# taz.de -- Demografie und Stadt-Land-Gefälle: Frauen auf dem Land sollen mehr arbeiten
> Demografiestudie: Besonders auf dem Land „gibt es Arbeitspotenzial“ bei
> den Frauen, die nur in Teilzeit ackern.
(IMG) Bild: Frauen sollen ackern, los von der Scholle und mit ein wenig mehr Anerkennung
Auf dem Land lebt man materiell gesehen gut, dabei herrschen in den
Familienstrukturen eher traditionelle Rollenverteilungen zwischen Männern
und Frauen. Das geht aus einer Datenauswertung des Bundesinstituts für
Bevölkerungsforschung [1][(BiB)] hervor. So fallen die
Einkommensunterschiede zwischen Metropolen, dicht besiedelten Landkreisen
und ländlichen Regionen vergleichsweise gering aus, obwohl die
Lebenshaltungskosten in den Städten höher sind.
Das mittlere Einkommen von Menschen in Großstädten, städtischen Kreisen und
ländlichen Kreisen lag 2025 bei 1.889 Euro netto im Monat und war in allen
drei Strukturräumen ähnlich, sagte BiB-Direktorin Katharina Spieß am
Mittwoch in Wiesbaden. Dieser „Medianwert“ bezieht sich auf Einzelpersonen
und ist der Einkommenswert, den die Hälfte der Bevölkerung rechnerisch
mindestens erreicht.
„Beim Einkommen zeigt sich eine größere Kluft zwischen den Geschlechtern
als zwischen den Wohnorten“, sagte Spieß. 60 Prozent der Männer in
Großstädten und ländlichen Kreisen verdienten mehr als den mittleren Wert.
Von den Frauen hingegen verdienten in Großstädten nur 42 Prozent mehr als
das Medianeinkommen, in ländlichen Kreisen sogar nur 35 Prozent.
Gerade in den städtischen und ländlichen Kreisen sei der Anteil der
erwerbsfähigen Frauen in Teilzeitarbeit besonders groß, sagte Spieß. Gerade
dort, wo der Anteil der [2][Babyboomer:innen] hoch ist, die demnächst
in Rente gehen, „liegt bei den Frauen ein Arbeitspotenzial, das die Studie
sichtbar macht“, sagte Spieß.
## Hoher Anteil zugewandert
Wobei es in den Metropolen relativ viele Frauen gibt, die gar nicht im
Erwerbsleben stehen, auch das geht aus der Studie hervor. Dies sei auf den
hohen Anteil der Zugewanderten dort zurückzuführen, sagte Harun Sulak,
Mitautor der Studie. Mangelnde Sprachkenntnisse, fehlende berufliche
Abschlüsse, eine mangelhafte Anerkennung der vorliegenden Abschlüsse und
eine nicht gesicherte Kinderbetreuung spielten hier eine Rolle. Hier müsse
„mehr Integrationsarbeit“ geleistet werden.
Die Zuwanderung verjüngt die Bevölkerungsstruktur in den Metropolen
allerdings erheblich. Von den Minderjährigen haben in den Großstädten 55
Prozent einen Migrationshintergrund, in ländlichen Regionen sind es 30
Prozent. In den Metropolen liegt der Anteil der über 65‑Jährigen auch
deswegen nur bei 19 Prozent, in den ländlichen Kreisen hingegen bei 25
Prozent.
„Die klassische Kernfamilie prägt vor allem die städtischen und ländlichen
Kreise“, heißt es in der Studie. Laut der Erhebung leben 25 Millionen
Menschen in Deutschland in sogenannten kreisfreien Großstädten, 32
Millionen in städtischen Kreisen – also weniger dicht besiedelten Gebieten
– und 26 Millionen in den noch dünner bevölkerten ländlichen Kreisen.
Mit der geplanten [3][Abschaffung der Minijobs] und der Einschränkung der
kostenlosen Mitversicherung für Familienangehörige will die Bundesregierung
den Sozialkassen mehr Geld einbringen und darauf hinarbeiten, dass Frauen
weniger in Teilzeit, sondern mehr in Vollzeit arbeiten. Wie das bei den
Wähler:innen in ländlichen Regionen ankommt, ist eine heikle Frage.
21 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Dribbusch
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