# taz.de -- CDU und Faschismus: Durch die Mitte gegen die Wand
       
       > Die geistige Leere und die Habgier im Zentrum der Gesellschaft sind
       > Zeichen der Sehnsucht nach autoritärer Herrschaft. Ein Vorbild steht
       > bereit.
       
 (IMG) Bild: Ein Bündnis von Supermännern und braunen Gartenzwergen braucht keine Mitte mehr
       
       Mir geht es gut. Mir geht es jedenfalls so gut wie selten in meinem Leben,
       materiell gesehen. Der EC-Automat spuckt Scheine aus, wenn ich welche will.
       Und wenn mich nicht die Vergangenheit in Form einer posttraumatischen
       Störung einholt, lege ich meine Kreditkarte bedenkenlos auf das Lesegerät
       im Supermarkt.
       
       Vielleicht ist es diese momentane Sicherheit, die es mit sich bringt, dass
       ich mich mehr um die Zukunft sorge als um die Gegenwart. Eher nicht meine
       persönliche Zukunft, und auch nicht um die Zukunft der Menschheit. Die
       Zukunft der Menschheit ist mir zu abstrakt.
       
       Aber wenn mich meine Kinder fragten – was sie außer dem Jüngsten
       seltsamerweise gar nicht tun –, wie ich mir so die nähere Zukunft
       vorstelle, dann käme ich mit der Antwort ins Schwimmen. Ich würde
       wahrscheinlich sagen, was mich persönlich am meisten ängstigt. Das ist ein
       Sieg des mafiös-faschistischen Putinregimes im Krieg gegen die Ukraine; und
       das ist der mit diesem Regime verbündete Faschismus in Deutschland – ob er
       sich nun BSW oder AfD abkürzt –, in Europa und in den USA.
       
       Vermutlich, weil es mir seit einiger Zeit gut geht, also von einem
       Klassenstandpunkt her, liegt für mich die Antwort auf die faschistische
       Bedrohung [1][in der Mitte]. Wenn ich in einer anderen historischen und
       persönlichen Situation dafür war, die reale Spaltung der Gesellschaft
       voranzutreiben, so habe ich jetzt eine Sehnsucht nach Sammlung, nach
       Bündelung der Kräfte.
       
       ## Kein Hauch eines positiven Gegenentwurfs
       
       Wenn ich mir nun zum Beispiel ansehe, was der CDU-Landeschef und
       Spitzenkandidat seiner Partei bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus,
       Stefan Evers, zum rot-grün-roten Sondierungspapier [2][zu sagen hatte],
       dann wird mir ein bisschen schlecht.
       
       Da ist kein Hauch eines positiven Gegenentwurfs zum ja durchaus mit guten
       Argumenten kritisierbaren Papier und Projekt, da ist nur dummer Trotz und
       dumpfe Angstmacherei. Dass sich diese CDU aus einer potentiellen Mitte
       abgemeldet hat, verstört mich genauso, wie die [3][Radikalisierung der
       FDP], deren daraus folgendes Verschwinden mich früher natürlich sehr
       gefreut hätte.
       
       Wenn man keine Antworten auf die Fragen der Zeit hat, nichts ändern will,
       keine Selbstkritik üben, wenn man Opfer immer nur von anderen erwartet,
       wenn man nicht bereit ist, auch nur das Geringste beizutragen, wenn man
       sich selbst ständig lügenhaft arm rechnet, dann will man, dass die
       Gesellschaft gegen die Wand fährt.
       
       Die Idee ist dann vielleicht, die Trümmer aufzusammeln und sich sein
       eigenes Türmchen daraus zu bauen. Das natürlich jemand beschützen muss.
       Dann sind wir beim Faschismus angekommen, den, soweit ich das verstehe,
       auch die Big-Tech-Bros [4][anstreben].
       
       Und es ist klar, dass ein Bündnis von Supermännern und braunen
       Gartenzwergen keine Mitte mehr braucht. Dieses Bündnis braucht auch
       [5][keine kritische Kultur,] keine Empathie. Es ist die Diktatur der
       Starken mit den ewigen Halbstarken, in der diejenigen, die sich noch auf
       Kategorien wie Gewissen, Moral, religiös-humanistische Werte und nicht
       zuletzt Schönheit berufen, als „selbsternannte Oberlehrer und Elite, die
       uns jeglichen Spaß verderben wollen“, gelten, [6][wie das der Psychologe
       Klaus Ottomeyer mal in der taz formuliert hat]. Und sollte es doch mal eine
       offene ethische Frage geben, liefert die KI herrschaftsgerechte Antworten.
       
       Meinen vierjährigen Sohn beschäftigt gerade das Sterben. Und ich kann ihm
       guten Gewissens die Antwort geben, dass das Sterben zum Leben dazugehört,
       aber ihn noch nicht übermäßig beschäftigen muss. Schwierig wird es werden,
       wenn er mich nach dem Leben fragt.
       
       26 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] https://muenchen.t-online.de/region/muenchen/id_101488596/muenchen-gruender-wollen-staat-abschaffen-hotel-beendet-zusammenarbeit.html
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