# taz.de -- Neuer Thriller von Dave Zeltserman: Vom Jedermann zum Auftragsmörder
       
       > In Dave Zeltsermans „Alles endet hier“ beendet die Hauptfigur eine
       > Freundschaft auf vertrackte Weise.
       
 (IMG) Bild: Mit dem Lahmlegen der Website fing alles an
       
       Dave Zeltsermans „Alles endet hier“ ist ein reichlich schwarzer Thriller
       aus dem Subgenre „Wie eine einzige Grenzüberschreitung dazu führen kann,
       dass du zum skrupellosen Mehrfachmörder wirst“ und auf jeden Fall rasant
       genug geschrieben, dass mensch nicht zwischendurch verleitet wäre, die
       Lektüre abzubrechen, weil einfach alles zu unerfreulich wird.
       
       Mehr als nur ein bisschen perfide ist allerdings die Ich-Perspektive, in
       der Zeltserman erzählt; denn durch sie sind wir gezwungen, uns auf Gedeih
       und Verderb mit der Hauptfigur zu identifizieren.
       
       Das fällt auch zunächst gar nicht schwer. Denn wer könnte Dans Problem
       nicht verstehen? Der Ich-Erzähler ist Softwareentwickler und hat zusammen
       mit seinem (ehemals) guten Kumpel Warren eine Firma gegründet. Auch Dans
       Frau Rachel arbeitet für das Unternehmen und ist unverzichtbar als
       Marketing- und Vertriebsspezialistin.
       
       Doch nun hat Warren die Website der Firma lahmgelegt und es Dan und Rachel
       somit unmöglich gemacht, das Business weiterzubetreiben. Dans Lebenswerk
       droht wertlos zu werden. Welcher Art die Konflikte sind, die dieser
       Eskalation vorausgegangen sind, bleibt vage.
       
       ## Der Mordauftrag
       
       Aus Gesprächen, die Dan mit Bekannten führt, geht hervor, dass Warren wohl
       allgemein als unberechenbares Arschloch gilt. In die Enge getrieben,
       entschließt Dan sich zu einer extremen Maßnahme: Er gibt – ohne seine Frau
       davon in Kenntnis zu setzen – Warrens Ermordung in Auftrag.
       
       Damit gerät er in einen Teufelskreis. Denn keineswegs ist der über einen
       sinistren, angeblich russischen Mittelsmann (ein Klischee, das der Autor am
       Ende gegen ein anderes eintauscht) gedungene Mörder ein eingereister Russe,
       der nach der Tat sofort wieder außer Landes ist. Das erfährt Dan allerdings
       erst hinterher.
       
       Statt sich günstig eine fremde Bluttat erkauft zu haben, ist er tatsächlich
       selbst zum Teil eines Mördersklavennetzwerks geworden: Für einen
       erfolgreich erledigten Mord muss der Auftraggeber selbst einen Mord
       begehen, den jemand anders bestellt hat. Alles in Dan sperrt sich gegen
       diese Zumutung; doch sein Versuch, den teuflischen Auftrag von sich
       abzuwenden, geht natürlich nach hinten los …
       
       ## Spannungsfaden straff gespannt
       
       Die Geschichte von einem, der sich durch eine unmoralische Tat aus einer
       unerträglichen Situation befreien will und dadurch vom Regen in die Traufe
       gerät, ist an sich alles andere als neu; aber Zeltserman sorgt mit gutem
       Timing dafür, dass der Spannungsfaden der Handlung straff gespannt bleibt.
       
       Und dann ist unterschwellig permanent dieses leise Gefühl von Irritation
       präsent, weil die Haltung des Ich-Erzählers zum immer unerhörter werdenden
       Geschehen lange unklar bleibt, sich aber bald in (vielleicht auch nicht
       gänzlich) unerwarteter Weise zu entwickeln beginnt.
       
       In gefährliche Zwangslagen geratend, beweist Dan, der zu Beginn noch so
       verzweifelt und mutlos schien, nicht nur große Geistesgegenwart und
       körperliche Durchsetzungskraft, sondern auch erstaunliche mentale
       Resistenz, Kaltblütigkeit und, ja, tatsächlich kriminelle Energie und
       Skrupellosigkeit.
       
       Das ist unheimlich; denn wenn all das in einem steckt, der doch zunächst
       ein harmloser Jedermann zu sein schien, dann ist ja wohl jedem und jeder
       anderen auch alles zuzutrauen? Als Einschlaflektüre eher nicht zu
       empfehlen.
       
       31 Oct 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Granzin
       
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