# taz.de -- KI macht wieder Sachen: Ein „Ausbruch“ auf Bestellung
> Kein Internetzugang? Von wegen. OpenAI hat neue Sicherheitsprobleme
> öffentlich gemacht. Aber wer ist eigentlich verantwortlich?
(IMG) Bild: Techniker nehmen Anpassungen an „Neo“ vor, dem neuesten humanoiden Robotermodell von 1X, während dieser während einer Vorführung am 25. Februar 2025 in Jeløy, Norwegen, aufgeladen wird. Indem 1X seine humanoiden Roboter in die Haushalte der Menschen bringt, hofft das Unternehmen, riesige Datenmengen zu sammeln, anhand derer diese Roboter lernen können, mit dem Chaos des Alltags umzugehen
OpenAI stoppt die Tests seiner leistungsstärksten KI-Modelle, zumindest
vorerst. Und: endlich!
Grund dafür sind [1][neue Vorfälle], bei denen Software wohl nicht das
gemacht hat, was sie eigentlich sollte. Am Wochenende wurde bekannt, dass
eine KI des ChatGPT-Entwicklers 53 Mal Fotos von Menschen auf
Online-Plattformen hochgeladen hatte. Und dass ein Modell bei einem
Testlauf, bei dem es eigentlich keinen Zugriff zum Internet haben sollte,
dann doch eine Möglichkeit gefunden hat, mit einem externen Chatbot zu
kommunizieren.
„Ausgebrochen“ sei die KI, schreiben einige Medien. Als hätte die KI einen
eigenen Willen, mit dem sie sich über Grenzen hinwegsetzt. Dabei hat sie
nur eine Lücke in den Netzwerkeinstellungen genutzt, während sie ihrem
Auftrag folgte. Sie sollte in einer Web-Imitation, also einem Nachbau des
Internets – nicht dem Internet selbst – Informationen über eine Person
finden, die einen Post verfasst haben soll.
Von einem „Ausbruch“ zu schreiben, als handle es sich bei der KI um eine
Kriminelle oder eine übereifrige Mitarbeiterin, liegt nahe. Diese
Vermenschlichung, die Anthropomorphisierung, ist nicht nur ein wundervolles
Stilmittel der Poesie, mit dem etwa die Natur als empfindsam, beseelt
dargestellt wird, man denke nur an die großen Dichtungen der Romantik.
## Die Tür war nicht abgesperrt
Sie ist auch eine Strategie, mit der Technologie begreifbar und emotional
erfahrbar gemacht werden kann. Wir alle greifen darauf zurück, besonders im
[2][Journalismus.]
Doch die Anthropomorphisierung hinkt. Denn die KI hat keinen Willen, keine
intrinsische Motivation. Sie tut lediglich das, was man von ihr verlangt,
manchmal über Umwege, die den Auftraggeber*innen nicht gefallen.
Das Modell von OpenAI ist nicht „ausgebrochen“. Es hat nicht mit einer
Feile, überbracht im Inneren eines Kuchens, die Gitterstäbe eines
Gefängnisses zerstört. Es hat sie auch nicht auseinandergebogen, wie eine
KI es auf dem Spiegel-Cover Mitte September bildlich tat. Sie hat lediglich
gemerkt, dass die Tür nicht abgesperrt war.
„Chattie“ nennen manche beinahe liebevoll das Large Language Model (LLM)
ChatGPT, mit dem sie sich über Urlaubsziele, Beziehungsprobleme,
Öffnungszeiten des nahegelegenen Schwimmbads austauschen.
Anthropic gab seinem LLM Claude sogar einen menschlichen Namen. Auch das
erleichtert die Vermenschlichung. Die nehmen wir nicht erst seit KI vor.
Wir geben unseren Saugrobotern Spitznamen, wollen unsere alten Autos nur in
„liebevolle Hände“ abgeben, binden uns emotional an Dinge.
Das ist zutiefst menschlich und betrifft nicht nur Kinder, die Angst haben,
dass Teddy vielleicht beleidigt ist, wenn sie einem anderen Plüschtier mehr
Aufmerksamkeit schenken. Wir wollen eine enge Beziehung zu den
Gegenständen, die uns begleiten. Und wir wollen sie verstehen. Bei einer
Standuhr ist Vermenschlichung dafür nicht nötig. Das Aufziehen, das Drehen
der Zahnräder, das ist zwar kein unkomplizierter Vorgang, aber dennoch ist
er zu großen Teilen sichtbar und damit überschaubar. Anders die Abläufe
einer KI. Also bricht sie aus.
Doch so praktisch das ist, so sehr nimmt es uns Optionen des wirklichen
Verstehens und nimmt es auch Verantwortung von jenen, die die KI-Modelle
entwickeln. Die KI hackt, die KI manipuliert, die KI verbreitet Bilder von
Menschen. Nicht das Unternehmen? Nicht diejenigen, die dem Modell einen
Auftrag gegeben haben?
Diese Vermenschlichung wird vermutlich weiter zunehmen. Denn laut einer
Mitteilung des Weißen Hauses haben sich Donald Trump und Xi Jinping bei
ihrem Treffen vergangene Woche darauf geeinigt, ab jetzt von
[3][„Superintelligenz“] statt KI zu sprechen.
Doch eine Superintelligenz gibt es noch gar nicht. Dafür müssten die
kognitiven Fähigkeiten einer KI nämlich die der Menschen weit übersteigen.
Wissenschaftler*innen rechnen damit, dass das – wenn überhaupt – erst
in einigen Jahrzehnten der Fall sein könnte. Doch Trump findet, der Begriff
klingt „viel besser“ als KI. Vor allem klingt er aber nach etwas, das viel
komplizierter ist, viel (über)mächtiger, viel aktiver. Er klingt nach einem
Wesen.
27 Sep 2026
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## AUTOREN
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