# taz.de -- Endlagersuche: Fünf Bundesländer sind raus
> Bis Mitte des Jahrhunderts sollen 28.000 Kubikmeter hochradioaktiver
> Atommüll sicher gelagert sein. Der Bayerische Wald könnte passen, der
> Harz auch.
(IMG) Bild: Hier könnte unser nächstes Endlager sein: im pittoresken Schwarzwald
Bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) sind sie zufrieden mit der
eigenen Arbeit. „Wir sind richtig gut im Zeitplan“, sagt Iris Graffunder.
„Es gibt keine grauen Flächen mehr, es ist alles kategorisiert.“ Am
Dienstag erklärte die BGE-Geschäftsführerin, wie die [1][Suche nach einem
Endlager] für den in Deutschland angefallenen hochradioaktiven Abfall
vorankommt – und präsentierte eine [2][interaktive Landkarte der
Bundesrepublik], auf der unterschiedliche Farben die potenzielle
Endlager-Tauglichkeit des jeweiligen Gebietes markieren: Orange steht für
ungeeignet, Gelb für gering geeignet, die grünen Gebiete sind okay, aber
nicht optimal, die türkisfarbenen hat die BGE als geologisch bislang beste
identifiziert. Nur Letztere werden deshalb weiter geprüft.
Sie verteilen sich auf 36 sogenannte Teilgebiete, die zusammen genommen
knapp 5 Prozent der Fläche Deutschlands ausmachen. Im vergangenen Jahr
befanden sich noch 90 Teilgebiete auf etwa 25 Prozent der Fläche im
Suchverfahren. 2027 will die BGE aus den Teilgebieten „eine bis zwei
Handvoll“ Standortregionen destillieren, die dann zunächst übertägig – also
oberirdisch – genau untersucht werden sollen. Der Bundestag muss diesem
Vorschlag zustimmen.
Mit einer endgültigen Entscheidung über den Endlagerstandort rechnet
Graffunder spätestens bis Mitte des Jahrhunderts. Das Standortauswahlgesetz
nennt 2031 als Termin. Zuletzt gingen manche Experten allerdings davon aus,
dass sich die Suche bis in die 2070er Jahre hinziehen könnte.
Als sogenannte Wirtsgesteine für das Endlager kommen Granit- und
Tonformationen sowie Salzstöcke in Betracht. Die künftige Lagerstätte soll
mindestens 300 Meter unter der Erde liegen und von einer mindestens 100
Meter dicken Gesteinsschicht als Barriere umgeben sein. Die radioaktiven
Abfälle sollen dort für mindestens eine Million Jahre möglichst sicher
verwahrt werden.
## Fünf Bundesländer sind raus
Der aktuellen Karte zufolge weisen noch 11 der 16 Bundesländer potenziell
geeignete Teilgebiete aus. In Niedersachsen, das durch die geplanten oder
havarierten [3][Atomlager Schacht Konrad] und Asse bereits belastet ist,
bleiben beispielsweise Flächen in der Region Hannover, in den Landkreisen
Peine, Schaumburg und Osnabrück sowie im Emsland und im Harz im Verfahren.
In Bayern, das den Bau eines Endlagers auf seinem Gebiet bislang vehement
ablehnt, ist ein Teil des Bayerischen Waldes türkis eingefärbt. In
Baden-Württemberg ist es der Schwarzwald, auch in den Ländern Bremen und
Hamburg werden noch Gebiete weiter geprüft. Berlin, Hessen und Sachsen sind
aktuell nicht mehr im Suchverfahren. Rheinland-Pfalz und das Saarland waren
schon früher ausgeschieden.
Durch den Betrieb der Atomkraftwerke sind in Deutschland rund 28.000
Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll angefallen. Das entspricht 10.500
Tonnen Schwermetall, die in etwa 1.900 [4][Castorbehältern] verpackt wurden
oder noch werden. Der hochaktive Müll besteht aus den ausgedienten
Brennelementen aus den Atomkraftwerken sowie aus in Glas eingeschmolzenen
Rückständen der Wiederaufarbeitung. Obwohl die hochradioaktiven Teile nur
etwa 5 bis 10 Prozent des gesamten Volumens aller radioaktiven Abfälle in
der Bundesrepublik ausmachen, enthalten sie mehr als 99 Prozent der
Radioaktivität.
## Das Problem Gorleben
Der jahrzehntelang als einziger Standort untersuchte Salzstock in
[5][Gorleben] war schon 2020 aus dem Verfahren ausgeschieden – wegen
geologischer Mängel, auf die Kritiker schon davor immer wieder hingewiesen
hatten: Das Gestein über dem Salzstock weist keine ausreichende Stärke auf,
um das Austreten von Radioaktivität über den geforderten Zeitraum von einer
Million Jahren sicher zu verhindern. Außerdem gibt es Hinweise, dass
Grundwasser mit dem Salzstock – und so mit den eingelagerten Abfällen – in
Verbindung treten könnte.
Derzeit wird der hochradioaktive Atommüll in 16 Zwischenlagern aufbewahrt.
12 dieser Lager befinden sich an den Standorten stillgelegter
Atomkraftwerke. Drei weitere – Gorleben in Niedersachsen, Ahaus in
Nordrhein-Westfalen und Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern – sind sogenannte
zentrale Zwischenlager. Im nordrhein-westfälischen Jülich lagert der Müll
aus dem Betrieb eines Forschungsreaktors. Die Zwischenlager wurden für
einen Zeitraum von 40 Jahren genehmigt. Weil sich die Endlagersuche
hinzieht, müssen sie sehr viel länger betrieben werden.
27 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wohin-mit-dem-Atommuell/!6172317
(DIR) [2] https://navigator.bge.de/phase-i-schritt-2/der-weg-zu-den-standortregionen
(DIR) [3] /Kosten-fuer-geplantes-Atommuellendlager-Konrad-explodieren/!6133277
(DIR) [4] /Symbol-der-Anti-AKW-Bewegung/!6219038
(DIR) [5] /Atommuelllager-in-Gorleben/!6190252
## AUTOREN
(DIR) Reimar Paul
## TAGS
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(DIR) Schwerpunkt Atomkraft
(DIR) Endlager-Kommission
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