# taz.de -- Wut wegen Wohngeldkürzungen: „Absolut inakzeptabel und unsozial“
       
       > Kürzungen zu Lasten der Ärmsten: Zur geplanten Wohngeldreform erteilen
       > Sachverständige der Bundesregierung eine saftige Absage.
       
 (IMG) Bild: Das Leben wird härter, wenn statt dem Wohngeldbescheid nur noch die Mieterhöhungen im Briefkasten landen
       
       Für die vorgesehenen Einsparungen beim Wohngeld in Höhe von 2 Milliarden
       Euro findet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) harte Worte. Diese seien
       „absolut inakzeptabel und unsozial“. Sieben von acht geladenen
       Stellvertreter*innen aus Gewerkschaften, Mieter- und
       Eigentumsvertretungen, Kommunen und Sozialverbänden sprachen sich bei einer
       Anhörung im Bundestag entschieden gegen die geplante Wohngeldreform aus.
       
       Die Bundesregierung verspiele damit nicht nur die eigene Glaubwürdigkeit
       hinsichtlich ihres selbst auferlegten Ziels zur Beendigung der
       Wohnungslosigkeit bis 2030, die Reform grenze diesbezüglich sogar an ein
       gebrochenes Versprechen, sagt Martin Künkler vom DGB. Von Seiten des BAG
       Wohnungslosenhilfe e.V bekommt er Zuspruch: „Wohngeld ist die entscheidende
       Präventionsmaßnahme gegen Wohnungslosigkeit!“, erklärt der stellvertretende
       Geschäftsführer Joachim Krauß. Eine Streichung würde zu einer verheerenden
       Situation bei denjenigen führen, die auf die Leistung angewiesen sind –
       Rentner*innen, Familien mit Kindern und einkommensschwache Alleinlebende.
       
       Denn durch den Wegfall des Wohngeldes würden einige Menschen in die
       Grundsicherung rutschen, was erneute Staatsausgaben verursacht.
       Vorausgesetzt, die Antragstellenden überwinden die Hürden hin zum
       Leistungsempfang und landen nicht zuvor in der Wohnungslosigkeit.
       
       ## Mempel: Sie haben ja immer noch die Grundsicherung
       
       Einzig der Stellvertreter des Deutschen Landkreistags sowie des Städte- und
       Gemeindebunds, Markus Mempel, begrüßt die Reformpläne. Angesichts der
       angepriesenen Entlastung des Gesamtsystems sieht er die Mehrausgaben in
       kommunalen Grundsicherungssystemen als vertretbar an. Wem das Wohngeld
       wegfalle, würde noch immer vom Existenzsicherungssystem aufgefangen werden
       und gelte daher nicht als arm, so Mempel. Zudem handele es sich seiner
       Meinung nach eher um eine „Rücknahme einst ausgeweiteter Leistungen“ nach
       der Wohngeldreform 2022 als um eine Kürzung.
       
       Damals hatte die SPD erstmals die Heizkostenkomponente ins Wohngeld
       eingeführt und den Empfängerkreis erheblich erweitert. Die Reform wurde
       parteiintern als historischer Sieg gefeiert.
       
       Der jetzige Reformentwurf sorgt dagegen für viel [1][Missmut und
       Diskussion, auch innerhalb der Regierungskoalition]. Bereits am Donnerstag
       wird über das Budget für das kommende Jahr im Haushaltsausschuss
       verhandelt. In einem Änderungsantrag zum Regierungsentwurf fordern die
       Grünen, die angesetzten Mittel um rund 900 Millionen Euro auf 2,73
       Milliarden zu Euro zu erhöhen und somit die geplanten Einsparungen
       rückgängig zu machen. Außerdem solle die Heizkostenpauschale aufgrund hoher
       Energiekosten um 20 Prozent erhöht werden.
       
       Angesichts all der Menschen, die durch die Reform in die Grundsicherung
       fallen würden, sagt die Grüne Lisa Paus, Vorsitzende des
       Haushaltsausschusses, der taz: „Die Kürzungen sind nicht nur sozial
       ungerecht, sondern auch haushaltspolitischer Unsinn.“ Beim Elterngeld habe
       die Regierung eingesehen, dass sie sich verrannt hat und geplante Kürzungen
       zurückgenommen. Das brauche es auch beim Wohngeld.
       
       ## 1,3 Millionen Haushalte bezogen 2025 Wohngeld
       
       Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss für einkommensschwache Menschen, die
       keine Grundsicherung beziehen. Um die im [2][Reformentwurf] vorgesehenen 2
       Milliarden Euro einzusparen, soll die Wohngeldformel geändert, die
       Heizkostenkomponente halbiert und die Anpassung an Inflation und
       Mietpreisentwicklung ausgesetzt werden.
       
       Welche Haushalte wie stark von den Kürzungen betroffen wären, lässt sich
       nicht allgemein beantworten, da die Höhe des Zuschusses von der Höhe des
       Einkommens, den Wohnkosten und der Zahl der Haushaltsmitglieder abhängt.
       Allerdings wird etwa ein Drittel der bisherigen Haushalte künftig kein
       Wohngeld mehr beziehen können. Im vergangenen Jahr haben rund [3][1,3
       Millionen Haushalte Wohngeld] bezogen, im Jahr zuvor waren es 1,2
       Millionen.
       
       5 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Debatte-zum-Wohngeldgesetz-im-Bundestag-Ueber-1-Million-Haushalte-betroffen/!6220225
 (DIR) [2] https://dserver.bundestag.de/btd/21/082/2108284.pdf
 (DIR) [3] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/09/PD26_339_22311.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Celine Hog
       
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