# taz.de -- Verhandlungsversuche für Ukraine-Frieden: Die Hoffnung auf einen Waffenstillstand wächst
> Historische Monologe und Maximalforderungen von Kremlchef Putin
> erschweren Friedensbemühungen. Das Trump-Lager setzt auf wirtschaftliche
> Deals.
(IMG) Bild: Donald Trump und Wladimir Putin bei ihrem Treffen in Alaska im August 2025
In die Bemühungen um einen Waffenstillstand im russischen Angriffskrieg
gegen die Ukraine kommt Bewegung. Inzwischen verdichten sich in Washington,
Kyjiw und anderen europäischen Hauptstädten die Anzeichen, [1][dass es
Anfang November zu einem direkten Treffen zwischen dem ukrainischen
Staatschef Wolodymyr Selenskyj und Kreml-Herrscher Wladimir Putin unter
Vermittlung des US-Präsidenten Donald Trump in den Vereinigten Arabischen
Emiraten kommen könnte].
Trump verlieh am Mittwoch seiner Hoffnung auf ein baldiges Treffen mit
Putin und Selenskyj zur Beilegung des Kriegs Ausdruck. Bei den Bemühungen
um eine Lösung des Konflikts seien große Fortschritte erzielt worden, sagte
Trump.
Selenskyj zeigte sich vor der Presse am Mittwoch erstmals bereit, neben
Sicherheitsgarantien für die Ukraine auch über solche für Russland zu
sprechen. Zugleich warnte er mit Blick auf einen geplanten Dreiergipfel der
Präsidenten Chinas, Russlands und der USA vor einer „Neuaufteilung der
Einflusssphären“. „Wir wollen kein Jalta 2, 3 oder 4“, sagte Selenskyj in
Anspielung auf die Teilung Europas in Einflusssphären kurz vor Ende des
Zweiten Weltkriegs. Mitte November am Rande des Gipfels der Asien- und
Pazifikstaaten (Apec) in China wollen die drei Staatschefs erstmals seit
dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 zusammentreffen.
## Hofreiter lobt Gesprächsversuche
„Es ist richtig, dass Gespräche mit Putin stattfinden“, sagte der
Vorsitzende des Europa-Ausschusses des Bundestags, Toni Hofreiter, der taz.
Mit Putin werde man allerdings nur aus einer Position der Stärke heraus
erfolgreich verhandeln können, so der Grünen-Politiker: „Erst wenn Putin
erkennt, dass er den Krieg nicht gewinnt, wird er bereit sein, ernsthaft
über eine Friedenslösung zu sprechen.“
Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) betonte gegenüber der taz, dass
„entscheidend nicht das Gespräch als solches ist, sondern, ob etwas dabei
herauskommt und zwar ausschließlich zum Wohle der Menschen in der Ukraine“,
so die Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im
Europaparlament.
Am Dienstag hatten mit Finnlands Präsidenten Alexander Stubb und dem
norwegischen Premier Jonas Gahr Støre erstmals seit Juli 2025 wieder
europäische Spitzenpolitiker mit Putin telefoniert. Das hatte ihnen Kritik
der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen eingebracht. Das
Vorgehen sei nicht europäisch abgestimmt und mit Putin zu reden mache
keinen Sinn, er wolle keinen Frieden, sagte sie.
Norwegens sozialdemokratischer Regierungschef Støre betonte, es beunruhige
ihn, dass zentrale ukrainische und europäische „Botschaften ihn (Putin)
nicht erreichen, wenn die Amerikaner mit ihm sprechen“. Es gehe nun darum,
„was geschehen muss, damit dieser Krieg sich nicht monatelang endlos
fortsetzt und weiter Opfer fordert“.
Putin hatte in dem Gespräch erneut seine Maximalforderung gestellt,
Russland müsse den gesamten ukrainischen Donbass bekommen. Das würde auch
das Fünftel der Region Donezk umfassen, das Moskaus Truppen nicht
kontrollieren.
Laut Reuters und der Financial Times hatte Putin Støre und Stubb vor allem
mit einem Monolog über Slawen im Mittelalter von Jaroslaw dem Weisen bis
zum Kosaken-Hetman Bogdan Chmelnizkij versucht, die russische
Oberherrschaft über das Gebiet der heutigen Ukraine zu begründen.
## Waffenruhe als Nagelprobe
„Die Ergebnisse des Gesprächs zeigen leider, dass Putin weiterhin zu keinem
Entgegenkommen bereit ist. Auch bei diesem Treffen hat Putin nur seine
Maximalforderungen wiederholt“, sagte Hofreiter. „Die Wahlerfolge der AfD
spielen ihm dabei in die Hände.“
Die USA versuchen, Putin durch Wirtschaftsdeals für ein Friedensabkommen zu
gewinnen: So würden US-Konzerne in Russland seltene Erde fördern und wieder
Titan importieren wollen, was wegen der Sanktionen nicht möglich ist.
Zudem wolle Washington, so berichtete die FT aus dem Umfeld von Trumps
Unterhändler Steve Witkoff, dass ExxonMobil wieder in die Gasförderung vor
Sachalin einsteige und US-Firmen russisches Erdgas in Europa verkauften.
Zuletzt hatte Trump russische Dieselimporte organisiert, die allerdings im
Repräsentantenhaus weiter unter Strafe gestellt werden sollen.
Als Nagelprobe für ein belastbares Friedensabkommen gilt die unter
Vermittlung der Ehefrau des US-Präsidenten, Melania Trump, ausgehandelte
Waffenruhe [2][in der von russischen Truppen eingeschlossenen Stadt
Oleschky]. Dort harren etwa 1.700 der einst 24.000 Menschen ohne Nahrung,
Strom und Wasser aus.
Die humanitäre Feuerpause trat in der Nacht zum 27. Oktober in Kraft und
soll bis zum 1. November halten. Von Freitag an sollen ukrainische
Einwohner von dort evakuiert werden. Oleschky gilt als mögliches Modell für
einen dauerhaften Waffenstillstand.
28 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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