# taz.de -- Beseitigung von Wildwuchs am Gleis: Deutsche Bahn will wieder Glyphosat spritzen
       
       > Die Bahn hatte sich von dem Pflanzengift verabschiedet. Jetzt will sie es
       > ab 2027 wieder einsetzen, um Bahntrassen von Unkraut freizuhalten.
       
 (IMG) Bild: Hier wurde wohl länger nicht mehr gejähtet. Pflanzen im Gleis können ein großes Problem werden
       
       Im Jahr 2023 erst hatte [1][die Deutsche Bahn die Nutzung von Glyphosat
       eingestellt.] Nun hat das Bahn-Tochterunternehmen InfraGo einen Antrag zur
       erneuten Glyphosat-Nutzung beim Eisenbahnbundesamt gestellt. Stimmt das Amt
       zu, dürfte ein Drittel des Streckennetzes ab kommendem Frühjahr wieder
       [2][mit Glyphosat] behandelt werden.
       
       Das Pflanzengift von Bayer, das [3][unter dem Handelsnamen Roundup] zu
       kaufen ist, wird von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich
       krebserregend für den Menschen“ eingestuft. 2018 hatte Bayer den damaligen
       Hersteller Monsanto aufgekauft. Eine Studie aus dem Jahr 2000, die
       Glyphosat als ungefährlich einstufte, ist vergangenes Jahr von der
       Fachzeitschrift Regulatory Toxicology and Pharmacology offiziell
       zurückgezogen worden. Grund dafür waren unter anderem potenzielle
       Interessenkonflikte der Autor*innen.
       
       Die weniger umweltschädliche Alternative Pelargonsäure bezeichnet eine
       Sprecherin der DB InfraGo als „ungenügend“. Der Einsatz dieses Mittels habe
       nicht ausgereicht, um „Gleise, Weichen und Signale wirksam von
       Pflanzenbewuchs freizuhalten“. Starker Bewuchs könne die Sicht auf die
       Signale beeinträchtigen, Rettungswege einschränken oder
       Instandhaltungsarbeiten erschweren.
       
       Eine mechanische Entfernung des Unkrauts sei wiederum mit einem großen
       Bedarf an Personal verbunden und würde zu Blockierungen der
       Streckenabschnitte führen, teilte InfraGo mit. 60 Millionen Euro hatte die
       Bahn im Jahr 2025 für die sogenannte Vegetationskontrolle ausgegeben. 2020,
       als sie noch Glyphosat nutzte, waren es 9 Millionen Euro.
       
       ## Französische Bahn kommt ohne Glyphosat aus
       
       Jan Pehrke, Sprecher der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG), ist über
       den Schritt der Deutschen Bahn enttäuscht. Die französische
       Eisenbahngesellschaft SNCF zeige, dass es auch anders geht. SNCF arbeitet
       seit 2021 ohne Glyphosat. „Der französische Anbieter arbeitet mit
       Geotextilien oder baut selbst Pflanzen mit kürzeren Wurzeln an, damit das
       Gleisbett nicht aufweichen kann“, sagt Pehrke. Geotextilien werden unter
       dem Schotter der Bahntrasse verlegt. Sie sind wasserdurchlässig und
       stabilisieren das Gleisbett.
       
       „Die Bahn spricht von höheren Kosten, aber es gibt ja auch
       gesellschaftliche Kosten“, sagt Pehrke mit Hinweis auf die
       Behandlungskosten einer Krebserkrankung. Auch die Kosten für die Natur
       dürften nicht unterschätzt werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz
       (BUND) hält die Entscheidung der Deutschen Bahn für fatal. „Glyphosat
       schädigt die Biodiversität“, sagt Daniela Wannemacher, Teamleiterin
       Landnutzung beim BUND. Sie fordert eine maximal restriktive Genehmigung vom
       Eisenbahnbundesamt, sofern dieses dem Antrag der DB zustimmt.
       
       Auch die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) hatten sich 2022 bewusst für
       den Ausstieg aus der Glyphosat-Nutzung entschieden. Inzwischen ist die
       Bahngesellschaft aber dazu übergegangen, das Pflanzengift in klar
       definierten Bereichen wieder einzusetzen. Die alternativen Methoden
       reichten langfristig nicht aus, den Bereich entlang der Gleise
       freizuhalten, sagt ÖBB-Sprecher-Daniel Pinka. Dadurch könnten erhöhte
       Rutsch- und Unfallgefahren für Mitarbeiter*innen entstehen.
       
       „Thermische und elektrische Methoden befinden sich in einem frühen
       Entwicklungsstadium und sind aus diversen Gründen noch nicht bahntauglich“,
       sagt Pinka. Dabei scheitere es an mangelnder Zulassung und unzureichender
       Wirkung. „Heißwasser zeigt beispielsweise eine gute Wirkung bei
       wiederholter Anwendung“, sagt Pinka. Diese Methode benötige aber sehr viel
       Energie und Wasser.
       
       20 Oct 2026
       
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