# taz.de -- Streit über Nationalisten: Neuer Zoff zwischen der Ukraine und Polen um Untergrundarmee
       
       > Im früher zu Polen gehörenden Lemberg, heute Lwiw, soll 2027 das Jahr der
       > ukrainischen Befreiungsarmee begangen werden. Polen reagiert erwartbar
       > empört.
       
 (IMG) Bild: Protest gegen ukrainischen Nationalismus im November 2025 in Warschau
       
       Der Regionalrat der westukrainischen Metropole Lwiw will 2027 zum Jahr der
       Ukrainischen Aufstandsarmee UPA erklären. Selbst das ukrainische
       Außenministerium will das stoppen. Und in Polen zeichnen sich erneut
       [1][Proteste und bilaterale Verwerfungen] ab.
       
       Während die UPA und ihr Kampf gegen die Sowjetunion in der Ukraine
       vielerorts als Heldentum gefeiert werden, wirft Polen der Untergrundarmee
       vor, Massaker an bis zu 100.000 Polinnen und Polen sowie Jüdinnen und Juden
       in Wolhynien und Ostgalizien 1943 verübt zu haben. Bei polnischen
       Vergeltungsaktionen starben zudem rund 10.000 bis 15.000 Ukrainerinnen und
       Ukrainer.
       
       Polen stuft die Verbrechen als Völkermord ein und begeht den 11. Juli als
       Gedenktag („Blutsonntag“), während die UPA in der Ukraine mancherorts als
       Teil des Kampfes für eine unabhängige Ukraine gesehen wird. Lwiw gehörte
       unter dem Namen Lemberg bis zum Ersten Weltkrieg zur Doppelmonarchie
       Österreich-Ungarn und später zu Polen. [2][Durch die Gebietsverschiebung
       nach dem Zweiten Weltkrieg besetzte die UdSSR den Osten Polens und damit
       auch Lwów].
       
       ## „Held der Ukraine“
       
       Ausgerechnet auf diesem Gebiet will der Gebietsrat von Lwiw 2027 als Jahr
       der UPA feiern. Dafür stimmte eine Mehrheit des Gemeindeparlaments. Anlass
       ist der 120. Geburtstag des UPA-Kommandeurs Roman Schuchewytsch, der 2007
       posthum als „Held der Ukraine“ ausgezeichnet worden war. Er befehligte
       allerdings neben dem Untergrundkampf gegen die sowjetische Rote Armee auch
       ethnische Säuberungen gegen die polnische Bevölkerung.
       
       Während das ukrainische Außenministerium noch versuchte, auf das
       Regionalparlament von Lwiw einzuwirken, kam aus Polen gleich eine heftige
       Reaktion: „Der Beschluss des Regionalrats von Lemberg, das Jahr 2027 zum
       Jahr der UPA und von Schuchewitsch zu erklären, ist inakzeptabel. Er trägt
       nicht zum Aufbau gegenseitigen Vertrauens zwischen den Völkern bei, sondern
       vertieft im Gegenteil die Spaltung“, schrieb der polnische
       Verteidigungsminister Władysław Marcin Kosiniak-Kamysz.
       
       ## Selenskyj gibt Orden zurück
       
       Bereits im Juni war es zu einem heftigen Eklat zwischen der Ukraine und
       Polen gekommen. Der polnische Präsident Karol Nawrocki entzog seinem
       ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj den höchsten Orden Polens,
       den „Weißen Adler“. Denn im Mai hatte Selenskyj einer ukrainischen
       Militäreinheit den Namen „Helden der UPA“ verliehen. Nach Nawrockis
       harscher Reaktion schickte Selenskyj den Orden demonstrativ per Post
       zurück. Auch frühere ukrainische Präsidenten und Stabschef Kyrylo Budanow
       gaben ihre polnischen Orden zurück.
       
       Unterdessen haben 20 mutmaßlich Rechtsradikale in Lwiw den linken
       Historiker und Kriegsveteranen Wladyslaw Starodubzew am vergangenen Sonntag
       schwer verprügelt. Er wollte an der Iwano-Franko-Nationaluniversität der
       Stadt einen Vortrag zum Thema „Das linke Lemberg: Eine kurze Geschichte mit
       langer Tradition“ halten.
       
       23 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mathias Brüggmann
       
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