# taz.de -- Einigung der schwarz-roten Koalition: Tierhaltungskennzeichnung von Fleisch soll noch später kommen
       
       > Wegen EU-Bedenken will die Koalition die Kennzeichnung für
       > Schweinefleisch erst im Oktober 2027 starten. Verbindlich soll sie erst
       > ab Januar 2028 sein.
       
 (IMG) Bild: Artgerechte oder schlechte Haltung? Schweinehälften in einem Kühltransporter in Deutschland
       
       CDU/CSU und SPD wollen die verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung von
       Schweinefleisch erneut verschieben. „Die Koalition ist sich einig, dass es
       sinnvoll ist, sich die Zeit zu nehmen und die Anwendung des
       Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes auf den 1. Oktober 2027 zu verschieben“,
       erklärte der zuständige SPD-Berichterstatter Jens Behrens. Nach einer
       Übergangsfrist solle die Regelung am 1. Januar 2028 verbindlich werden.
       Behrens verwies auf EU-rechtliche Probleme. Der einflussreiche Deutsche
       Bauernverband hatte zuvor gefordert, das
       [1][Tierhaltungskennzeichnungsgesetz] abzuschaffen.
       
       Das schwarz-weiße Label sieht fünf Stufen vor: „Stall“, „Stall + Platz“,
       „Frischluftstall“, „Auslauf/Weide“ und „Bio“. Ziel der Kennzeichnung ist,
       dass die Konsumenten leichter tierfreundlichere Produkte auswählen können,
       dieses Fleisch deshalb öfter gekauft wird und am Ende mehr Tiere
       artgerechter gehalten werden. Bisher lebt das meiste Vieh unter ethisch
       umstrittenen Bedingungen.
       
       „Leider geht die EU-Kommission noch nicht mit allen Formulierungen im
       Gesetzentwurf mit“, führte Behrens aus. „Jetzt wollen wir gemeinsam mit den
       Verbänden dafür sorgen, dass alles, was notwendig ist, EU-rechtskonform
       ausformuliert wird.“ Im Dezember 2025 war der Start der Kennzeichnung
       bereits auf den 1. Januar 2027 verschoben worden. CDU-Berichterstatter
       Christoph Frauenpreiß erklärte, die EU-Kommission warte auf eine Antwort.
       „Wir wollen die Zeit und zusätzliche Expertise nutzen, um eine Antwort zu
       geben.“
       
       Die EU-Kommission kritisiert, dass das Gesetz [2][ausländische
       Kennzeichnungssysteme nicht anerkenne]. Ausländische Erzeuger müssten
       deshalb die deutschen Anforderungen erfüllen, andernfalls würde ihr Fleisch
       der niedrigsten Haltungsstufe zugeordnet. Die Behörde sieht den freien
       Warenverkehr im EU-Binnenmarkt gefährdet.
       
       ## Kritik von Tier- und Umweltschützern
       
       Die Tierschutzorganisation Provieh teilte mit, solche Bedenken hätten bei
       rechtzeitiger Hinzuziehung von Expert:innen vermieden werden können.
       „Die Leidtragenden sind nun die Schweine“, so der Verband.
       
       „Diese Hängepartie schadet allen“, sagte Greenpeace-Agrarexperte Matthias
       Lambrecht. Verbraucher wollten „seit Jahren“ wissen, wie die Tiere für im
       Supermarkt gekauftes oder im Restaurant bestelltes Fleisch gehalten worden
       seien. Bauern würden nach Investitionen in bessere Ställe „im Stich
       gelassen“, solange „Billigfleisch aus schlechter Haltung“ den Preis
       bestimme. Handel und Verarbeiter wiederum wüssten nicht, „worauf sie
       Verpackungen, Verträge und Lieferketten einstellen sollen“.
       Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) spiele „seit Monaten auf
       Zeit“ und die Union lasse „keine Gelegenheit aus, die Kennzeichnung
       auszubremsen“, kritisierte der Greenpeace-Mitarbeiter.
       
       Der Bauernverband dagegen hatte argumentiert, das bestehende Gesetz schaffe
       keinen Mehrwert zu bestehenden Haltungskennzeichen, aber zusätzlichen
       „Aufwand und Bürokratie“. Am Freitag erklärte er: „Sollte es nicht
       gelingen, das Gesetz grundlegend zu verbessern, muss es vollständig
       abgeschafft werden.“
       
       Die privatwirtschaftliche Kennzeichnung „Haltungsform“ erfasst nach Angaben
       ihrer Initiatoren bereits den weit überwiegenden Teil des Fleischangebots
       im Lebensmitteleinzelhandel. Bei Supermarktketten wie Aldi, Lidl und Edeka
       trügen mehr als 90 Prozent des dort angebotenen Fleisches die
       Kennzeichnung. Diese Unternehmen hätten einen Anteil von ungefähr 80 bis 85
       Prozent des Gesamtmarktes des Lebensmitteleinzelhandels.
       
       Anders als das geplante staatliche Logo deckt es nicht nur Schweinefleisch,
       sondern zum Beispiel auch Rindfleisch ab. Die „Haltungsform“ gibt es aber
       bisher nicht für die Gastronomie. Die wollte Rainer bislang in der
       staatlichen Kennzeichnung erfassen. (mit afp)
       
       16 Oct 2026
       
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