# taz.de -- AfD-Hassnetzwerke auf X: Staatsanwalt ermittelt gegen rechten Troll Patrick Kolek
       
       > Doxxen, swatten, hassen: Der Aktivist Patrick Kolek orchestriert extrem
       > rechte Online-Kampagnen. Seine Bubble reicht bis zur AfD. Nun ermittelt
       > die Generalstaatsanwaltschaft.
       
 (IMG) Bild: Trolle unter sich
       
       Sie verbreiten Hass. Tagein, tagaus hängen extrem rechte
       Online-Aktivist*innen in sozialen Netzwerken und würdigen Menschen herab.
       Mal nehmen sie Äußerlichkeiten als Grund, ein andermal politische
       Überzeugungen – immer sind ihre Posts unter der Gürtellinie. Sie schreiben
       Dinge wie: „Früher hatte man noch den Anstand Oppositionelle zu erschießen.
       Eure schwulen Hausdurchsuchungen könnt ihr Opfer euch in eurem
       regenbogenfarbenes Rektum schrauben“.
       
       „RedaktionsNetzwerk Rechts“ (RNR) nennt sich eines dieser Troll-Netzwerke.
       Ihr Zeichen ist ein Pfeil-Rad, zusammengesetzt aus acht AfD-Pfeilen. Die
       Optik ähnelt stark der schwarzen Sonne der SS, es wird mit NS-Ästhetik
       gespielt. Stehen soll das Pfeil-Rad für „100 Prozent mehr Hass“. Ziel des
       „RNR“ sind politische Feinde, Journalist*innen und Politiker*innen. Mit
       Cybermobbing und Veröffentlichungen persönlicher Daten und Details –
       sogenanntem Doxxing – versuchen sie, diese fertigzumachen. Manchmal treiben
       sie es so weit, bis diese sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen.
       
       Einer ihrer Anführer versteckt sich hinter einem Account namens „Wuppi“.
       Über sich selbst schreibt „Wuppi“, er sei zum „Cybermobber geworden, weil
       der Sprit zu teuer ist, um Leuten persönlich auf die Fresse zu hauen.“
       Online bezeichnet er mutmaßliche politische Gegner beispielsweise als
       „Genmüll-Endlager.“ Mittlerweile ermittelt auch die
       Generalstaatsanwaltschaft gegen „Wuppi“, doch Recherchen der taz zeigen,
       dass das RNR-Netzwerk weit darüber hinausgeht.
       
       ## Ermittlungen stehen erst am Anfang
       
       „Wuppi“ heißt im bürgerlichen Leben Patrick Kolek. Er war AfD-Mitglied und
       war schon mehrmals im Visier der Sicherheitsbehörden: Wie er auf X publik
       machte, liefen bereits in der Vergangenheit mehrere Verfahren gegen ihn.
       Darum sammelt Kolek unter seinen Posts Spenden für seine „Kriegskasse“, wie
       er es nennt.
       
       Im Zuge der Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz fand am 16.
       September eine Hausdurchsuchung bei Kolek statt. Über die Razzia berichtete
       Kolek selbst im YouTube-Format des bayerischen AfD-Europaabgeordneten Petr
       Bystron. Nebenbei machte er auch Andeutungen zum Privatleben der Richterin,
       die den Durchsuchungsbeschluss unterzeichnet hat. Kolek behauptete, dass
       die Hausdurchsuchung aufgrund einer einfachen Beleidigung erfolgt sein
       soll. Doch das ist mitnichten so.
       
       Gegen Kolek wird wegen des Anfangsverdachts der gefährdenden Verbreitung
       personenbezogener Daten in 16 Fällen ermittelt, wie die Pressestelle auf
       taz-Anfrage hin mitteilte. Die Fälle stehen demnach teils in Verbindung mit
       Beleidigung, in einem Fall wird wegen des Verwendens von Kennzeichen
       ehemaliger nationalsozialistischer Organisationen ermittelt. Der
       Beschuldigte soll demnach mehrere Internetaccounts für die Verbreitung
       personenbezogener Daten genutzt haben. Die Ermittlungen stünden noch am
       Anfang, so die Generalstaatsanwaltschaft. Bis zu einer Verurteilung gelte
       die Unschuldsvermutung. Die Staatsanwaltschaft geht aktuell noch von Kolek
       als Einzeltäter aus.
       
       Der taz liegen allerdings Äußerungen und Chats vor, die belegen, dass es
       sich bei Kolek keineswegs nur um einen einzelnen Täter handelt. Vielmehr
       geht es um ein Netzwerk aus rund zehn Personen. Zu den Accounts, die den
       vorliegenden Chats und Posts zufolge mit dem RNR in Kontakt standen oder
       sich an einzelnen Kampagnen beteiligten, zählen „Sinister Blonde“,
       „Journo-Ziege“, „Mia Rockatansky“ und „AfD-Chan“. Teilweise bestehen oder
       bestanden Verbindungen zur AfD oder zu ihrem politischen Umfeld.
       
       Eine Person aus dem Netzwerk, Miriam Alexandra Tanski („miarockatansky“),
       trat bei der Kommunalwahl in Oldenburg für die AfD an. Tanski nannte sich
       zuvor „als Satire“ unter ihren Pseudonymen „Miss Germany 1933“,
       „Teenage-Nazi“ oder beschimpfte Nichtweiße als „entartet“, „N****“ und
       Affen, nutzte Codes für Holocaust-Leugnung und nahm an einem
       Neonazi-Aufmarsch in Dresden teil. Die taz hatte zur Kommunalwahl über
       [1][die extrem rechte Influencerin geschrieben].
       
       In einem Chat unterbreitet „Wuppi“ auch den Vorschlag, sich mit „Sinister
       Blonde“ zu vernetzen. Zudem teilten einige Accounts Fotos von gemeinsamen
       Aktionen und verlinkten Personen, die dem Netzwerk zuzuordnen sind.
       
       ## Erhebliche Folgen für die Opfer
       
       Das Vorgehen solcher Online-Troll-Netzwerke ist oft ähnlich. Sie greifen
       dabei auf ein volles Repertoire zurück, wie es etwa [2][beim kollektiven
       Cybermobbing des Youtubers Drachenlord] zum Einsatz kam: Sie versuchen
       Adressen und persönliche Daten und private Infos über ihre Opfer
       herauszubekommen, dann versenden sie gefälschte Bombendrohungen, verhöhnen
       ihre Opfer durch beleidigende Posts und kompromittierende Bilder.
       
       Sie belästigen sie mit falschen Pizzabestellungen oder crashen Livestreams
       von bekannten Youtubern, indem sie durch falsche Notrufe Polizeieinsätze
       auslösen, bei denen die Beamten die Wohnung oder das Studio des Opfers
       stürmen sollen. In der Szene nennt man das Swatting. Dabei wird die Gefahr
       für Leib und Leben der Betroffenen in Kauf genommen. Für die Opfer kann das
       schwerwiegende Folgen haben und zu einer realen Gefahr werden.
       
       Über die Methoden, das Vorgehen und die Motivation hat zuletzt auch die ARD
       in der Reportage „Das Cybermobbing-Kartell“ über das Troll-Netzwerks NWO
       (was wahlweise für die verschwörungsideologische Chiffre „Neue Weltordnung“
       oder „Nie wieder Online“ stehen soll) berichtet. Gegen Mitglieder von NWO
       wird derzeit ermittelt, weil sie unter anderem gefälschte Bombendrohungen
       an Schulen versendet haben soll.
       
       Im Jahr 2024 und 2025 erfolgten im Rahmen von Ermittlungen der
       Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und des BKA mehrere
       Hausdurchsuchungen gegen die Rädelsführer der NWO in Bayern, Berlin,
       Brandenburg, Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen. Laut
       Pressemitteilung der Behörden suchte die NWO gezielt Personen aus
       vulnerablen Gruppen. Das Ziel dieser Gruppierung war es unter anderem, ihre
       Opfer zu verhöhnen und sie zur Aufgabe ihrer Onlinepräsenz zu bringen.
       Toxische Online-Communitys verfolgen dabei häufig keine politische Agenda.
       
       ## Trolle mit AfD-naher Agenda
       
       Anders ist das im Netzwerk von „Wuppi“, dem „RNR“. Hier kann man
       beobachten, was passiert, wenn Troll- und Doxxing-Netzwerke auf Akteure mit
       politischer Agenda treffen. So geraten hier häufig Journalist*innen, die
       kritisch über die AfD berichten, ins Visier des „RedaktionsNetzwerks
       Rechts“. Dies führt regelmäßig zu Kampagnen gegen Journalisten, um deren
       Integrität zu beschädigen. Gleiches wendet das „RNR“ bei
       Politiker*innen oder Aktivist*innen an, dich sich kritisch zur AfD
       und rechtsextremen Strukturen äußern. Die Beiträge des Doxxing-Netzwerks
       werden auf X tausendfach geteilt – gerade aus dem politischen Vorfeld der
       AfD.
       
       Ihre politischen Gegner*innen verleumdet das „RNR“ auch gerne mal als
       pädophil. Bereits 2024 beteiligte sich Kolek an einer Kampagne gegen einen
       Kommunalpolitiker der FDP. Laut [3][Recherchen von t-online] wurde die
       Kampagne auch über das Profil des bayerischen AfD-Landtagsabgeordnete Rene
       Dierkes verbreitet. Die Kampagne erfolgte kurz vor der Europawahl.
       
       Über Dierkes Profil wurde ein angeblicher Chat des FDP-Politikers
       veröffentlicht, der angeblichen Sex mit Minderjährigen nachweisen solle. Da
       die ermittelnden Behörden und der damalige FDP-Politiker eng
       zusammenarbeiteten, konnte belegt werden, dass es sich bei dem
       vermeintlichen Chat um eine Fälschung handelte.
       
       Ähnliche Vorwürfe streute das Netzwerk um „Wuppi“ zuletzt vor den
       Landtagswahlen im Herbst 2026: Ende August veröffentlichte Kolek auf seinem
       X-Account verstörende Aktfotos und Videos eines lokalen SPD-Politikers und
       beschuldigte ihn, pädophil zu sein. Dabei weist der aktuelle Fall
       Ähnlichkeit mit dem Fall des ehemaligen FDP-Politikers auf. Vermeintlich
       geht es Kolek und seinem RNR [4][um Kinderschutz]. Aber selbst bekannte
       rechte Hetzmedien griffen die Behauptungen nicht auf. In solchen Fällen
       kooperiert das RNR mit anderen Akteuren, die als Trolle oder als sogenannte
       PädoHunter unterwegs sind.
       
       ## Keine Antwort auf taz-Anfrage
       
       Selbst nach der Hausdurchsuchung und während der laufenden Ermittlungen
       machen Kolek und sein Troll-Netzwerk weiter – im Kampf gegen die Wokeness
       und für rechte Politik. Sowohl im Fall des FDP- als auch des SPD-Politikers
       versuchten die rechten Trolle mit ihrer vermeintlichen Recherche einen
       Zusammenhang zur Gesamtpartei herzustellen. Kolek schrieb etwa zum
       SPD-Politiker: „Deutschland ist infiziert mit Menschen, die niemand in
       seiner Nachbarschaft haben will.“
       
       Gerade richtet sich Koleks Hass vor allem gegen den Satiriker Jan
       Böhmermann: „Der Satiriker, Moderator und Kämpfer für das gute Jan
       Böhmermann wurde lebend in seinem Hotelzimmer aufgefunden“, schrieb Kolek
       neben einem Schwarz-Weiß-Porträt mit Trauerflor – „in diesen schweren
       Stunden sind unsere Gedanken bei all jenen, die gehofft hatten, es wäre
       anders“. Koleks Drohungen richten sich auch gegen Böhmermanns Familie.
       
       Nach der Meinung von Kolek sollten nach der Regierungsübernahme durch die
       AfD die Gebäude des öffentlichen Rundfunks gesprengt werden. „Die ersten
       Panzer sind soeben am Stadtrand von Magdeburg eingetroffen. Wir rechnen mit
       der totalen Zerstörung aller GEZ Gebäude! Man hört nur einen Chor aus:
       ‚Sieg! Mund! Sieg Mund!‘“
       
       Auf Anfragen der taz reagierte Kolek nicht.
       
       Transparenzhinweis: Die Autorin wurde selbst [5][Opfer von
       Doxxing-Angriffen] des rechtsextremen Trollnetzwerks um Kolek.
       
       19 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kommunalwahl-mit-extremen-Influencern/!6201566
 (DIR) [2] /Mobbing-gegen-YouTuber/!5531281
 (DIR) [3] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/parteien/id_101196530/afd-politiker-rene-dierkes-und-der-sklave-durchsuchung-nach-schmutzkampage.html
 (DIR) [4] https://www.sueddeutsche.de/politik/kinderschutz-missbrauch-deutschland-li.3495595?reduced=true
 (DIR) [5] /Drohungen-gegen-taz-Journalistinnen/!6209162
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mieke Wolke
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt AfD
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Cybermobbing
 (DIR) Big Tech
 (DIR) Social Media
 (DIR) Twitter / X
 (DIR) GNS
 (DIR) Social-Auswahl
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Geleakte AfD-Mails: Folgen jetzt mal Konsequenzen?
       
       Zehntausende geleakte interne Mails belegen nochmals, was ohnehin im Großen
       und Ganzen bekannt ist. Was folgt jetzt daraus?
       
 (DIR) Drohungen gegen taz-Journalist:innen: Mob gegen Presse
       
       Die taz-Autor:innen Mieke Wolke und Aljoscha Hoepfner berichteten über
       Oldenburger AfD-Kommunalwahlkandidat:innen. Nun werden sie bedroht.
       
 (DIR) AfD Oldenburg vor der Stadtratswahl: Nazi-Influencerin geht, Hass bleibt
       
       Die selbsternannte „Teenage-Nazi“ Miriam Alexandra Tański ist nach einem
       taz-Bericht aus der AfD ausgetreten. Ganz freiwillig geschah das nicht.
       
 (DIR) Kommunalwahl mit extremen Influencern: Mit Rassenhass in den Rat
       
       Zwei extrem rechte Influencer treten in Oldenburg für die AfD zur
       Kommunalwahl an. Auf Social-Media-Plattformen verhöhnen sie Holocaustopfer
       – bis die taz fragt.