# taz.de -- Nach dem CSD-Anschlag: Viele Bekundungen, kaum Konkretes
> Für den Schutz der queeren Community tut die Bundesregierung weiterhin
> wenig – weder finanziell noch gesetzlich. Das zeigt eine kleine Anfrage
> der Grünen.
(IMG) Bild: Wie die Anfrage von Nyke Slawik nun zeigt, waren es nur leere Worte von Kanzler Merz und der seinigen nach dem Anschlag auf den Berliner CSD
Einen „Angriff auf unsere Gesellschaft“ hat Friedrich Merz (CDU) den
islamistischen Terroranschlag auf den Berliner CSD Ende Juli genannt. Der
Bundeskanzler versicherte damals, man werde „die Freiheit, die Offenheit,
die Liberalität unseres Lebens und unserer Gesellschaft mit allem, was wir
tun können, verteidigen“. Doch fast drei Monate nach dem Anschlag hat die
Bundesregierung dafür wenig getan. Das ergibt eine kleine Anfrage der
Grünen zum Schutz und zur Beendigung der Diskriminierung von
LSBTIQ*-Personen, welche der taz vorab vorliegt.
„Das waren alles leere Worte“, sagt die queerpolitische Sprecherin der
Grünen, Nyke Slawik, der taz. Sie ist eine der Initiator:innen der
Kleinen Anfrage und ist enttäuscht. Die Antworten aus dem CDU-geführten
Bundesfamilienministerium, stellvertretend für die Bundesregierung, auf die
insgesamt 31 Fragen seien eine „Ohrfeige für queere Menschen in
Deutschland“.
## Modellprojekt mit Lambda?
Wie die Bundesregierung eine „langfristige und auskömmliche Finanzierung
queerer Jugend-, Community- und Beratungsstrukturen“ wie der des queeren
Jugendnetzwerks Lambda plane, wollten die Grünen-Abgeordnete etwa wissen.
Und ob nach dem Anschlag kurzfristig neue Maßnahmen zur „Unterstützung und
zum Schutz queerer Jugendlicher“ geplant seien? Sie prüfe ein Modellprojekt
mit Lambda, antwortet die Bundesregierung.
[1][Mitte Juli 2026 war bekannt geworden], dass Lambda, einem
LSBTIQ*-Verein für junge Menschen, zum Ende des Jahres 2026 sämtliche
Fördermittel gestrichen werden. Kritik an dem Förderungsstopp wurde
insbesondere [2][nach dem Anschlag gegen den CSD laut], doch die Regierung
ließ sich trotz der öffentlichen Bekundungen nicht zur Umkehr bewegen.
Jetzt also Modellprojekt statt langfristiger Förderung? Bei Lambda will man
sich dazu inhaltlich noch nicht äußern, aber ja, es gebe solche Gespräche.
Nick Hampel, stellvertretender Geschäftsführer bei Lambda, erklärt auf
taz-Anfrage, dass eine Projektförderung jedoch die bisherige
Rahmenförderung nicht ersetzen könne. „Sie finanziert ein klar
abgegrenztes, zeitlich befristetes Vorhaben, während die Rahmenförderung
die langfristige finanzielle Grundlage unserer bundesweiten
Jugendverbandsarbeit darstellt“, sagt Hampel. „Unser Ziel bleibt daher eine
verlässliche Rahmenvereinbarung. Eine Projektförderung kann ein wichtiger
Baustein sein, löst aber nicht die grundsätzliche Finanzierungsfrage
unseres Jugendnetzwerks.“
## Bundesregierung verweist auf Länder
Auch zu der Frage, ob sie beabsichtige, den Schutz queerer Menschen ins
Grundgesetz aufzunehmen, äußert sich die Bundesregierung nicht direkt. Der
Bundesrat hat im Sommer eine entsprechende Initiative eingebracht. Man
nehme diese „zur Kenntnis“, schrieb die Bundesregierung in ihrer
Stellungnahme damals. Im August hatte sich Bundesjustizministerin Stefanie
Hubig (SPD) hingegen [3][für eine Grundgesetzänderung ausgesprochen].
Auch soll es weiterhin keine bundesweite Meldestelle für queerfeindliche
Straftaten geben. „Was muss eigentlich noch passieren, damit die steigenden
Zahlen an Übergriffen gegen queere Menschen oder die strukturelle
Diskriminierung endlich ernst genommen und angegangen werden?“, fragt
Slawik. Aus CDU und SPD würden sich viele gerne auf den großen CSDs
ablichten lassen, dann aber keine Forderungen umsetzen. „Das ist einfach
unverschämte, geheuchelte Solidarität.“
Häufig wird auch auf die gesetzliche Zuständigkeit der Bundesländer
verwiesen: Diese sieht sie sowohl zuständig, wenn es darum geht, die
Lebensrealitäten von LSBTIQ*-Personen im Unterricht abzubilden, Beratungs-,
Informations-, Gewalthilfestrukturen zu schaffen, oder Aus-, Fort- und
Weiterbildung von Polizei und Justiz zu ermöglichen. Slawik kritisiert:
„Manche Kommunen und Bundesländer verfügen nur über wenige Angebote. Da
wäre es am Bund doch, zu unterstützen. Mein Eindruck ist, dass die
Bundesregierung sich aus der Verantwortung ziehen und ihre Hausaufgaben
partout nicht machen will.“
19 Oct 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Annika Danielmeier
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