# taz.de -- Alkoholverbot an Bahnhöfen: Nicht mein Bier
> Die Bahn plant ein Alkoholverbot an Bahnhöfen, um die Kriminalität zu
> senken. Das verlagert die Probleme nur und könnte sogar das Gegenteil
> bewirken.
(IMG) Bild: Ein Bundespolizist auf einem Bahnsteig im Hauptbahnhof München
[1][Ein Alkoholverbot an Bahnhöfen] ist aus Sicht der Deutschen Bahn
durchaus sinnvoll. Das zeigen die Erfahrungen an den Stationen, an denen
Rauschtrinken bereits untersagt ist, etwa in Frankfurt, Hamburg oder
München. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es kommt zu weniger unangenehmen
Begleiterscheinungen wie Belästigungen der Fahrgäste und des Personals oder
den unschönen Hinterlassenschaften der Trinker.
Aus Sicht des Unternehmens ist der Schritt also verständlich, soll die Bahn
doch sicherer und sauberer werden. Das Problem mit dem öffentlichen
Alkoholkonsum wird dadurch allerdings nur [2][auf Räume verlagert, die
nicht zur Bahn gehören]. So schiebt Bahnchefin Evelyn Palla es anderen zu:
den Kommunen, den Anwohnern und der örtlichen Polizei.
Zweifelhaft erscheint zudem der Effekt auf die Sicherheit des Zugpersonals.
Die Attacke eines alkoholisierten Fahrgastes auf einen Kontrolleur am
vergangenen Freitag und der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter im
Februar sind die Auslöser des Verbots. Derlei Gewaltexzesse [3][wird das
Trinkverbot an den Stationen jedoch nicht verhindern können], zumal es
lediglich auf den öffentlich zugänglichen Raum rund um die Gleise
beschränkt ist. Bei einer konsequenten Durchsetzung könnte sogar ein
gegenteiliger Effekt eintreten, etwa wenn Fußballfans sich gegen
Alkoholkontrollen und Platzverweise handgreiflich zur Wehr setzen.
Aggressive und gewaltbereite Reisende wird es wohl immer geben. Die Gefahr
für das Bahnpersonal und Mitreisende lässt sich allerdings vermindern. So
sind [4][doppelt besetzte Kontrollgänge und Bodycams] eine wirksame
Abschreckung potenzieller Täter. Am Personal wird jedoch trotz Aufstockung
noch immer zu sehr gespart.
Auch die Strafverfolgung kann abschrecken. Es muss jedem potenziellen
Gewalttäter klar sein, dass ein Tritt oder Schlag gegen Andere im Zug
Folgen hat. Der Vorschlag der Allianz pro Schiene, Bahnbeschäftigte wie
Feuerwehrleute oder Polizisten einzuordnen und so eine härtere Bestrafung
bei Übergriffen zu ermöglichen, ist eine Möglichkeit. Am Ende muss aber die
Gesellschaft abrüsten und Gewalt konsequent ächten.
21 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Wolfgang Mulke
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