# taz.de -- Russland-Afrika-Gipfel in Moskau: Afrika wird zunehmend zu Russlands Schattenfront
> Russland baut seine Macht in Afrika mit Militärbasen, Waffen und
> Geschäften aus. Nun findet in Moskau ein zweitägiges Gipfeltreffen statt.
(IMG) Bild: Hand in Hand: Ein Wandgemälde in Bangui (Zentralafrika) zeigt Präsident Faustin-Archange Touadéra und Wladimir Putin
taz | An der Uferpromenade von Bengasi fallen die Russen auf. Sie leben in
den Strandresorts und Neubaugebieten am Stadtrand. Hunderte sollen im
vergangenen Jahr in die libysche Stadt am Mittelmeer gezogen sein, heißt
es: Offiziere, oft mit ihren Familien. Sprechen wollen sie über den Grund
ihres Aufenthaltes nicht.
„Es sind ganz offensichtlich gut trainierte Soldaten“, weiß aber ein
leitender Angestellter des „Golden Palm Tree Resort“-Hotels im Bezirk Qar
Yunis zu erzählen. „Sie bleiben bei uns nur kurz. Viele mieten nun
Wohnungen oder entspannen sich von Einsätzen in Zentralafrika.“
In Bengasi herrscht der libysche General Chalifa Haftar. Mit seiner
Libysch-Arabischen Nationalarmee (LNA) kontrolliert er Ost- und Südlibyen.
Seit Jahren bildet er die Gegenmacht zur international anerkannten
Übergangsregierung in Tripolis im Nordwesten des Landes. Über Haftar will
Russland seinen Einfluss ausbauen: am Mittelmeer und tief hinein nach
Afrika.
„Wie die türkischen Offiziere in Tripolis treten die Russen in Bengasi nie
öffentlich in Uniform auf“, sagt ein lokaler Journalist, mit dem sich die
taz in Bengasi auf die Suche nach Putins Kämpfern gemacht hat. „Wir leben
mit einer Geisterarmee von mehreren Tausend Soldaten zusammen. Doch wer
öffentlich über sie spricht, verschwindet in den Kerkern der
Tariq-Ben-Zeyad-Brigade, die für die libysche Armee die Drecksarbeit
macht.“
## Alte sowjetische Verbindungen
Die militärische Kooperation zwischen Russland und Haftar ist alt. Sie
reicht bis in die Zeit des Diktators Muammar al-Gaddafi zurück. Viele
libysche Offiziere wurden damals in den Militärakademien der Sowjetunion
ausgebildet, auch der heute 82 Jahre alte General Haftar. Er war einst
Gaddafis Mitstreiter, dann brach er mit ihm, ging ins Exil und schloss sich
schließlich den Rebellen an, die Gaddafi 2011 stürzten. Danach ging Haftar
wieder seinen eigenen Weg.
Der Großteil des Kriegsgeräts der LNA stammt aus Russland. Haftar und sein
Sohn Saddam, Vize-Oberbefehlshaber der LNA, reisten in den vergangenen
Jahren immer wieder nach Moskau. Zuletzt traf Saddam Haftar im August
Präsident Wladimir Putin. Wenige Tage später lief ein von russischen
Kriegsschiffen begleiteter Schiffskonvoi den Mittelmeerhafen Tobruk an, den
einzigen Tiefseehafen in Ostlibyen. Die Frachter „Anastasiia“ und „Yuriy
Arshenevskiy“ hatten Panzer, Luftabwehrsysteme und Drohnen an Bord – wohl
die größte Waffenlieferung nach Libyen seit Gaddafis Sturz. Das
Militärgerät steht nun nach Angaben von Journalisten auf von der russischen
Armee betriebenen Militärbasen in Libyen.
Russische Waffen und Benzin werden nach Süden weitergeleitet, bestätigen
libysche Beobachter der taz. Die Lieferungen gehen an die Miliz RSF (Rapid
Support Forces) im Sudan. Die RSF beherrscht weite Teile der Region Darfur
und führt gegen Sudans Militärregierung einen brutalen Krieg, der
Hunderttausende Tote gefordert hat. Ein Großteil dieser russischen
Lieferungen wird nach [1][UN-Expertenberichten] über die Vereinigten
Arabischen Emirate abgewickelt. Die Emirate sind ein Drehkreuz für
Waffenlieferungen aus vielen Ländern über Libyen an die RSF. „Auf dem
Rückweg bringen die Flieger Gold aus den Minen in Sudan und Dollarscheine
mit“, sagt ein lokaler Aktivist der südlibyschen Toubou-Minderheit.
Russland baut seine militärische Infrastruktur in Libyen jetzt weiter aus.
Neben dem neu errichteten Hauptquartier des russischen Afrikakorps südlich
von Bengasi, wo ein Trainingsgelände für 5.000 Soldaten entsteht, stehen
russische MiG-29-Kampfjets auf einer der größten Landebahnen der Sahara im
Süden Libyens nahe der Oase Kufra. Auch nahe der Grenze zu Algerien werden
im Gebiet, unter der Kontrolle der LNA, libysche Flughäfen modernisiert.
Der libysche Entwicklungs- und Wiederaufbaufonds investiert dafür
umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro.
„In den letzten Jahren ist in der libyschen Sahara ein regelrechtes
Netzwerk an russischen Stützpunkten entstanden“, sagt ein libyscher
Journalist. „Sowohl der Kreml als auch Haftar wollen das gesamte Land
kontrollieren. Aber nicht mehr mit Gewalt, sondern durch die stille
Einnahme strategischer Positionen in der südlibyschen Fezzan-Provinz, die
an Ägypten, Tschad, Sudan, Niger und Algerien grenzt.“
## Militärhilfe gegen Gold
Russland schafft mit dem Afrikakorps seiner Streitkräfte, das 2023 an die
Stelle der privaten russischen Wagner-Söldnertruppe trat, in Ost-und
Südlibyen Nachschubrouten für seine Expansion im Sahel und in
Zentralafrika. Das Afrikakorps hat seine Präsenz in Mali ausgebaut und auch
in der Zentralafrikanischen Republik. Dort schützten früher Wagner-Kämpfer
Präsident Faustin-Archange Touadéra. Doch als Touadéra am 30. März dieses
Jahres in der Hauptstadt Bangui für seine dritte Amtszeit vereidigt wurde,
trugen seine russischen Leibwächter am roten Teppich bereits das Abzeichen
des Afrikakorps.
Bis zu den Präsidentschaftswahlen im Dezember 2025 hatte Touadéra sich
gegen den Austausch seiner Wagner-Schutztruppe durch das Afrikakorps
gewehrt. Der Grund: Für die Wagner-Söldner musste der bankrotte Staat in
Bangui nicht zahlen. Wagner finanzierte sich selbst über eigene Firmen in
Bangui, die vor allem Gold förderten und exportierten. Für das Afrikakorps
verlangt Moskau dagegen Geld, schätzungsweise rund 15 Millionen Dollar im
Monat. Deshalb flog Touadéra kurz vor seiner Amtseinführung im März nach
Moskau und traf dort Präsident Putin. „Diese neue Amtszeit ermöglicht es
uns, unsere Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit sowie in anderen
Sektoren zu stärken“, erklärte er.
Nun tragen Touadéras russische Leibwächter also das Abzeichen des
Afrikakorps. Die russischen Geschäftsleute, die mit Wagner nach Bangui
kamen und Touadéras Vertrauen genießen, bleiben jedoch aktiv. Pavel
Prigoschin, der 28-jährige Sohn des 2023 nach seiner gescheiterten Meuterei
in Russland verstorbenen Wagner-Chefs Jewgeni Prigoschin, lebt in Bangui
und hat dort direkten Zugang zum Präsidentenpalast.
Über ihn wurde offenbar ein Deal eingefädelt, der die Finanzierung der
russischen Soldaten in Bangui sichern soll: Die von Wagner gegründete
Goldfirma Midas Ressources übernahm 2024 die Konzession für die größte
Goldmine Ndassima. Nach dem jüngsten [2][Bericht der „Global Initiative
against Transnational Organized Crime“ (GI-TOC)] investiert sie in den
industriellen Abbau. Im vergangenen Jahr wurden laut offiziellen Zahlen
fünf Tonnen Gold im Wert von 250 Millionen Dollar von Bangui über
Somaliland und Puntland nach Dubai ausgeflogen – Geld, mit dem die Waffen
aus Moskau bezahlt werden können.
## Russland und Ukraine bekämpfen sich auch in Afrika
Der Ausbau der russischen Präsenz in Nordafrika bleibt im Westen nicht
unbemerkt. In Misrata, der mit dem Haftar-Regime verfeindeten Hafenstadt in
Nordwestlibyen, sind italienische Soldaten und US-amerikanische
Verbindungsoffiziere stationiert. Ende letzten Jahres kamen dann
Drohnenexperten aus der Ukraine auf die Luftwaffenakademie in Misrata. Am
3. März schossen sie vor Misrata den mit Flüssiggas beladenen russischen
Tanker „Arctic Metagaz“ mit einem Torpedo in Brand.
Der Ukrainekrieg hat längst eine afrikanische Front, zumal Russlands Armee
aus Mangel an eigenen Rekruten immer mehr afrikanische Söldner anheuert.
Damit hat sich Russlands Afrika-Strategie drastisch verändert, sagt Ivan
Klyszcz. Er ist Experte für russisch-afrikanische Beziehungen am
Internationalen Zentrum für Verteidigung und Sicherheit in Estland. Früher
standen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund, heute ordnet sich das
Engagement dem Ziel unter, den Krieg in der Ukraine zu gewinnen:„Es gibt
nur eine einzige Außenpolitik, und sie ist ganz auf den Ukrainekrieg
ausgerichtet“, sagt Klyszcz
„Der ukrainisch-russische Krieg wird auch in Afrika geführt“, bestätigt ein
ehemaliger libyscher Kommandeur, der jahrelang gegen den Islamischen Staat
und dann gegen Haftars LNA kämpfte. „Die russischen Basen in der Sahara
werden die nächsten Ziele der Ukrainer sein.“
Ein Foto, das im Mai im Telegram-Kanal des Afrikakorps auftauchte,
unterstreicht diese Aussage. Es zeigt einen toten Afrikaner in
Flecktarnuniform, dessen Hand das Abzeichen des ukrainischen
Auslandsmilitärgeheimdienstes in die Kamera hält. Unter dem Bild steht: „In
Mali wurden bei Terroristen Abzeichen der Hauptverwaltung für Aufklärung
des ukrainischen Verteidigungsministeriums entdeckt.“ Als Quelle nennt der
Beitrag „malische Blogger“. Die Botschaft ist eindeutig: Russland kämpft
auch in Afrika gegen die Ukraine und den Westen.
Der Vorwurf, dass die Ukraine Malis Tuareg-Rebellen ausrüste, führte
bereits 2024 dazu, dass Mali und Niger ihre diplomatischen Beziehungen zu
Kyjiw abbrachen. Im September [3][berichtete der US-Sender CNN], 15
Militärexperten aus der Ukraine würden Kämpfer der Tuareg-Separatistenarmee
FLA (Awazad-Befreiungsfront) in Mali an Drohnen ausbilden. Zugleich gab es
Berichte über zahlreiche russische Tote bei Kämpfen in Mali.
In Mali kämpfen die islamistische Gruppe JNIM, ein Ableger von al-Qaida,
und die Tuareg-Rebellen der FLA gegen die von Russland unterstützte
Militärregierung. Im April eroberten sie die Stadt Kidal. Videos zeigen
JNIM-Kämpfer, die sich über zurückgelassenes russisches Kriegsgerät
hermachen. Später meldeten Medien weitere getötete russische Soldaten an
anderen Orten in Mali.
## Die „Schattenflotte“ bringt Öl und Kriegsgerät
Russland reagiert auf die Rückschläge mit verstärktem Nachschub. Über
Guinea und Togo, deren Regierungen Moskau wohlgesonnen sind, gelangen
schwere Waffen und Panzer nach Mali. Beide Länder verfügen über
Tiefseehäfen, die Russland nutzt. Bereits 2025 verlagerte Moskau
Kriegsgerät aus Syrien nach Mali, nachdem die Assad-Diktatur gestürzt
worden war, dies bestätigt eine Quelle aus Sicherheitskreisen gegenüber der
taz. Wenig später schloss Togos autoritäre Regierung mit Russland ein
Abkommen, das Moskau die Entsendung von Militärausbildern und Militärgerät
erlaubt.
Die Transporte erfolgen oft über die sogenannte „Schattenflotte“ – Schiffe,
die die Sanktionen der westlichen Länder gegen Russland unterlaufen, indem
sie Öl und andere sanktionierte Güter für den Export transportieren. Das
finanziert nicht nur Russlands Krieg in der Ukraine, sondern sichert auch
den Nachschub für das Afrikakorps.
Um nicht geortet zu werden, fahren die Schiffe häufig mit ausgeschalteten
Transpondern und unter wechselnden Flaggen. Im November 2025 lag die
russische „Mersin“, beladen mit 39.000 Tonnen Treibstoff, mehrere Wochen im
Hafen von Dakar in Senegal, nachdem vier Lecks am Rumpf es manövrierunfähig
gemacht hatten. Die offensichtliche Beschädigung durch Sprengsätze deutete
auf einen gezielten Sabotageakt hin. Verdächtigt wurde Ukraines
Militärgeheimdienst. Im Januar kündigte die russische
Seeschifffahrtsbehörde daraufhin an, Handelsschiffe künftig von
Militärschiffen begleiten zu lassen.
Im Juli 2026 erreichte der Frachter „Mikhail Britnev“ den Hafen von Lomé.
An Bord: gepanzerte Transportwagen und Infanteriefahrzeuge, die nun in Mali
eingesetzt werden. Anfang Oktober konnte Malis Armee die Stadt Kidal wieder
zurückerobern – Ergebnis „intensiver Boden-Luft-Operationen“, wie sie
erklärte, „gemeinsam mit unseren russischen Partnern“.
Die „Mikhail Britnev“ hatte im Juni unter Eskorte des russischen
Kriegsschiffs „Aleksandr Shabalin“ den russischen Ostseehafen Pillau
verlassen, wie aus Daten der Website [4][Global Fishing Watch] hervorgeht.
Trackingdaten zeigen, dass nach der Passage durch den Ärmelkanal der
Transponder ausgeschaltet und drei Wochen später im Hafen von Lomé wieder
sichtbar wurde.
Die Geschäfte blühen, aber die direkte Präsenz russischer Truppen in Afrika
hat sich seit dem weitgehenden Abzug von Wagner reduziert. Russlands
Generalstab entsendet nur noch kleine Einheiten von maximal mehreren
Hundert Mann unter dem Label Afrikakorps. Zielländer sind Mali, Algerien,
Burkina Faso und Niger – Staaten, die aus russisch-imperialer Sichtweise
aus den Fängen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich befreit werden.
Diese Strategie verleiht Putins Größenwahn einen antikolonialen Anstrich.
In diesem Sinne ist die Afrika-Politik nicht nur rein militärisch zu
verstehen, erläutert Experte Klyszcz. Es geht auch um das russische Image
auf der Welt und um neue wirtschaftliche Verbindungen, mit denen sich
westliche Sanktionen umgehen lassen.
Der Nuklearkonzern Rosatom verkauft afrikanischen Staaten Atomenergie,
russische Firmen liefern Dünger und Weizen. Ausrangiertes Kriegsgerät aus
der Ukraine, wie Radpanzer oder Grabenbagger, findet in Afrika neue
Abnehmer. Auch Überwachungs- und Verschlüsselungssoftware aus Russland ist
gefragt. Afrikanische Delegationen besuchen regelmäßig Moskaus
Cybersecurity-Festival.
Auch beim diesjährigen Russland-Afrika-Gipfel in Moskau Ende Oktober werden
zahlreiche Unterschriften unter neue Kooperationsabkommen erwartet. „Dies
soll gewissermaßen die Vorzeigeveranstaltung sein, bei der demonstriert
wird, wie weit die Beziehungen inzwischen gediehen sind“, so Klyszcz.
Viele russische Diplomaten betonen seiner Aussage nach, dass es bei diesem
Gipfel nicht mehr um jenen anfänglichen Enthusiasmus geht, wie er bei den
Vorgängergipfeln 2019 und 2023 zu beobachten war. „Vielmehr steht nun die
konkrete Umsetzung im Vordergrund; dabei geht es auch darum, der russischen
Unterstützung – die über reine Rüstungsdeals hinausgeht – Glaubwürdigkeit
zu verleihen.“
## „Russische Häuser“ in den Tropen
Um diese Glaubwürdigkeit zu zementieren, hat Moskau auf dem Kontinent eine
mächtige Propagandamaschinerie aufgebaut, die Teil einer hybriden
Kriegsführung ist und sich die bestehende Skepsis gegenüber dem Westen
zunutze macht, insbesondere gegen die einstige Kolonialmacht Frankreich,
die am längsten noch in Afrika Einflusszonen zu bewahren versuchte.
Während das Russische Haus in Berlin geschlossen wurde, entstehen auf dem
Kontinent immer mehr solcher Einrichtungen. In 16 Städten, darunter Bangui,
Niamey und Kampala, bieten sie kostenlose Russischkurse an. Acht weitere
Häuser sind geplant, etwa in der Demokratischen Republik Kongo, Madagaskar
und Togo. Ziel ist es, Afrikas Jugend für Russland zu begeistern – als
Studenten, Arbeitskräfte oder Söldner.
Beworben wird auch eine „alternative Weltsicht“, wie dies in den russischen
Telegram-Kanälen, genannt wird. Diese Weltsicht verbreitet ein
Propagandanetzwerk, wie ein Konsortium investigativer Medien jüngst
aufdeckte. Dazu gehören rund 90 PR-Spezialisten der russischen Organisation
Africa Politology, die seit 2023 als „Politologen“ durch Afrika reisen. Sie
bezahlen gezielt lokale Journalisten und Influencer.
Ein wichtiger Baustein ist die Plattform [5][Africa Initiative], die auf
Englisch, Französisch und Russisch Nachrichten liefert. Betont werden dort
Erfolge. Von einem angeblichen neuen russischen Impfstoff gegen Ebola bis
zum Internationalen Jugendfestival im russischen Jekaterinburg im
September, wo 46 afrikanische Blogger und Journalisten zu Gast waren.
Gleichzeitig baut Russland seine Medienpräsenz aus. Der staatliche Sender
Russia Today (RT) kündigte seinen Markteintritt in Senegal an, obwohl ihm
noch die Sendeerlaubnis fehlt.
## Uganda – ein Hub für Russlands Rüstungsschmiede
Mittlerweile reicht der russische Einfluss bis an den Äquator. Grasgrüne
Radpanzer russischer Bauart reihen sich auf dem Parkplatz vor dem
himmelblauen Gebäude in Ugandas Hauptstadt Kampala. „Wir haben
entschieden“, so General James Mugira bei der Eröffnungszeremonie des
ersten Verkaufsraumes für Militärfahrzeuge im vergangenen Jahr, „dass wir
unsere Produkte näher zu unseren Kunden bringen wollen“.
Mugira, einst Chef des Militärgeheimdienstes, leitet seit 2015 die
staatliche Rüstungsfirma NEC (National Enterprise Corporation). Auf einem
Luftwaffenstützpunkt 140 Kilometer nördlich von Kampala lässt NEC Radpanzer
bauen. Seit Jahrzehnten repariert das Unternehmen alte russische
Kalaschnikows aus Afrikas Kriegsgebieten und überholt russische
Hubschrauber und Jets.
Seit Kurzem arbeiten dort auch russische Militärausbilder, Piloten und
Ingenieure. Sie modernisieren Ugandas Militärindustrie – eine der führenden
Afrikas – für die technisierte Kriegsführung und erweitern den
Luftwaffenstützpunkt. Immer häufiger landen russische Frachtmaschinen aus
Dubai. Künftig sollen afrikanische Armeen ihre russischen Waffen direkt in
Kampala kaufen können, ohne umständliche Flug- oder Schiffsrouten.
Das neue Radpanzerwerk finanzierte und baute die in Dubai ansässige
[6][Streit Group]. Ihr Chef, Guerman Goutorov, betont gern, er lebe in
Kanada. Doch der Russe und seine Firma stehen seit 2025 auf der
EU-Sanktionsliste, weil sie russische Truppen im Ukrainekrieg ausrüsten. In
Uganda ist Goutorov dennoch ein willkommener Gast. Streit produziert dort
monatlich 40 Radpanzer für den Export in ganz Afrika.
Vergangene Woche nahm Ugandas Präsident Yoweri Museveni den Spatenstich für
drei neue Militäreinrichtungen vor, finanziert von Russland mit 53
Millionen Dollar. Die Zentren sollen moderne Kriegsführung lehren, darunter
den Einsatz von Drohnen und KI aus russischer Produktion. In seiner Rede
dankte der 82-jährige Museveni Putin persönlich: „Unsere Zusammenarbeit mit
Russland sollte uns dabei helfen, lokale Kapazitäten aufzubauen, unsere
Souveränität zu schützen und unsere Fähigkeit zur Verteidigung Ugandas zu
stärken.“ Ein weiterer Putin-Verbündeter auf Afrikas Schachbrett.
Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde von unseren Korrespondenten in
Afrika gemeinsam recherchiert.
28 Oct 2026
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(DIR) [1] https://main.un.org/securitycouncil/en/sanctions/1591/panel-of-experts/reports
(DIR) [2] https://globalinitiative.net/analysis/central-african-republic-disappearing-diamond/
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