
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