# taz.de -- Staatsbesuch von Scheich in Berlin: Handelsvolumen schlägt Menschenrechte
> Der Staatspräsident der Vereinigten Arabischen Emirate, bin Zayid, ist in
> Berlin, es geht um Rüstungsdeals. Menschenrechtsorganisationen
> demonstrieren.
(IMG) Bild: Scheich Mohammed bin Sajid und Kanzler Friedrich Merz
Großflächige Hubschrauber-Überwachung, weiträumige Absperrungen im Zentrum
Berlins und Proteste: Der Staatsbesuch des Präsidenten der Vereinigten
Arabischen Emirate (VAE) in Deutschland erregte die Gemüter weit über die
Bekanntheit des arabischen Golfstaates hinaus. Ohnehin scheiden sich an
Scheich Muhammad bin Zayid bin Sultan Al Nahyan die Geister.
Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich
Merz bei ihren Treffen mit dem Staatsoberhaupt vom Golf die Bedeutung der
VAE für die Stabilität des Mittleren Ostens unterstrichen, schlugen
Menschenrechtsorganisationen Alarm. Denn beide Seiten machten vorab klar,
dass sie ihre Beziehungen auf eine neue Stufe heben wollen – trotz
Menschenrechtsverletzungen in den Emiraten und Völkermord-Vorwürfen im
Sudan.
Die VAE sind wirtschaftlich für Deutschland sogar bedeutender als das
größere Saudi-Arabien: Das bilaterale Handelsvolumen lag nach Angaben der
Bundesregierung voriges Jahr bei 13 Milliarden Euro – mit erheblichem
Exportüberschuss zugunsten deutscher Firmen. Die VAE lieferten 2025 mehr Öl
an Deutschland als Saudi-Arabien.
Am Donnerstag verkündeten die Vereinigten Arabischen Emirate zudem, 40
Milliarden Euro in Deutschland investieren zu wollen. Bisher hat sich der
Golfstaat mit rund 34 Milliarden Euro in der deutschen Wirtschaft
engagiert.
## Milliarden-Deals im Rüstungssektor
Der Staatsfonds Mubadala plant mit Siemens Energy die Entwicklung moderner
Technologien für die Produktion grünen Wasserstoffs. Der staatliche
emiratische Ölkonzern Adnoc hat das Leverkusener Spezialchemie-Unternehmen
Covestro übernommen. Am Freitag sollen auf einer Wirtschaftskonferenz in
München weitere Milliarden-Deals, etwa zu Rechenzentren und im
Rüstungssektor, unterzeichnet werden. Emirates, die Airline aus Dubai, soll
nach jahrelangem Widerstand der Lufthansa Landerechte in Berlin bekommen.
Eine stärkere Beziehung zwischen den VAE und Deutschland könne dazu
beitragen, „die industriellen und technologischen Stärken Europas mit
Kapital, Energie und Wachstumschancen im gesamten Golfraum, in Asien und
Afrika zu verbinden“. Das sagte Lana Nusseibeh, Staatsministerin im
Außenministerium der Emirate, in Berlin.
Aber es gehe um mehr als Wirtschaft, sagt die Staatsministerin: „Die
emiratisch-deutsche strategische Partnerschaft entwickelt sich von
gemeinsamen Absichten hin zu gemeinsamem Handeln.“ Neben einem
deutsch-emiratischen Investitionsrat soll auch ein strategischer Dialog für
Fragen der Außenpolitik, bei Energie, Wirtschaft und Umwelt dauerhaft
etabliert werden.
Die schönen Worte verfangen bei Menschenrechtsorganisationen nicht. Statt
engerer Kooperation sollte Deutschland „unmissverständlich erklären, dass
es bereit ist, Sanktionen gegen emiratische Akteure zu verhängen, die
Waffen und Kämpfer zur Unterstützung der Gräueltaten im Sudan
bereitstellen“. Das fordert Philipp Frisch, Deutschland-Direktor von Human
Rights Watch.
„Deutschland hofiert ein Regime, das im Sudan die Rapid Support Forces
(RSF) finanziert und mit Waffen ausstattet“, sagt Sarah Reinke,
Geschäftsleiterin Menschenrechte der Gesellschaft für bedrohte Völker
(GfbV). Die GfbV hatte am Donnerstagnachmittag eine Demonstration gegen den
Staatsbesuch Al Nahyans organisiert – wegen der weiträumigen Absperrung des
Kanzleramts musste die vor dem Berliner Hauptbahnhof auf der anderen
Spreeseite stattfinden.
## Unterstützung für Milizen im Sudan
Der von den VAE unterstützten Rebellen-Miliz RSF werden Völkermord,
Kriegsverbrechen, schwere Menschenrechtsverletzungen und Vertreibung
vorgeworfen. „Ohne die Unterstützung der VAE könnte die RSF-Miliz den Krieg
nicht in dieser Grausamkeit und in diesem Ausmaß weiterführen“, so Reinke.
Parallel [1][bekommt vor allem das Emirat Dubai große Mengen Gold aus dem
Sudan].
Zudem müsse die Bundesregierung laut Human Rights Watch die Freilassung von
Menschenrechtsaktivisten und Dissidentinnen fordern, die teilweise in
Massenprozessen abgeurteilt worden seien. Die VAE stehen auch im Fokus
wegen „moderner Sklaverei“ aufgrund der unter teils skandalösen
Verhältnisse zum Beispiel als Hausmädchen oder Putzkräfte arbeitenden
Migranten. Migrantinnen und Gastarbeiter machen mit mehr als 10 Millionen
Menschen die überwältigende Mehrheit der 11,6 Millionen zählenden
Bevölkerung der VAE aus.
MbZ, wie der Herrscher der VAE meist abgekürzt genannt wird, macht eine
zunehmend selbstbewusste Außenpolitik. Mit ihr geraten die Emirate oft über
Kreuz mit Saudi-Arabien, der bisherigen Vormacht der arabischen
Golfstaaten.
So sind die VAE aus dem von Riad dominierten Ölkartell Opec ausgetreten. Im
Januar mussten sich die VAE der politischen Übermacht der Saudis beugen und
ihre Unterstützung der Separatisten im Jemen, die wiederum Iran im Krieg
gegen die USA helfen, einstellen. In Libyen unterstützen die Emirate den
aufständischen General Khalifa Haftar, der gegen die von der UNO anerkannte
Regierung in Tripolis kämpft. Im Gegensatz zu Riad haben die VAE mit der
Unterzeichnung des Abraham Accords aber einen Friedensvertrag mit Israel
abgeschlossen.
10 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.swissaid.ch/en/media/united-arab-emirates-more-than-ever-a-hub-for-conflict-gold/
## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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