# taz.de -- Constantin Schreiber und Azhari TV: Die Spur führt in die Emirate
> Constantin Schreiber moderiert eine Islam-Talkshow in Ägypten. Sein
> Sender hat Verbindungen in die Emirate, über die Schreiber seit Langem
> positiv berichtet.
(IMG) Bild: Vorhang auf für die neue Islam-Talkshow
Gleich zu Beginn nimmt Constantin Schreiber den Vorwurf vorweg: „Ich sag
das gleich am Anfang, weil es vermutlich auch sofort wieder kommen wird“,
sagt er in die Kamera, „die Frage, wirst du dafür bezahlt? Nein, werde ich
nicht.“ Er spreche nicht im Auftrag der Emirate, habe „keinen Werbevertrag“
und keinen Auftrag, das Land besonders günstig darzustellen.
Was folgt, sind gut 18 Minuten, in denen er genau das tut. „Warum
Deutschland die Emirate braucht“, [1][heißt das Video], das Schreiber am 9.
September 2026 auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht. Anlass ist der
Staatsbesuch des emiratischen Präsidenten Mohamed bin Zayed in Deutschland,
bei dem die Emirate Investitionen von 40 Milliarden Euro zusagen.
Scheich Mohammed, sagt Schreiber, habe „Führungsstärke gezeigt, die weit
über die unmittelbare Region hinausreicht“. Die Emirate gehörten zu den
Kräften in der Region, „die wir als Deutschland und als Europa stärken
sollten“.
Sechs Wochen später wird bekannt, wohin Schreibers Weg nach Axel Springer
führt, wo er zum Jahresende aufhört. Ab Mitte Januar 2027 moderiert er
zweimal im Monat die Sendung „Islam Talk“ beim ägyptischen Religionssender
Azhari TV, auf Arabisch, mit Gelehrten, Imamen, Rabbinern und christlichen
Vertretern
Der Sender wolle „eine lebendige und kritische Debatte über den Islam und
insbesondere den Bezug zum Westen fördern“, [2][sagt Schreiber] der SZ. Mit
den Verantwortlichen teile er die Sorge, dass in Europa „konservative bis
extremistische muslimische Organisationen die Deutungshoheit in
muslimischen Communitys gewinnen“.
## Das Umfeld des Herrscherhauses
Wer diese Verantwortlichen sind, sagt Schreiber nicht. Die Geschichte von
Azhari TV und seinen Haupteignern führt jedoch nach Abu Dhabi in das Umfeld
des Herrscherhauses – jenes Landes, für das Schreiber immer wieder positive
Worte findet und das in seiner Berichterstattung über den Nahen Osten als
vermeintlicher Partner gegen Extremismus und für Stabilität auftaucht.
Gegründet wurde Azhari TV im Jahr 2009 von dem libyschen Ölunternehmer
Hassan Tatanaki. Nach Recherchen des [3][Journalistennetzwerks OCCRP]
führte Tatanaki 2014 seine Geschäfte aus einem Büro in Dubai und ist im
Besitz eines emiratischen Passes. Seit seiner Studienzeit pflegt er
Kontakte zur emiratischen Herrscherfamilie. In den [4][„Paradise Papers“]
taucht Tatanaki bereits 2003 als Mitdirektor einer Bermudafirma auf, neben
einem späteren Berater Mohammed bin Zayeds.
Öffentlich zugängliche Angaben zur heutigen Eigentümerstruktur gibt es
nicht. Eine Auskunft liefern [5][ägyptische Zeitungen], die über das
Ergebnis eines langjährigen Rechtsstreits zwischen Tatanaki und den anderen
Anteilseignern [6][berichten]. Diesen Rechtsstreit entschied ein Gericht im
Jahr 2016. Dabei verlor Tatanaki die 60-prozentigen Anteile, die er per
Gründungsvertrag hatte.
Anschließend geriet der Sender in die Hände eines zweiten Mannes, der
ebenfalls dem Herrscherhaus von Abu Dhabi nahesteht: des emiratischen
Geschäftsmanns Hashem al-Qaisiya. Laut ägyptischen Medienberichten übernahm
er 2016 die Finanzierung des Senders und wurde mit 40 Prozent größter
Anteilseigner und Vorstandschef.
Hashem Ahmed Al Qaisiya ist in Abu Dhabi seit mehr als zwanzig Jahren als
Medienunternehmer bekannt. Er ist auch ein Vertrauter der VAE‑Monarchen.
2007 erzählte er der emiratischen Zeitung Al Bayan, seine liebsten
offiziellen Reisen seien die mit Scheich Tahnoun bin Zayed, dem heutigen
nationalen Sicherheitsberater der Emirate. Zur Hochzeit seines Sohnes 2023
kam der heutige Kronprinz von Abu Dhabi. Seine Nähe zur Herrscherfamilie
kann kaum tiefer gehen.
## Staunen in Dubai
Die Faszination Schreibers für die Golfmonarchie ist nicht neu. Zum ersten
Mal sei er 1999 nach Dubai gekommen, mit Anfang zwanzig, erinnert er sich
in einem anderen Video auf seinem Youtube-Kanal mit dem Titel „Das Wunder
von Dubai“: Wo heute Hochhäuser stehen, „war hier Wüste“.
Von 2006 bis 2009 arbeitete Schreiber in Dubai als Korrespondent der
Deutschen Welle. 2022, während seiner Zeit bei der „Tagesschau“,
veröffentlichte er den Reiseführer „Nice to meet you, Dubai!“. Als er 2025
bei Axel Springer begann, schwärmte er in seinen Welt-Kolumnen immer wieder
von den VAE und Dubai als Ort, an dem „Träume nicht nur geträumt, sondern
in die Tat umgesetzt“ würden.
Beim „Global Reporter“ des Axel-Springer-Verlags verschwimmt die
Faszination für das glanzvolle Leben Dubais mit einem unkritischen Urteil
über die emiratische Außenpolitik. In dem „Warum Deutschland die Emirate
braucht“-Video vom September stellt er die VAE als Gegenmodell in einer
unruhigen Region dar.
Das emiratische Interesse an Stabilität sei „kein romantisches
Friedensprojekt“, sondern „handfeste Staatsräson“. Deutschland brauche
Partner, „die ein Interesse an Stabilität haben“, Staaten, „die nicht davon
profitieren, dass religiöse Extremisten stärker werden, dass Handelswege
zusammenbrechen oder dass Konflikte immer weiter eskalieren“.
Schreiber lobt den Kampf der Emirate gegen die Muslimbruderschaft, ihren
Toleranzminister, die Abraham-Abkommen (welche die Beziehungen arabischer
Staaten mit Israel normalisieren sollen), das jüdische Leben im Land. Am
Ende zieht er eine Grenze zwischen guten und schlechten Partnern. Es mache
einen Unterschied, ob ein Staat in Offenheit und Zusammenarbeit investiere,
„oder ob er ideologische Konfrontation und Instabilität fördert“.
Kritik findet sich in einem halben Satz: Das bedeute nicht, „dass ich alles
unkritisch gut finde“. Außen vor bleibt aber die emiratische Verwicklung in
zwei der größten humanitären Krisen unserer Gegenwart: die Bürgerkriege in
Sudan und in Jemen, die Schreibers These vom Stabilitätsanker VAE infrage
stellen.
## Kriegsverbrechen mit Hilfe der VAE
Seit April 2023 wütet ein Bürgerkrieg in Sudan. Trotz Dementis der Emirate
weisen zahlreiche Belege darauf hin, dass die Emirate dort die Rapid
Support Forces (RSF) in ihrem Krieg gegen die Armee mit Waffen und Söldnern
versorgen. Sie ermöglichen den RSF somit eine außerordentlich brutale
Kriegsführung, die sich auch direkt gegen Zivilisten richtet.
Im Oktober 2025 massakrierten die RSF [7][in El Fasher] in der Region
Darfur laut UN‑Menschenrechtsbüro [8][mehr als 6.000 Menschen] innerhalb
von drei Tagen. Dabei kämpft die RSF auch mit Waffen, die offenbar aus den
Emiraten stammen. So dokumentierte [9][Amnesty International im Mai 2025],
wie chinesische Lenkbomben und Haubitzen „fast sicher“ über Abu Dhabi in
die Hände der RSF gelangten, weil die Emirate das einzige Land waren, das
sie gekauft hatte. Abu Dhabi bestreitet die Vorwürfe.
Schreiber werden diese Verstrickungen der VAE vorgehalten. Im April 2026
traf er den emiratischen Botschafter in Deutschland, Ahmad Attar. Hinterher
schrieb er auf LinkedIn, die Emirate stünden „für einen neuen Weg im Nahen
Osten, der auf Austausch, Toleranz und Weltoffenheit setzt“. Unter dem
Beitrag verwiesen andere Nutzer auf Recherchen etwa von Amnesty
International.
Auch in Jemen zeigt sich, wie wenig das Bild vom „emiratischen
Stabilitätsanker“ tatsächlich zutrifft. Jahrelang waren die Emirate Teil
der von Saudi-Arabien geführten Koalition gegen die Huthis, bis es zum
Bruch mit Riad kam. Der Grund: Die VAE förderten zugleich die Separatisten
des Südlichen Übergangsrats (STC), welche die Abspaltung vom Jemen als Ziel
haben.
Ende Dezember 2025 griff die saudische Luftwaffe eine aus den Emiraten an
den STC gelieferte Fracht im Hafen von Mukalla an. Riad bezeichnete die
emiratische Unterstützung als „Bedrohung der nationalen Sicherheit“. Abu
Dhabi wies die saudischen Vorwürfe zurück und zog Truppen aus Jemen ab.
Innerhalb weniger Tage nahmen jemenitische Regierungssoldaten mit
saudischer Unterstützung Aden ein, die Hauptstadt des separatistischen STC,
der deshalb seine Auflösung verkünden musste.
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass Schreiber Mitte Februar 2026 über
diesen Bruch zwischen Riad und Abu Dhabi geschrieben hat, aber aus anderer
Richtung. Die Unterstützung einer separatistischen Miliz, die nicht in eine
Stabilitätserzählung passt, blendete er aus.
In der Welt erschien sein Text „Die neue arabische Rivalität, die den Nahen
Osten destabilisiert“. Darin sind die Emirate das Opfer: einer saudischen
Medienkampagne, antisemitischer Rhetorik, eines Rivalen, der sie „moralisch
infrage“ stelle. Jemen erwähnt der Text nicht. Sudan taucht auf, doch nur
in einer Aufzählung der Unterzeichner der Abraham-Abkommen.
## Kritische Journalisten werden verfolgt
Bemerkenswert ist Schreibers Show bei Azhari TV auch mit Blick auf die
Pressefreiheit in Ägypten. Fast zeitgleich zu seiner Ankündigung schloss
ein Gericht die unabhängige Nachrichtenseite Mada Masr und nahm die
Chefredakteurin Lina Attalah in Gewahrsam. Im Pressefreiheitsranking von
Reporter ohne Grenzen belegt das Land Platz 169 von 180. Eine Anfrage der
taz zur Verfolgung kritischer Journalisten in Ägypten beantwortete
Schreiber nicht, ebenso wie zu den Eigentümern und der Finanzierung von
Azhari TV.
Zu seiner neuen Show schrieb Schreiber der taz jedoch, es sei „zunächst
einmal gut, Gespräche mit Vertretern einer der höchsten Institutionen des
Islam aufzunehmen“. Seine Unabhängigkeit sei ihm „stets besonders wichtig“
gewesen, er spare „keine Perspektive bewusst aus“.
Er verwies auf sein 2020 erschienenes Buch über den Krieg in Jemen und
darauf, dass „Islam Talk“ ein Projekt von vielen sei. Azhari TV ließ eine
Anfrage der taz zu den Eigentümern bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
Es sind solche Muster in der Berichterstattung Schreibers über den Nahen
Osten, die einen misstrauisch machen: Wie kommt ein Journalist zu
unkritisch positiven Urteilen über ein Land, das wie alle anderen Länder im
Nahen Osten zwielichtige Verbindungen hat? Was blendet er aus und warum?
Mit seiner neuen Anstellung bei Azhari TV bekommt die Frage „Wirst du dafür
bezahlt?“ womöglich eine neue Relevanz.
30 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=dB9GMi-L97k
(DIR) [2] https://archive.ph/tA8no
(DIR) [3] https://www.occrp.org/en/project/suisse-secrets/the-many-lives-and-credit-suisse-accounts-of-gaddafi-linked-lobbyist-hassan-tatanaki
(DIR) [4] https://offshoreleaks.icij.org/nodes/82006015
(DIR) [5] https://www.elmogaz.com/145568
(DIR) [6] https://www.vetogate.com/2199711
(DIR) [7] https://www.ungeneva.org/en/news-media/news/2026/02/115868/scene-out-horror-movie-un-report-warns-war-crimes-sudans-el-fasher
(DIR) [8] https://www.ecoi.net/en/file/local/2137703/g2601945.pdf
(DIR) [9] https://www.amnesty.org/en/latest/news/2025/05/sudan-advanced-chinese-weaponry-provided-by-uae-identified-in-breach-of-arms-embargo-new-investigation/
## AUTOREN
(DIR) Amin Al Magrebi
## TAGS
(DIR) Ägypten
(DIR) Vereinigte Arabische Emirate
(DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
(DIR) Axel Springer
(DIR) GNS
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