# taz.de -- Umstrittene Entwaldung in Brasilien: Beschwerde gegen Blackrock wegen Geldwäscheverdachts
       
       > Menschenrechtler beschweren sich bei der Finanzaufsicht. Sie werfen der
       > Fondsfirma vor, geldwäscherechtliche Sorgfaltspflichten verletzt zu
       > haben.
       
 (IMG) Bild: Hat ein Blackrock-Fonds schmutziges Geld erhalten? Riesige JBS-Rinderfarm in Brasilien
       
       Rindfleisch und Geldwäsche sind zwei Wörter, die erst mal nicht
       zusammenpassen. Doch Beschwerdeführer gegen die Blackrock Asset Management
       Deutschland AG vertreten die Auffassung, dass Erträge aus Rindern, die auf
       rechtswidrig gerodeten Flächen in [1][Brasilien] aufgezogen worden seien,
       aus Straftaten herrühren könnten. Sie leiten daraus den Verdacht ab, dass
       eine Investition in Aktien des Fleischkonzerns JBS und die Vereinnahmung
       von Dividenden durch Blackrock Deutschland geldwäscherechtliche Pflichten
       auslösen könnten.
       
       Deshalb haben die Menschenrechtsorganisationen nun Beschwerde gegen
       Blackrock Deutschland bei der Finanzaufsicht Bafin eingereicht. Die
       Vorwürfe sind bislang nicht behördlich festgestellt. Blackrock Inc. mit
       Sitz in New York gilt als der größte Vermögensverwalter weltweit. Er
       dirigiert ungefähr 14 Billionen Euro. Zum Vergleich: Die deutsche
       Wirtschaftsleistung eines Jahres beträgt etwa ein Drittel dieser
       Größenordnung.
       
       Dass am [2][Amazonas] Urwälder teils illegal zerstört werden, um Weideland
       zu gewinnen, ist bekannt. Dass Rinderhalter damit indigenen
       Einwohner:innen mitunter Land rauben und die grüne Lunge der Welt
       schädigen, ebenfalls. Die Schlussfolgerungen, die die Beschwerdeführer
       hinsichtlich des Verdachts möglicher Geldwäsche daraus ableiten, sind
       jedoch neu.
       
       Die Menschenrechtsjurist:innen der Transnational Legal Coalition
       (TLC), zu der das Europäische Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte
       (ECCHR) in Berlin gehört, haben 14 Beschwerden oder Klagen in vier Staaten
       eingereicht. Hinzu kommen zwei Strafanzeigen gegen JBS in den Niederlanden
       und Großbritannien. Das Unternehmen bezeichnen die Kritiker:innen als
       „weltgrößten Fleischkonzern“. Es bestehe der Verdacht, dass JBS auch
       Rindfleisch verarbeitet habe, das von illegal angelegten Weideflächen am
       Amazonas stamme. Auch Banken von JBS sowie Anwälte, Steuerberater und
       Wirtschaftsprüfer hat TLC ins Visier genommen.
       
       ## Mehrere Verdachtsfälle
       
       In ihrer Beschwerde hat TLC mehrere Verdachtsfälle der Rinderhaltung und
       Fleischproduktion auf illegal entwaldeten Flächen in der Lieferkette von
       JBS dokumentiert. 2024 belegte die brasilianische Umweltbehörde das
       Unternehmen mit einer Strafzahlung, schrieb die Agentur AP. JBS teilte der
       taz mit, seit 2010 würden die Viehlieferanten unter anderem mit einem
       satellitengestützten System überwacht und Farmen mit illegaler Entwaldung
       ausgeschlossen.
       
       Unter anderem zu Blackrock Deutschland sagt Miriam Saage-Maaß, Juristin des
       ECCHR: „Nach den aus dem EU-Recht abgeleiteten Vorschriften zur Bekämpfung
       der Geldwäsche sind Rinder, die auf illegal abgeholzten Flächen aufgezogen
       wurden, Erträge aus Straftaten.“ Konkret sollen die Geschäfte den
       Kritiker:innen zufolge so ausgesehen haben: Über den börsengehandelten
       Fonds iShares MSCI Brazil UCITS ETF (DE) soll Blackrock Deutschland
       JBS-Aktien gehalten und Dividenden eingenommen haben. Anteile solcher Fonds
       können auch Kleinanleger:innen kaufen. Die Beteiligung am
       Fleischkonzern soll zwischen 2018 und 2025 bestanden haben. Bis Mitte 2025
       seien Dividenden von über 2 Millionen Euro „auf das brasilianische
       Fleischgeschäft entfallen“, schreibt ECCHR.
       
       Blackrock weist die Vorwürfe zurück: „Der iShares MSCI Brazil UCITS ETF
       (DE) wird von BlackRock Asset Management Deutschland AG verwaltet und
       bildet den MSCI Brazil Index nach. Er hält deshalb auch JBS-Aktien. Etwaige
       Dividenden sind Erträge des Fondsvermögens und keine Einnahmen der
       BlackRock Asset Management Deutschland AG. BlackRock ist der Auffassung,
       dass die Beteiligung des Fonds an JBS keine geschäftliche Beziehung des
       Emittenten zur Kapitalverwaltungsgesellschaft begründet.“
       
       Die Beschwerdeführer berufen sich auf das EU-Geldwäscherecht sowie auf
       Pflichten nach dem deutschen Geldwäschegesetz (GWG). Sie sehen auch einen
       möglichen Bezug zu Paragraf 261 des Strafgesetzbuches, der Geldwäsche unter
       Strafe stellt. Ob diese Vorschriften auf die konkrete Fondsanlage und die
       behaupteten Dividendenzahlungen anzuwenden sind, ist jedoch nicht
       behördlich oder gerichtlich geklärt.
       
       ## Finanzaufsicht Bafin soll aufklären
       
       Im Paragraf 5 des GWG steht beispielsweise, dass Finanzinstitute die
       potenziellen Risiken ihrer Geschäfte analysieren müssen. Dabei hätte
       Blackrock auffallen können, dass die JBS-Dividenden aus möglicherweise
       illegaler Abholzung und darauf basierender Rinderzucht stammen, somit
       eventuell illegale Erträge darstellen. Nach Paragraf 43 GWG müssen
       Investoren die Ermittlungsstelle des Zolls informieren, falls es einen
       Verdacht gibt, Geld könne aus strafbaren Handlungen fließen. Unter
       bestimmten Umständen haben sie sogar die Pflicht, ihre Geschäfte zu
       beenden.
       
       Diese Sorgfaltspflichten habe Blackrock Deutschland möglicherweise
       verletzt, erklären die Kritiker:innen. Die Finanzaufsicht Bafin solle den
       Verdacht der Geldwäsche „aufklären, abstellen und im Falle des
       Zuwiderhandelns ein Bußgeld verhängen“. Die kritisierten Geschäfte sollen
       teilweise in die Zeit fallen, in der der heutige [3][Bundeskanzler
       Friedrich Merz (CDU)] von 2016 bis 2020 als Aufsichtsratsvorsitzender von
       Blackrock Deutschland amtierte.
       
       Was dabei herauskommt, ist offen. Weil es ein solches Verfahren noch nicht
       gab, dürfte es länger dauern. Sollten die Kläger:innen Erfolg haben,
       müssten sich viele Investoren auch in anderen Branchen und Banken warm
       anziehen.
       
       5 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
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