# taz.de -- Politiker fährt nach Oleschky: Mission Menschenrettung
> Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez nutzt die
> aktuelle Waffenruhe, um Menschen in der Frontstadt Oleschky zu helfen.
(IMG) Bild: Der ukrainische Menschenrechtskommissar Dmytro Lubinez
In diesen Tagen ist er für Hunderte Menschen so etwas wie die letzte
Hoffnung, beziehungsweise eine Art Lebensversicherung: Dmytro Lubinez. Am
Donnerstag informierte der Ombudsmann für Menschenrechte des ukrainischen
Parlaments die Öffentlichkeit darüber, dass er sich mit einer Delegation
auf den Weg nach Oleschky gemacht habe.
Die [1][von russischen Truppen eingeschlossene Frontstadt] im Süden der
Ukraine mit nur noch 1.500 bis 2.000 katastrophal unterversorgten
Einwohner*innen gleicht der Hölle auf Erden. Das Ziel der Mission unter
der Ägide von Ljubinez ist es, humanitäre Hilfe in die Stadt zu bringen und
die Evakuierung derer, die Oleschky verlassen wollen, sicherzustellen. „Für
mich gibt es nichts Wichtigeres als ein Menschenleben. Deshalb tue ich, was
ich tue“, schrieb Lubinez auf seinem Telegram-Kanal.
Dort postete er auch Fotos, die ihn am Flughafen der belarussischen Stadt
Gomel zeigen. Von dort sollte es weiter in die russische Schwarzmeerstadt
Anapa gehen. Wenn die Aktion wie geplant über die Bühne geht – seit
vergangenem Dienstag gilt für Oleschky eine Waffenruhe – hätte der
45-Jährige auch mal eine gute Nachricht zu verkünden.
Lubinez wurde in Wolnowacha im Gebiet Donezk geboren. 2003 beendete er an
der Fakultät für Geschichtswissenschaften der Universität in Donezk ein
Studium in Internationalen Beziehungen und Außenpolitik. 2013 setzte er in
Charkiw noch einen Abschluss in Jura drauf. Zu diesem Zeitpunkt war er
bereits seit drei Jahren Abgeordneter des Stadtparlaments von Wolnowacha.
Ein Jahr später wurde er in das nationale Parlament gewählt, und zwar auf
dem Ticket der Partei des [2][damaligen Präsidenten Petro Poroschenko].
## Im Europarat aktiv
Der verheiratete Vater eines Sohnes und einer Tochter war Vorsitzender des
Parlamentsausschusses für Menschenrechte, die Beendigung der Besetzung und
Reintegration der vorübergehend russisch besetzten Gebiete sowie für
nationale Minderheiten und interethnische Beziehungen. Zudem war er
Mitglied der ukrainischen ständigen Delegation bei der Parlamentarischen
Versammlung des Europarates.
Im April 2022, kurz nach Beginn der russischen Invasion, gehörte Lubinez
einem Team ukrainischer Unterhändler an, die mit russischen Vertretern über
Sicherheitsgarantien für die Ukraine verhandelten. Drei Monate später wurde
er zum Menschenrechtsbeauftragten ernannt.
Auch in der Folgezeit hatte Lubinez im Rahmen unterschiedlicher
Verhandlungsrunden immer wieder direkten Kontakt zu Vertretern Russlands.
Das gefällt nicht allen, auch am Donnerstag wurde Kritik laut. Darauf
reagierte Lubinez umgehend: „Ich bitte Sie, offiziellen Quellen zu
vertrauen und keine Schlüsse aus unbestätigten Berichten zu ziehen. Denn
Sie können sich kaum vorstellen, wie komplex diese Verhandlungen waren –
und wie lange sie gedauert haben. Doch wir haben erst die Hälfte des Weges
zurückgelegt. Daher meine Bitte: Lassen Sie uns alle Fragen zurückstellen,
bis ich wieder zu Hause bin“, schrieb er auf Social Media.
Dort kann er dann auch wieder einer seiner Lieblingsbeschäftigungen
nachgehen. Jeden Sonntag geht Lubinez auf den Markt. Dort kauft er nicht
nur Lebensmittel ein, sondern plaudert auch gerne mit Menschen. Er dürfte
einiges zu erzählen haben.
29 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Menschenrechte
(DIR) Russland
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