# taz.de -- Auswirkungen der Serbien-Wahl: Die Karten werden neu gemischt
       
       > Dass die serbische Jugend Vučić gestürzt hat, hat in den Nachbarländern
       > viele überrascht. Nun gibt es Hoffnung auf eine Entspannung der
       > Beziehungen.
       
 (IMG) Bild: Was bringt die Zukunft? Keine Ahnung, aber es ist besser als Vučić
       
       Es war ein Paukenschlag, auch für die Menschen in den Nachbarländern
       Serbiens: Dass die serbische Jugend selbstorganisiert den scheinbar fest im
       Sattel sitzenden [1][Autokraten Alexandar Vučić stürzen könnte], hatten
       zwar einige erhofft, doch nicht damit gerechnet. Jetzt ist es passiert. Und
       die Karten werden neu gemischt.
       
       Milorad Dodik, dem [2][starken Mann der serbischen Nationalisten] in
       Bosnien und Herzegowina, einem der umstrittensten und einflussreichsten
       Politiker auf dem Balkan, schwimmen dadurch die Felle davon. Erst verlor er
       mit Viktor Orbán den wichtigen Verbündeten in Budapest, jetzt sein
       Trumpf-Ass in Belgrad. Alexandar Vučić stand hinter seinen Ambitionen,
       Bosnien und Herzegowina in Stücke zu schlagen und die „serbische Welt“,
       sprich Großserbien, zu bauen. Ohne Vučić verliert Dodik an Macht und
       Einfluss.
       
       Ob die neuen Machthaber in Belgrad nationalistisch gepolt sind oder nicht,
       ist noch nicht ganz klar. Wer jedoch Rechtsstaatlichkeit im Inneren
       anstrebt, wird auch außenpolitisch daran gemessen und wird einen neuen Kurs
       anstreben. Das sind Hoffnungszeichen für Bosnien. [3][Die neue Führung]
       wird Milorad Dodik über kurz oder lang fallen lassen müssen.
       
       Ob aber durch den Machtwechsel in Serbien ein Friedensprozess in Kosovo
       folgt, bleibt offen. Auch die erfolgreichen Studenten waren jahrzehntelang
       der Propaganda ausgesetzt, dass die [4][abtrünnige Region eigentlich zu
       Serbien gehört]. Das Land wird für die neue Führung ein dickes Brett, zumal
       sie in Premier Albin Kurti einen Gegenspieler hat, der zwar diplomatisch
       elastisch, aber im Kern hart und prinzipienfest ist.
       
       Wie die neue Führung in Belgrad ihr Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump
       definieren wird, dessen Freunde in der Region allesamt gestürzt wurden, ist
       unklar. Am Verhältnis zu Russland und Kremlchef Wladimir Putin wollen die
       Studenten hingegen nicht rütteln. Und die EU? Die hatte trotz aller
       Warnungen mit Vučić an einem [5][Deal über seltene Erden] gebastelt, obwohl
       genau diese Abkommen Anlass für die Protestbewegung in Serbien waren. Kein
       gutes Zeichen.
       
       27 Oct 2026
       
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