# taz.de -- Nach Gen-Z-regelt-Protest: Der Sündenbock ist schnell gefunden
       
       > Nach den Protesten von „Gen Z regelt“ kommt es in Frankfurt und Köln zu
       > Krawallen. Hessens Innenministerium macht vor allem „Migranten“
       > verantwortlich.
       
 (IMG) Bild: Vor dem Krawall: Die eigentliche Gen-Z-Demo in Frankfurt/Main hatte am Samstag friedlich begonnen
       
       Am Sonntagmorgen ist die Frankfurter Innenstadt weitgehend leer. Vor
       einigen Geschäften stehen noch Polizisten, andere sind mit Holzplatten
       verbarrikadiert. In der Nacht hatte sich ein anderes Bild geboten: Bis in
       die frühen Morgenstunden kam es in der Innenstadt zu Krawallen. Zeitweise
       wurden Barrikaden errichtet, Schaufensterscheiben eingeschlagen und Waren
       aus Geschäften gestohlen. Zudem wurden zwei Waffen aus einem Geschäft
       entwendet, die die Polizei später sicherstellte. Nach Angaben der
       Frankfurter Polizei wurden insgesamt 17 Geschäfte beschädigt.
       
       1.300 Einsatzkräfte waren laut dem Hessischen Innenministerium in der Nacht
       im Einsatz. Die Polizei kontrollierte 366 Personen, erteilte 1.225
       Platzverweise und nahm 54 Menschen im Alter zwischen 13 und 29 Jahren fest.
       Die Festgenommenen hätten mehrheitlich die deutsche Staatsbürgerschaft,
       kämen aber aus einem „migrantischen Milieu“, so Hessens Innenminister Roman
       Poseck (CDU) am Sonntagnachmittag. Die hessische Polizei wolle „junge
       migrantische Männer“ nun stärker in den Fokus nehmen.
       
       Innenminister Poseck kündigte ein hartes Vorgehen gegen die „überwiegend
       migrantische Täterklientel“ an. Zugleich betonte er, dass nur ein kleiner
       Teil der Festgenommenen aus Frankfurt stamme. Mehr als 100 Polizeibeamte
       seien bei den Einsätzen verletzt worden.
       
       Der Protest in Frankfurt hatte zunächst friedlich begonnen. Zu den für
       Samstag angekündigten Demonstrationen unter dem Motto „Gen Z regelt“
       versammelten sich rund 10.000 Menschen am Mainkai. Von dort aus zog der
       Demonstrationszug durch die Innenstadt. Über die Konstablerwache sollte es
       zurück zum Mainkai gehen.
       
       ## Um 18 Uhr eskalierte die Lage
       
       „Ich bin heute hier, weil wir viele Probleme an unserer Schule haben“,
       sagte der 15-jährige Schüler Sheriff von der Frankfurter Eichendorffschule
       der taz. „Unsere Toiletten sind kaputt, es gibt Lehrermangel und wir können
       nicht richtig lernen.“
       
       Bis kurz vor der Konstablerwache verlief die Demonstration friedlich –
       abgesehen von vereinzelten Böllern und Feuerwerkskörpern. Deshalb hielt die
       Polizei den Demonstrationszug mehrfach an. Für 18.30 Uhr war an der
       Konstablerwache zudem eine Pressekonferenz des hessischen Innenministers
       Roman Poseck (CDU) angekündigt.
       
       Kurz vor 18 Uhr eskalierte die Lage jedoch in der Bleichstraße, unweit der
       Konstablerwache. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein und löste die
       Demonstration wenig später auf. Wie die taz vor Ort beobachtete, gab es bei
       den Polizeieinsätzen auch mehrere Verletzte.
       
       Noch am Abend distanzierte sich die Initiative „Gen Z regelt“ von der
       Gewalt. Man bedauere die Auflösung der Veranstaltung und wolle die
       „Geschehnisse und mögliche Fehler sorgfältig aufarbeiten, um daraus zu
       lernen“.
       
       ## Polizei will künftig noch härter vorgehen
       
       Die Initiative hatte unter anderem ein bezahlbares Leben sowie mehr Geld
       für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie statt weiterer Kürzungen
       gefordert. Sie kündigte an, weitere Demonstrationen organisieren zu wollen.
       „Wir wollen uns an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen“,
       erklärte ein Sprecher des Presseteams.
       
       Aus Sicht Posecks darf die für den 20. November angekündigte Demonstration
       „nicht stattfinden“. Bei möglichen weiteren Versammlungen wolle die Polizei
       mit einem noch größeren Aufgebot präsent sein und „von Anfang an robust
       vorgehen“, kündigte der Innenminister an.
       
       Auch andernorts ging die Polizei mit großer Härte vor, etwa in Köln. Dort
       ist es am Samstagnachmittag am Konrad-Adenauer-Ufer voll. Tausende,
       überwiegend junge Leute demonstrieren hier gegen kaputtgesparte Schulen,
       gegen Wehrpflicht und immer mehr staatliche Überwachung – und für ein
       bezahlbares Leben und konsequenten Klimaschutz. „Bessere Bildung, keine
       Waffen“, „Tax the Rich“ oder schlicht „Merz ist ein Scherz“ steht auf ihren
       Plakaten.
       
       Die Demo am Rheinufer dürfte die größte Protestaktion gewesen sein, die
       [1][„Gen Z regelt“] an diesem Samstag organisiert hat. Das
       Organisationsteam zählte, wie bereits im Vorfeld angekündigt, rund 15.000
       Teilnehmende. Die Polizei sprach von einer „deutlich geringeren“ Zahl, gab
       aber keine genaue Schätzung heraus.
       
       Die Demo war offiziell wegen der erwarteten Größe der Proteste, wohl aber
       auch aus Sorge vor Ausschreitungen und Plünderungen vom zentral gelegenen
       Heumarkt ans etwas abgelegene Rheinufer hinter dem Hauptbahnhof verlegt
       worden. Dennoch hatten vor allem Juweliere und Luxus-Boutiquen in der
       Innenstadt bereits am Freitag damit begonnen, ihre Schaufenster zu
       vernageln.
       
       ## Demozug wird untersagt
       
       Doch auch am Konrad-Adenauer-Ufer setzte die Polizei alles daran, einen
       Demonstrationszug zu verhindern. Dieser hätte vom Zentrum aus in Richtung
       der nördlichen Stadtteile führen sollen. Die Verhandlungen zwischen dem
       Organisationsteam von „Gen Z regelt“ und der Polizei zogen sich über
       Stunden hin. Am Ende wurde aus der geplanten Demonstration ein stationärer
       Protest. Als Begründung führte die Polizei die Vermummung einzelner
       Teilnehmer an.
       
       Der Weg in Richtung Norden blieb also versperrt. Als ein Teil der
       Demonstrierenden dann in Richtung Süden und damit in Richtung Dom und
       Innenstadt ausweichen wollte, brachte die Polizei sofort zwei Wasserwerfer
       in Stellung. „Wir sind quasi eingekesselt“, sagte ein „Gen Z“-Ordner dazu.
       
       Im südlichen Teil der Demonstration wurden daraufhin mehrere Rauchtöpfe und
       Bengalos gezündet. Dort waren Palästina-Fahnen sowie zahlreiche Fahnen von
       Jugendorganisationen, etwa der Linkspartei und der MLPD, zu sehen. Die
       Polizist:innen reagierten mit großer Aggressivität. Ein Wasserwerfer
       und ein Räumpanzer drängten die Protestierenden immer mehr zusammen. Der
       LKW-große Wasserwerfer fuhr mehrmals zwar nur wenige Meter, aber stark
       beschleunigend und dadurch mit viel zu hoch erscheinender Geschwindigkeit
       auf die Protestierenden zu und durchnässte zahlreiche Demonstrierende.
       
       Es folgten weitere beängstigende Szenen: Aus Richtung Norden stürmten
       behelmte Beamt:innen in Angriffsformation und mit gezogenen
       Schlagstöcken auch auf Menschen zu, die den Anweisungen der Polizei bereits
       Folge geleistet hatten und sich nicht mehr auf der Straße, sondern auf dem
       Gehweg befanden. Unter ihnen waren zahlreiche Jugendliche, aber auch Eltern
       mit ihren Kindern.
       
       Bereits zuvor hatte die Veranstaltungsleiterin der „Gen Z“-Kundgebung,
       Lysianne Mondry, die Veranstaltung gegen 16 Uhr auf Druck der Polizei für
       beendet erklärt. Beamt:innen hätten ihr mitgeteilt, dass sie andernfalls
       juristisch für mögliche Gewalttaten haftbar gemacht werden könnte, sagte
       die 18-Jährige der taz. Sie sei enttäuscht, dass statt eines
       Demonstrationszugs lediglich eine Standkundgebung möglich gewesen sei.
       
       ## Widersprüchliche Darstellungen
       
       Polizeisprecher Sascha Walmeroth betonte noch am Rheinufer dagegen, die
       „Gen Z“-Demo sei allein auf Initiative der Versammlungsleiterin beendet
       worden. Zudem sei nie ein Demonstrationszug, sondern stets nur eine
       Standkundgebung angemeldet gewesen – eine Darstellung, der das „Gen
       Z“-Organisationsteam vehement widerspricht.
       
       Im Anschluss verschärfte sich die Situation weiter: Die Polizei bildete
       zwei Kessel. Im größeren hielten die Beamt:innen rund 600, im kleineren
       etwa 100 Demonstrierende bis zum Abend fest. Erst nachdem ihre Personalien
       aufgenommen worden waren, durften sie gehen. Kölns Polizeipräsident
       Johannes Hermanns bezeichnete die Eingeschlossenen als [2][„Extremisten“].
       Die Bilanz des Einsatzes fiel unterdessen vergleichsweise überschaubar aus:
       Lediglich ein Polizist wurde durch eine Handverletzung dienstunfähig. Bis
       zum späten Nachmittag gab es zudem nur eine Festnahme.
       
       „Wir sind friedlich, was seid ihr?“, rief etwa die Gewerkschafterin Ulja
       Held, die sich bei der IG Metall engagiert und bei Ford arbeitet, ins
       offene Mikrofon des Internationalistischen Bündnisses. Die Strategie der
       Polizei, die Demonstrierenden zunächst festzuhalten und anschließend
       zusammenzudrängen, sei offensichtlich darauf angelegt gewesen, ein hartes
       Vorgehen gegen sie zu rechtfertigen.
       
       Überraschend kam die große Härte des Polizeieinsatzes allerdings nicht:
       Nordrhein-Westfalens CDU-Innenminister Herbert Reul hatte bereits Anfang
       der Woche vor Ausschreitungen wie in Frankreich gewarnt und dabei an die
       dortigen „Brände und Plünderungen“ erinnert. „Wir werden nicht akzeptieren,
       dass ein marodierender Mob unsere Städte zerstört“, erklärte der 74-Jährige
       und gab damit den politischen Ton vor.
       
       In Köln kam es bis in die Halloween-Nacht hinein dennoch zu Krawallen: In
       der Südstadt, aber auch rund um den Dom wurden Böller gezündet und
       Mülltonnen umgeworfen. Laut Polizei warfen Vermummte Steine und Feuerwerk
       auf Beamte, errichteten Barrikaden aus E-Scootern und griffen unter anderem
       ein Geschäft an. An Wochenenden sei der Auftritt einzelner randalierender
       Gruppen allerdings „nicht unüblich“, sagte eine Polizeisprecherin der taz.
       
       Die Linkspartei in Köln kritisierte deshalb, die Polizei habe bei der „Gen
       Z“-Demo „schnell und von Beginn an unverhältnismäßig“ eskaliert. „Wer
       jungen Menschen erst das Demonstrieren verweigert und ihnen dann mit
       Wasserwerfern begegnet, muss sich über ihre Wut nicht wundern“, erklärte
       die Kölner Bundestagsabgeordnete der Linken, Lea Reisner. Sie erwarte „vom
       Polizeipräsidium Köln und vom Innenministerium eine lückenlose Aufklärung“.
       
       Auch Paul Müldner vom Kölner „Gen Z“-Presseteam sagte, er finde es
       „erschreckend, dass die Polizei bei einer Demonstration von Jugendlichen
       offensichtlich von Anfang an mit dem Einsatz von Wasserwerfern plant“.
       Dennoch werde es schon beim internationalen Jugendstreik am 20. November
       auch in Köln neue Proteste geben. „Denn nach nur einer Demo“, glaubt
       Müldner, „ist Merz bestimmt noch nicht bereit, uns zuzuhören.“
       
       1 Nov 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Wyputta
 (DIR) Yağmur Ekim Çay
       
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