# taz.de -- Kritik an sexistischer Polizeigewalt: Gegen die Normalität
       
       > Schmerzgriffe und Nacktdurchsuchungen: Linke Gruppen diskutieren in
       > Berlin über sexistische Polizeigewalt und wollen künftig Fälle
       > dokumentieren.
       
 (IMG) Bild: Schmerzgriff bei Festnahme auf Demo in Berlin im Juli 2025
       
       Es ist ein Zufall, dass Aktivist*innen wenige Stunden nach der
       [1][Razzia im trans Gesundheitszentrum „Casa Kuà“] in Kreuzberg eine
       Pressekonferenz zu sexistischer Polizeigewalt veranstalten. Aber einer, der
       zeigt, dass man sich hier eines aktuellen Themas annimmt.
       
       Und so kritisiert Aya Bastidas von der Plattform „Stimme der Gefangenen“
       (TSP) die Durchsuchung im Casa Kuà als „Ausdruck von Stimmungsmache“ gegen
       queere Menschen: „LSBTI+-Personen werden zunehmend zum Feindbild erklärt,
       gleichzeitig gibt es Kürzungen und Gesetzeslücken etwa bei Angeboten der
       Gesundheitsversorgung“, sagt Bastidas.
       
       Die Aktivistin äußert sich am Montagmorgen zum Abschluss einer
       [2][Konferenz zu sexistischer Polizeigewalt], die am Wochenende in
       Kreuzberg stattgefunden hat. Organisiert wurde sie von linken,
       internationalistischen Gruppen wie TSP und der Frauenorganisation „Zora“.
       Nach Angaben der Veranstalter*innen nahmen etwa 500 Menschen teil.
       
       Dabei wurde eine Resolution verabschiedet, wie die Organisator*innen
       ein Papier mit Forderungen nennen. Darin ist die Rede von „eskalierender
       sexualisierter Polizeigewalt“ – weltweit, aber auch in Deutschland. Man
       wolle das Schweigen über den „gezielten Einsatz dieser Form der staatlichen
       Repression gegen Frauen“ brechen, heißt es weiter.
       
       ## Schläge in den Intimbereich und Schmerzgriffe
       
       Unter sexistische Polizeigewalt fassen sie sexistische Kommentare, Schläge
       in den Intimbereich und an die Brüste sowie Griffe in die Haare. Außerdem
       führen sie islam- und transfeindliche Behandlung als Beispiele an – etwa
       das gezielte Wegreißen von Kopftüchern muslimischer Frauen sowie – laut
       Gesetz zulässige – Ganzkörperdurchsuchungen, bei denen sich Betroffene
       nackt ausziehen müssen.
       
       Tatsächlich gab es in Berlin in den vergangenen Jahren [3][Vorwürfe gegen
       die Polizei], insbesondere auf Demonstrationen sexualisierte Gewalt
       ausgeübt zu haben. Dabei geht es zumeist um Festnahmen und Durchsuchungen.
       Bei [4][Protesten zum feministischen Kampftag 2025] etwa sollen Polizisten
       auf Gesichter und Oberkörper von Teilnehmerinnen eingeschlagen haben. Zudem
       soll bei einer Festnahme der Intimbereich einer Frau entblößt sowie ihr
       Kopf zwischen die Beine eines Beamten gepresst worden sein.
       
       Auf eben solche Vorfälle wollen die Organisator*innen der Konferenz
       aufmerksam machen. Das Thema müsse auf die Tagesordnung, sagt Aya Bastidas:
       „Das passiert nicht nur in Diktaturen, das passiert auch hier.“
       
       Anna Liedtke von der feministischen Organisation Zora geht davon aus, dass
       das Dunkelfeld bei dem Thema sehr groß ist. „Sexistische Polizeigewalt
       mussten mehr Menschen erleben, als man denkt“, sagt sie. Sie fordert, ein
       solches Vorgehen der Polizei zu „entnormalisieren“: „Angst und Scham müssen
       die Seiten wechseln“, so Liedtke.
       
       ## Diskriminierungsrisiko Polizeikontrolle
       
       In der Forschung gibt es bislang wenig konkrete Untersuchungen zu
       geschlechtsspezifischer Polizeigewalt. In der [5][Studie „Polizei und
       Diskriminierung“] von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin etwa
       wird ein Fokus auf rassistische Polizeigewalt auf der einen sowie Sexismus
       in Ermittlungen nach häuslicher Gewalt auf der anderen Seite gelegt. Eine
       spezifisch sexistische Komponente bei Polizeigewalt wird nicht ausdrücklich
       behandelt.
       
       Dennoch heißt es in der Studie: „Nicht nur die Auswahl der zu
       kontrollierenden Personen, sondern auch die Kontrolle selbst birgt
       Diskriminierungsrisiken.“ Und Überschneidungen zwischen Rassismus und
       Sexismus erhöhten die Gefahr für Diskriminierung durch die Polizei:
       „Mehrfach- und intersektionale Diskriminierung sind also nicht die
       Ausnahme, sondern wahrscheinlich die Regel.“
       
       Die Teilnehmer*innen der Konferenz wollen jetzt eine Initiative gründen
       und dort Fälle dokumentieren und veröffentlichen. „In der Justiz gibt es
       kein Bewusstsein für sexistische Polizeigewalt“, sagt Aya Bastidas. Deshalb
       gebe es oft keine Konsequenzen, bereits die Anzeigebereitschaft sei gering.
       Mit juristischer und solidarischer Prozessbegleitung wolle man das ändern.
       
       19 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Durchsuchung-in-Berlin-Kreuzberg/!6222545
 (DIR) [2] https://schweigenbrechen7.wordpress.com/
 (DIR) [3] https://www.frauenkreise-berlin.de/post/gemeinsames-statement-des-berliner-frauennetzwerks-bfn-zur-polizeigewalt-am-8-m%C3%A4rz-2025
 (DIR) [4] /Polizeigewalt-bei-Demos-am-8-Maerz/!6071497
 (DIR) [5] https://www.antidiskriminierungsstelle.gov.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/Rechtsgutachten/polizei_studie_lang.pdf?__blob=publicationFile&v=5
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hanno Fleckenstein
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Polizeigewalt
 (DIR) Sexualisierte Gewalt
 (DIR) Sexismus
 (DIR) Polizei Berlin
       
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