# taz.de -- SPD-Vorsitz, AfD-Leak, NZZ-Chef: „Es braucht das Gegenteil von Heil“
       
       > Während Hubertus Heil mit dem SPD-Parteivorsitz liebäugelt, gibt's böse
       > Blicke von Söder nach Berlin. Und vielleicht eine neue Perspektive für
       > die NZZ.
       
 (IMG) Bild: Findet die SPD mit Hubertus Heil einen Weg nach oben?
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht vergangene Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Schlagartig eine Stunde weniger Licht.
       
       taz: Und was wird besser in dieser? 
       
       Küppersbusch: Weckt mich im März.
       
       taz: Der ehemalige Arbeitsminister [1][Hubertus Heil liebäugelt mit dem
       SPD-Parteivorsitz]. Noch fehlt ihm eine Kandidatin für die Doppelspitze.
       Wer könnte die Frau an seiner Seite sein? 
       
       Küppersbusch: Aus rein ästhetischen Gründen plädiere ich für irgendeine
       Sozialdemokratin, die „Waidmanns“ heißt. Neigt man dem Eindruck zu, dass es
       die SPD zuletzt mit sacht untercharismatischen Persönlichkeiten versucht
       hat, ist es konsequent, ihr Heil in Heil zu suchen. Wer erinnert sich nicht
       an die machtvollen Demonstrationen der Arbeiterklasse unter dem leuchtend
       roten Banner „Wir können es nicht ausschließen, dass …“? Exakt das ist das
       Wording des Bewerbers, der beeindruckend das hübsche Paradoxon performt:
       „Wenn du mich jetzt nicht bittest, gibt's auf die Fresse.“ Mit der Trennung
       – Parteispitze Esken und Walter-Borjans, Kabinettsmitglied und Vizekanzler
       Scholz – war die SPD erfolgreicher als jetzt, wo die Partei hinter der
       Kabinettsdisziplin fast verschwindet. Es bräuchte also eine Frau mit
       eigener Meinung, klarer Sprache und vor allem: unbändigem Willen. Einfach
       das Gegenteil von Heil.
       
       taz: Hacker haben in der vergangenen Woche Hunderttausende Mails der AfD
       veröffentlicht. Erste Recherchen zeigen, dass die Inhalte der Kommunikation
       zu einer in Teilen gesichert rechtsextremen Partei passen: Kommen wir dem
       AfD-Verbot einen Schritt näher? 
       
       Küppersbusch: Kommt drauf an, [2][was drinsteht]. Es kann ein
       Beweisverwertungsverbot drohen, wenn die illegal gewonnenen Erkenntnisse
       gar nicht so aufregend sind wie der Bruch der Persönlichkeitsrechte der
       mailenden AfD-Kader. Bisher scheint Ko-Chefin Weidel bei Mauschelei und
       Unwahrheit über Parteispenden erwischt worden zu sein; Gott sei geklagt,
       dass das absolut kein Monopol von Rechtsextremisten ist. Mail-Debatten über
       Parteiausschlussverfahren kann man als Indiz lesen, dass es da Nazis gibt –
       und ebenso als Beleg, dass man sich dagegen regte. Das Verfassungsgericht
       müsste also entscheiden, ob sich der Sound der internen Mails klar genug
       von der schöngefärbten Fassade außen unterscheidet. Stand jetzt: ein auch
       in dieser Höhe verdientes Unentschieden.
       
       taz: [3][Markus Söder fordert eine „Extremismusklausel“] im
       Länderfinanzausgleich. Die CSU will den Ländern weniger zahlen, in denen
       künftig AfD und Linke regieren. Wofür wollen Sie weniger zahlen? 
       
       Küppersbusch: Verführerisch, auf einen ausgewachsenen Rülpser mit ähnlich
       inspirierendem Körperwind zu antworten: Erst mal könnte man von Bayern die
       Kohle zurückverlangen, die es 38 Jahre aus dem Länderfinanzausgleich
       bezogen hat. Dann wäre zu klären, ob [4][Koalitionspartner mit Nazispaß im
       Schulranzen] auch ein stattlicher Extremismusklaus sind, und was Söders
       Vize-MP Aiwanger noch so rumhubert. Der Vorschlag verstößt nach vorläufigen
       Expertisen gegen sechs Grundgesetzartikel, und selbst wenn man die alle
       flexte, bliebe die Frage, ob Art. 79 Abs. 3 GG nicht genau das auch noch
       verbietet. Am Ende müsste der Bund das Land Bayern nach Art. 37 GG –
       „Bundeszwang“ – zur Kasse bitten. Und übrigens auch, endlich einen Standort
       für ein Atommüllendlager zu suchen. Dafür würde ich sogar mehr bezahlen.
       
       taz: Alice Schwarzer stellt das [5][Magazin Emma] nach 50 Jahren ein. Tipps
       für die Rente? 
       
       Küppersbusch: Mit dem Arsch nicht umreißen, was man mit den Fingern
       hingestellt hat.
       
       taz: Auf der Website „Gen Z regelt“ rufen die Initiator:innen zu
       Sozialprotesten in ganz Deutschland auf. Was können die Boomer für uns
       regeln? 
       
       Küppersbusch: Die Junge Union Berlin-Mitte fordert „Amtshilfe der
       Bundeswehr bei den geplanten (in Anführungszeichen) Schüler-Protesten“.
       Okay, ich bin Boomer, aber so alt wie die Junge Union kann ich nicht mehr
       werden.
       
       taz: In der Schweiz [6][übernimmt ein Liberaler den Chefposten der
       rechtskonservativen NZZ]. Eine Chance fürs Blatt? 
       
       Küppersbusch: Die NZZ wurde uns im Journalistik-Studium zur Antwort gegeben
       auf die Frage, welche wohl die beste deutschsprachige Zeitung sei. Schon
       damals überstudentisch teuer, schaute man in der Fachbereichs-Bibliothek
       gratis rein und musste zugeben, dass sie noch ein bisschen langweiliger als
       die FAZ daherkam. Jedenfalls hat's 40 Jahre gedauert, daraus ein
       „anti-wokes“, trumpoffenes und als solches durchaus nicht gerade einmaliges
       Blatt zu machen. Der Rückweg wird ein Stück Arbeit.
       
       taz: Und was macht der RWE? 
       
       Küppersbusch: Einen härteren Kontrast zum Retorten- und Dosenclub Leipzig
       als RWE hat die ganze Erste Liga nicht zu bieten. Morgen, 18 Uhr,
       DFB-Pokal, RWE – RB Leipzig. 
       
       Fragen: aze
       
       25 Oct 2026
       
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