# taz.de -- Neuwahlen in Spanien: Totgesagte leben länger
       
       > Nach dem Zugunglück in Spanien tritt Verkehrsminister Oscar Puente
       > zurück. Für Regierungschef Sánchez ist das eine Flucht nach vorn.
       
 (IMG) Bild: Sánchez und Compañeros bleibt nun die Flucht nach vorne
       
       Der Vorwahlkampf der spanischen Sozialisten war sehr gut vorbereitet. „Die
       Kraft der Liebe“ hieß der Slogan, mit dem Spaniens Regierungschef [1][Pedro
       Sánchez] Veranstaltungen mit großem Zuspruch abhielt. Er zeigte sich
       manchmal mit seiner Frau, gegen die nach Anzeige durch rechtsextreme
       Organisationen unter völlig absurden Vorwürfen und entgegen dem Ermessen
       der Staatsanwaltschaft von einem Richter in Madrid ein Verfahren eröffnet
       wurde. Liebe anstatt Hass, Liebe anstatt Spaltung der Gesellschaft, lautete
       die Botschaft, die eine Aufholjagd gegen die Umfragewerte einleiten sollte.
       Und diese Strategie zeitigte erste Ergebnisse.
       
       Doch dann das: [2][Ein Hochgeschwindigkeitszug fährt auf einen anderen
       auf.] 69 Tote und Dutzende Verletzte – eine Kampagne der Liebe hat sich
       angesichts einer solchen Tragödie erübrigt. Nach einer Schockstarre beginnt
       Sánchez jetzt zu reagieren. Sein Verkehrsminister Oscar Puente legte das
       Amt nieder. Es ist der Versuch einer Flucht nach vorn. Ob er gelingt, wird
       sich zeigen müssen.
       
       Wenn überhaupt jemand ein solch schwieriges, ja fast unmögliches Manöver
       hinbekommen sollte, dann ist das Sánchez. Er wurde – ob innerparteilich
       oder als Regierungschef – schon mehrmals totgesagt und gewann dann doch,
       etwa die Urwahlen zum Vorsitzenden seiner sozialistischen PSOE. Und er
       konnte 2023 – entgegen allen Umfragen – auch doch wieder eine Regierung
       bilden.
       
       Soll das auch dieses Mal wieder gelingen, muss Sánchez – und die Linke
       links von ihm – die fortschrittliche Wählerschaft mobilisieren. Die
       Kampagne muss zurück auf soziale Themen gebracht werden. Dort wo die Rechte
       – die konservative Partido Popular und die rechtsextreme Vox – bereits
       jetzt Opfer verlangen und Kürzungen etwa bei der Rente und den
       Mindestlöhnen propagieren oder den freien Markt als alleinige Lösung für
       die Wohnungssituation preisen. Nur wenn Sánchez wieder die Themen des
       Wahlkampfs bestimmt, wird die Rechte Fehler machen, die sie entlarven.
       
       Der Rücktritt Puentes ist dazu ein erster Schritt. Nicht mehr, aber auch
       nicht weniger. Noch ist knapp ein Monat Zeit [3][bis zu den vorgezogenen
       Parlamentswahlen am 29. November].
       
       4 Nov 2026
       
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