# taz.de -- Razzia im Casa Kuà: In voller Montur gegen 13 trans Frauen
> Fast 40 Beamt:innen haben die Berliner „Doll“-Community gestürmt. Die
> Razzia zeigt, dass der Staat trans Leben nicht schützt. Das ist fatal.
(IMG) Bild: Trans Frauen aka „Dolls“ gehören zu den am meisten marginalisierten Gruppen
Der Schock über die brutale [1][Razzia am vergangenen Sonntag in dem Treff
der „Dolls of Berlin“] ist groß. 38 Polizist:innen, teils in voller Montur
für 13 trans Frauen. Deren Verbrechen: sich treffen, miteinander reden,
essen, unter sich sein. Einen Ort kreiert zu haben, an dem sie sich nicht
erklären müssen, sich Halt und Trost geben und sich in den Erfahrungen
anderer Frauen wiederfinden.
Der Treff schafft einen Raum, in dem auf ihnen nicht der cis-normative
Blick ruht und sie ihre internalisierte Transmisogynie hinter sich lassen
können. Ausatmen, entspannen, aufstehen, zärtlich zu sich sein. Gemeinsam
können die „Dolls“ Mut sammeln in dem ewigen Kampf gegen ein
Herrschaftsverhältnis, das propagiert: Assimilierung sei der einzige Weg.
Bei den „Dolls“ weichen Scham, Selbstzweifel, Ablehnung und machen Platz
für Freude, Zuneigung, Selbstliebe zu sich und zur Community. Dort sind
[2][trans Frauen] die Mehrheit und erobern sich das Narrativ über ihr Leben
zurück. Wann und wo gibt es das sonst? Die Aktion der Berliner Polizei und
Staatsanwaltschaft macht klar: Sie wollen ihnen diesen Ort wegnehmen.
## Überlebenswichtige Orte
Sie werfen dem Ort illegalen Medikamentenhandel vor. Was für ein
Widerspruch zur Realität. Jede trans Frau in Berlin kennt den
Community-Treff. Besonders nicht-weiße, geflüchtete und arme trans Frauen
sind dringend auf die Lebensmittelspenden der Tafel, die kostenlose
Kleidung, Sozialberatung und den Kontakt zu anderen angewiesen.
Bei den „Dolls“ wird Wissen über alle möglichen Fragen und Ressourcen
weitergegeben und besprochen – nicht mehr und nicht weniger. In einer
transfeindlichen Gesellschaft, geprägt von Rassismus und Kapitalismus, wird
[3][Trans-Sein besonders schwer lebbar]. Es ist Teil dieses feindlichen
Systems, Menschen ihr Wissen und ihre Selbstbestimmung über den eigenen
Körper zu entreißen und staatlich streng zu regulieren.
Orte, an denen die Community zusammenkommen kann, wie bei den „Dolls“, sind
im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig. Deshalb ist die Razzia als
ein gezielter Angriff auf trans Frauen scharf zu verurteilen. Trans
Personen sollen in ihrem eigenen Space Angst bekommen – und auch darüber
hinaus. Die Polizei spinnt aus rumliegendem Bargeld und Tabletten, die
privat bei Menschen in Taschenkontrollen gefunden werden, ein Narrativ, um
ihr perfides Vorgehen vor der bürgerlichen Presse zu legitimieren.
## Selbstbestimmung ohne staatliche Regulierung
Statt niedrigschwellige Möglichkeiten für trans Menschen in Richtung
Selbstbestimmung und Gesundheitsversorgung zu schaffen, stellt der Staat
nach dem CSD-Anschlag lieber eine Regenbogenbank auf. Und selbst diese
können sie nicht mal schützen.
Trans Frauen haben dieses System schon längst durchschaut. Der
kapitalistische Staat schütze sie nie und hat auch kein Interesse daran.
Wenn eine Bank, die vom Bezirk aufgestellt wurde, gleich viermal
angegriffen wurde, was passiert dann mit trans Frauen?
In diesem faschisierenden Land sind Orte wie die „Dolls“ der Staatsmacht
ein Dorn im Auge, denn sie haben die Ungleichheit im System erkannt – egal
ob ökonomisch, rassistisch, gesellschaftlich oder medizinisch. In einer
liberalen staatlichen Logik funktioniert der „Schutz“ von trans Leben, ohne
tatsächlich auf die Bedürfnisse von trans Menschen einzugehen. Und genau
dagegen sind die Beamt:innen am Sonntag vorgegangen, nicht gegen
angebliche illegale Medikamente. Die „Dolls“ schaffen, was der Staat nie
schaffen will: Selbstbestimmung.
20 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Raweel Nasir
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