# taz.de -- Alkoholverbot in Bahnhöfen: Aus der Bahn genommen
       
       > Nun ist es so weit: An ungefähr 5.700 Bahnhöfen in Deutschland gilt ein
       > Alkoholverbot. Bei allen Tücken im Detail war diese Entscheidung
       > überfällig.
       
 (IMG) Bild: Vorglühen mit Limo ginge doch auch – selbst bei dieser Gruppe am dritten Wiesnwochenende 2026
       
       Autoritäre Herrschaftszeiten! Erst machen sie die süße Cola teurer, dann
       die Zigaretten, und jetzt darf man nicht einmal beim Warten auf die
       Zugfahrt mehr ein Bierchen trinken, wenn die verfluchte Bahn wie immer viel
       zu spät kommt!
       
       Was denken sich die Gesundheitspolizisten nach dem Alkoholverbot an
       Bahnhöfen als Nächstes aus? Ach ja, die Plastiksteuer. Das trifft auch die
       Bifi. Nie mehr Billigwurst! Und am Bahnsteig Durst! Wo führt das alles hin,
       wo soll das enden?
       
       Da sich die Mehrheit der Menschen ungesund ernährt und irrational verhält,
       steigt mit den zunehmenden Verboten und Verteuerungen auch die Zahl der
       potenziellen Wutbürger im Land, die nicht gegendert werden müssen, weil die
       klare Mehrheit der wutschäumenden Biertrinker eindeutig männlich ist.
       
       So wie auch die klare Mehrheit der fanatischen Wurstesser, Bahn-Basher und
       AfD-Anhänger, die für rationale Argumente unzugänglich sind. Was also lässt
       sich tun, um sinnvolle Maßnahmen trotzdem durchzusetzen? Ein
       [1][Männerverbot] wäre natürlich die einfachste Lösung, würde vermutlich
       aber noch mehr Widerstand heraufbeschwören als ein Verbot der AfD.
       
       ## Nüchtern gesehen eine Stadtbildverbesserung
       
       Wohl oder übel müssen wir es wohl mit dem guten alten Nachdenken,
       Diskutieren und Aufklären versuchen. Ein Unterfangen, das nicht ganz
       aussichtslos erscheint, weil ja auch Frauen noch wählen dürfen.
       
       Beginnen wir die Überzeugungsarbeit am besten jetzt [2][sofort mit dem
       Verbot des Alkoholkonsums, das ab 15. Oktober] an allen deutschen Bahnhöfen
       in Kraft tritt. Mit etwas Glück findet sich hierfür sogar eine Mehrheit aus
       allen polarisierten Gesellschaftsgruppen.
       
       Ein Ende des Saufens in und um die Bahnhöfe herum mit all seinen
       Begleiterscheinungen wie ordinären Tönen, Geschrei und Scherben verbessert
       höchstwahrscheinlich auch das Stadtbild, das längst nicht nur Friedrich
       Merz beklagt.
       
       Selbst die Linkspartei hat im letzten Berliner Wahlkampf mehr Sauberkeit
       versprochen, weil sie die Deutschen kennt. Der Wunsch nach mehr Ruhe, Recht
       und Ordnung in öffentlichen Räumen mag konservativ und spießig klingen,
       aber so sind die Deutschen halt. Einfach nichts zu tun und das Stadtbild so
       zu lassen, wie es ist, wäre deshalb eher nicht zu empfehlen.
       
       Im Vergleich zu dem rassistischen Ruf nach Abschiebungen, den Merz vor
       einem Jahr ausstieß, ist das Alkoholverbot an Bahnhöfen auf jeden Fall ein
       deutlich besserer Anfang, weil es nicht nach Herkunft unterscheidet und
       niemanden diskriminiert. Stattdessen hilft es allen, die durch Betrunkene
       [3][belästigt oder sogar bedroht] werden: Reisenden und Bahnangestellten.
       Wie die Erfahrungen an den Testbahnhöfen zeigen, an denen die Prohibition
       in den letzten Monaten ausprobiert wurde, gehen Krawall und Müll ohne
       Alkoholtrinker messbar zurück.
       
       Wie bei allen neuen Maßnahmen bleibt abzuwarten, wie das Alkoholverbot
       durchgesetzt wird. Natürlich liegen auch hier die Tücken in der
       Diskriminierung von Randgruppen. Obdachlose dürfen nicht einfach
       rausgeschmissen werden, ohne ihnen alternative Aufenthaltsorte anzubieten.
       Bei den Kontrollen des Alkoholverbots darf es kein Racial Profiling geben.
       Auch besoffenen Fußballfans müssen die Flaschen abgenommen werden, egal,
       woher sie kommen.
       
       Ja, es ist eher unwahrscheinlich, dass die Ordnungshüter plötzlich
       vorurteilsfrei agieren. Aber man soll die Hoffnung nie aufgeben. Friede den
       Bahnhöfen!
       
       15 Oct 2026
       
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