# taz.de -- Frankreich vor Präsidentschaftswahlen: RN-Chef Bardella soll „obsessiv“ antisemitisch gewesen sein
> Der Chef der französischen rechtsextremen Partei RN, Jordan Bardella,
> soll sich als junger Mann antisemitisch geäußert haben. Er spricht von
> „plumpen Fälschungen“.
(IMG) Bild: Extrem rechts: der RN-Parteichef Jordan Bardella
[1][Das französische Onlinemagazin Mediapart schreibt dem heutigen
RN-Parteichef Jordan Bardella krasse antisemitische Äußerungen zu]. Sie
stammen aus der Zeit, als er als 17- und 18-jähriger Rechtsextremist seine
politische Karriere im Front National begann. Bardella streitet diese
kompromittierenden Sätze ab und bezichtigt Mediapart, mit „plumpen
Fälschungen“ eine Hetzkampagne gegen ihn anzetteln zu wollen.
Ohne zu zögern, haben sich die Präsidentschaftskandidatin des Rassemblement
National (RN), Marine Le Pen, und alle Parteisprecher hinter ihn gestellt,
um zum Gegenangriff überzugehen und die Enthüllungen von Mediapart zu
diskreditieren. Die Journalisten des Online-Magazins sprechen von einem
schriftlich belegten „obsessiven Antisemitismus“.
Völlig überrascht ist eigentlich niemand. So meinte am Dienstag der
französische Europaminister Benjamin Haddad lakonisch zu dieser Polemik:
„Wen kann das erstaunen? Die extreme Rechte ist die extreme Rechte.“ Und
sein Regierungskollege Außenminister Jean-Noël Barrot kommentierte: „An
alle, die ein zu kurzes Gedächtnis haben: Der Antisemitismus ist im RN
nicht ein Ausrutscher, sondern die Geschichte dieser Partei. Hier ist das
wahre Antlitz der extremen Rechten.“
[2][Hinter dem glatt polierten Image von Marine Le Pens Rassemblement
National] steckte nämlich trotz aller Verharmlosungsbestrebungen immer noch
der vom notorischen Rassisten und Antisemiten Jean-Marie Le Pen zusammen
mit einem ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS gegründeten Front National.
Das war eigentlich kein Geheimnis in Frankreich.
## Vergeben und vergessen
Doch wie viele wären heute offensichtlich bereit, diese Periode als
vergebene und vergessene Vergangenheit unter den Tisch zu wischen und bei
den Präsidentschaftswahlen Marine Le Pen zur nächsten Staatspräsidentin der
Republik zu wählen? Muss man es ihr und der Partei aber auch noch abnehmen,
heute ein Bollwerk gegen Judenhass und Antizionismus zu sein?
Die von Mediapart am Montag publizierten Zitate zeugen von einem
Antisemitismus des jugendlichen FN-Mitglieds Bardella ganz im Stil seines
Vorbilds Jean-Marie Le Pen. Damals, laut Mediapart im Jahr 2013 – da hatte
Marine Le Pen bereits von ihrem Vater die Parteiführung übernommen – schien
es fast selbstverständlich, dass Bardella beispielsweise die Überzeugung
geäußert habe, dass „die Banken alle den Juden gehören “ Oder auch, dass
„die Juden die anderen Völker dominieren, unterwerfen und bestehlen
wollen“.
Damals habe Bardella weitgehend unter dem Einfluss des antisemitischen
Verschwörungstheoretikers Alain Solal gestanden. Heute könnte Bardella
protestieren, es sei fies, solche Bemerkungen aus seiner Jugend gegen ihn
für eine politische Kampagne zu verwenden. Stattdessen dementiert er auf X,
solche Äußerungen je gemacht oder auch nur gedacht zu haben. Wenn nun, wie
dies zu erwarten ist, Mediapart die angeblich schriftlichen Zitate belegt,
geht er mit seiner vehementen Gegenattacke das Risiko ein, erst recht als
politischer Hochstapler und Lügner entlarvt zu werden.
29 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.mediapart.fr/journal/politique/280926/les-banques-sont-toutes-detenues-par-des-juifs-jordan-bardella-face-ses-ecrits-antisemites
(DIR) [2] /Rechtsruck-in-Frankreich/!6009159
## AUTOREN
(DIR) Rudolf Balmer
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