# taz.de -- TV-Duell in Brasiliens Wahlkampf: Falschmeldungen und Beleidigungen
       
       > Beim ersten und einzigen TV-Duell zwischen Brasiliens Präsident Lula und
       > Herausforderer Flavio Bolsonaro kommt eine Diskussion kaum zustande.
       
 (IMG) Bild: Wilder Schlagabtausch im brasilianischen Fernsehen: Lula (vorn) und Flavio Bolsonaro attackieren sich gegenseitig
       
       In Brasilien stehen sich acht Tage vor der [1][Stichwahl] um das
       Präsidentenamt Amtsinhaber Lula und sein Herausforderer Flavio Bolsonaro
       zum ersten Mal gegenüber. [2][Eine eigentlich schon vor dem ersten Wahlgang
       geplante TV-Debatte war geplatzt.]
       
       Beim TV-Duell im brasilianischen Sender Band am Sonntagabend kommt ein
       Dialog gar nicht erst zustande. Wie erwartet, geht es weniger um
       Regierungsprogramme als um gegenseitige Anschuldigungen und Beleidigungen.
       
       Bolsonaro ignoriert sämtliche Fragen des Präsidenten und geht sofort zum
       Angriff über. Anstatt zu erklären, was mit den zig Millionen geschehen ist,
       die der inhaftierte ehemalige Masterbank-Chef angeblich für einen
       Dokumentarfilm über Jair Bolsonaro gespendet hatte, beschuldigt Bolsonaro
       den amtierenden Präsidenten, selbst Millionen des Bankers angenommen zu
       haben. Diese Falschmeldung hatte zuvor das Nachrichtenmagazin Veja
       verbreitet. Als einziger Nachweis dient eine Telefonnachricht des Bankers,
       die dieser vermutlich nachträglich im Gefängnis aufgenommen hat.
       
       Eine weitere Falschmeldung, auf die Bolsonaro Junior sich einschießt,
       besagt, Lula sei von mehr als 70 Prozent der Gefängnisinsassen gewählt
       worden. Dabei haben rechtsgültig Verurteilte in Brasilien überhaupt kein
       Wahlrecht.
       
       ## Bolsonaro setzt auf das Thema Sicherheit
       
       Veteran Lula reagiert nicht auf Provokationen, präsentiert sich dagegen als
       erfahrener Staatsmann, zählt [3][Erfolge seiner bisherigen Amtszeiten] auf
       und konfrontiert den Gegner mit dessen Verhalten in der Vergangenheit.
       
       Vom Sender angesprochene Themen sind unter anderem die öffentliche
       Sicherheit und das Gesundheitssystem. Bolsonaro, dessen Vater vor allem
       beim Militär, Vertretern des Agrarbusiness und der gehobenen Mittelschicht
       beliebt ist, gibt sich als Volksversteher und spricht die Zuschauer direkt
       an: „Du, der du in einer Favela lebst, wirst dich auf der Straße nicht mehr
       bedroht fühlen. Du wirst zu Wohlstand gelangen!“, verspricht er.
       
       Den jüngsten Erfolg der Regierung, die Abschaffung der Sechs-Tage-Woche bei
       vollem Lohn, kommentiert er so: „Deinen zusätzlichen freien Tag wirst du im
       Bus verbringen und fürchten, überfallen zu werden“. Präsident Lula kündigt
       daraufhin eine Zusammenarbeit zwischen Union, Bundesstaaten und Gemeinden
       in Sicherheitsfragen an, um Kriminalität effektiver zu bekämpfen. Bolsonaro
       wisse nicht, wovon er spreche, denn er habe weder öffentliche Busse noch
       das öffentliche Gesundheitssystem jemals persönlich kennengelernt.
       
       An konkreten Programmen nennt Flavio drastische Straferhöhungen, das
       Herabsetzen der Strafmündigkeit und eine weitreichende Vernetzung digitaler
       Bürgerdaten in Bereichen wie Gesundheit, Beschäftigung und Kriminalität.
       Lula kündigt eine Großamnestie für Steuerschulden von Kleinstunternehmern
       an, um so die Wirtschaft anzukurbeln.
       
       Doch insgesamt ist das Treffen eher emotional aufgeladen als sachlich.
       Flavio nennt Lula immer wieder einen Lügner, versucht ihm ins Wort zu
       fallen und muss deswegen mehrfach von der Debattenleitung zur Ordnung
       gerufen werden. Irgendwann schlägt Lula vor, beide Kandidaten sollten ihre
       Bankkonten und Telefonverbindungen offenlegen, damit das Volk sehen könne,
       „was wirklich vorgeht“. Der Vorschlag wird nicht angenommen.
       
       Zum Abschluss der Live-Übertragung wird das Publikum mit Sprechchören immer
       lauter. „Lula“ skandieren die einen. „Mythos“ rufen die anderen. So hatten
       seine Anhänger Jair Bolsonaro genannt.
       
       19 Oct 2026
       
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 (DIR) Christine Wollowski
       
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