# taz.de -- Nach Zugunglück in Spanien: Spanischer Verkehrsminister tritt zurück
       
       > Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente nimmt seinen Hut. Nach zwei
       > schweren Zugunglücken übernimmt er Verantwortung, während andere sich
       > wegducken.
       
 (IMG) Bild: Minister Óscar Puente vor einem Parlamentsausschuss
       
       „Ein Verkehrsminister kann nach zwei solch schweren Unfällen nicht im Amt
       bleiben“, erklärte Óscar Puente vor dem ständigen Ausschuss des spanischen
       Parlaments. Nach drei Jahren im Kabinett kündigte er seinen Rücktritt an.
       Es sei eine Frage der politischen Würde, der Kohärenz und des Mitgefühls
       mit den Opfern, fügte er hinzu. [1][Hinter ihm liegen zwei Unglücke im
       Hochgeschwindigkeitszugverkehr in nur einem Jahr.] Einer im Januar forderte
       46 Tote und der von vor einer Woche 69.
       
       Puente geht so, wie er sein Amt all die Jahre ausgeführt hat: Er steht den
       Volksvertretern vier Stunden Rede und Antwort, so wie all die Jahre immer
       wieder auch der Presse. Er ist fest davon überzeugt, dass sich ein Minister
       nicht verstecken darf. In Spanien ist das ungewöhnlich.
       
       Dass Puente jetzt den Hut nimmt und nicht, wie er vorher immer wieder
       betonte, „aus Verantwortung“ am Platz bleibt, hängt auch mit den Wahlen in
       weniger als einem Monat zusammen. [2][Sein Rücktritt soll den
       Ministerpräsidenten und Spitzenkandidaten Pedro Sánchez schützen.] Das
       politische Projekt stünde über seiner Person, so lautet ein anderer der
       Grundsätze, die Puente immer wieder anführte.
       
       Der 1968 geborene Vater dreier Kinder stammt aus der zentralspanischen
       Provinzhauptstadt Valladolid. Puente war Anwalt und Schauspieler, bevor er
       in die Kommunalpolitik ging. Acht Jahre war er Bürgermeister seiner
       Heimatstadt, bevor er 2023 trotz eines erneuten Wahlsiegs von einem Bündnis
       aus konservativer Partido Popular (PP) und rechtsextremer Vox aus der
       Stadtverwaltung gestimmt wurde. Sánchez bot ihm daraufhin zum dritten Mal
       ein Ministerium an. Anders als die Male zuvor stimmte Puente nun zu.
       
       ## Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn
       
       Er präsentierte sich mit einem gekonnten Parlamentsauftritt. „Von Gewinner
       an Gewinner“, richtete er sich an den PP-Chef Alberto Nuñez Feijóo, als
       dieser sich darüber beklagte, dass seine PP zwar die meisten Stimmen auf
       sich vereinigt habe, aber dennoch nicht regieren könne.
       
       Es ist nur einer von vielen Auftritten, für den die einen Puente lieben und
       die anderen ihn hassen. Mit seiner Schlagfertigkeit nutzte er gekonnt die
       sozialen Netzwerke, um Spaniens Rechte vorzuführen. Er machte sich somit
       zum Hassobjekt bei PP, Vox und der ihnen nahestehenden Presse.
       
       Puente übernahm als Verkehrsminister eine schwierige Aufgabe. Das Bahnwesen
       war in den Jahren der Eurokrise von den damals regierenden Konservativen
       marode gespart worden. Und durch die Liberalisierung – die Puente immer
       wieder kritisierte – ist das System überlastet. Die Sozialisten stockten
       zwar die Staatsausgaben wieder auf, doch wettmachen konnte dies nicht
       alles, wie die beiden Unfälle zeigen.
       
       Paradoxerweise musste sich Puente anhören, nicht genug investiert zu haben,
       dabei unterzeichnete das staatliche spanische Bahnunternehmen Renfe just am
       Tag vor dem letzten schweren Unfall einen Milliardenkaufvertrag für Züge.
       Und als Puente im Parlament beantragte, der Staatsbahn eine höhere
       Neuverschuldung zu genehmigen, [3][stimmten genau die dagegen, die ihn
       jetzt der Unterfinanzierung beschuldigen: PP, Vox und die katalanische
       Junts.]
       
       „Nicht alle Politiker sind gleich“, betonte Puente am Mittwoch. Wer
       verstehen will, der verstand. Der scheidende Minister bezog sich auf die
       Konservativen, denn sie gaben weder nach einem schweren Flugzeugunglück bei
       der Armee noch nach einem Zugunglück oder nach den Überschwemmungen in
       Valencia mit über 200 Toten Erklärungen ab. Rücktritte gab es keine. Sie
       versteckten sich.
       
       4 Nov 2026
       
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