# taz.de -- Deutsche Bank und Kolonialverbrechen: In Strömen von Blut und Geld
> Deutschland will keine Reparationen an Hinterbliebene des Völkermords an
> den Herero und Nama zahlen – die Geschichte aufarbeiten will es auch
> nicht. Und nun?
(IMG) Bild: Einmal mehr weigert sich Deutschland, seine Geschichte und Rolle in Genoziden anzuerkennen
Eine halbe Stunde lang am späten Mittwochabend debattierten Abgeordnete im
Bundestag darüber, ob Deutschland den Völkermord an den Herero und Nama im
heutigen Namibia offiziell anerkennen soll. [1][Die Linke fordert], wie die
Nachkommen der Ermordeten, Reparationen.
Zur Erinnerung: In „Südwestafrika“ errichtete das deutsche Kaiserreich die
ersten Konzentrationslager, um den Widerstand der enteigneten Herero und
Nama zu brechen. Dort mussten sie die Schädel ihrer Landsleute säubern, die
dann nach Deutschland für rassistische Untersuchungen geschickt wurden.
Viele starben an den Folgen von Hunger, Krankheiten und Misshandlungen in
den Lagern. 1904 [2][erließ Befehlshaber Lothar von Trotha einen
„Vernichtungsbefehl“]: Bis 1908 wurden schätzungsweise 100.000 Menschen
getötet – etwa 80 Prozent der Herero und die Hälfte der Nama.
Bis heute dürften viele in Deutschland diese Geschichte nicht kennen. Sie
spielt kaum eine Rolle an Schulen, in der Aufarbeitung von Institutionen –
oder Unternehmen. Mit dabei war zum Beispiel die Deutsche Bank – sie war
[3][an der Gründung der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika
(DKGSWA) beteiligt]. 2001 verklagten Angehörige der Herero die Bank und
zwei weitere Unternehmen vor einem US-Gericht. Sie warfen ihnen vor, die
Unterdrückung und Vernichtung der Herero und Nama finanziert
beziehungsweise davon profitiert zu haben. Die Klage [4][wurde abgewiesen],
es fehlte die Rechtsgrundlage für einen Schadensersatzanspruch.
Aber auch die Deutsche Bank hat bislang keine öffentlichen Bemühungen
gezeigt, die Geschichte aufzuarbeiten. In ihrer [5][262-seitigen Chronik
seit 1870] steht kein Wort zur Kolonialzeit. Dabei hat die Deutsche Bank
ein eigenes historisches Institut. Ihre Rolle im Nationalsozialismus hat
sie untersuchen lassen, etwa die Finanzierung vom Bau von Auschwitz.
„Ich vernichte die aufständischen Stämme in Strömen von Blut und in Strömen
von Geld“, schrieb von Trotha 1904. Woher kam das Geld?
Die Bundesregierung drückt sich vor einer Entschädigung der
Hinterbliebenen. Vor einem fast leeren Plenarsaal und Vertreter*innen
der Herero und Nama, die auf der Besuchertribüne saßen, erklärten
Christdemokraten die langjährige Linie der Bundesregierung. „Nach heutigen
Maßstäben“ sei es ein Völkermord – dafür trage Deutschland eine historische
und moralische Verantwortung. Das biete aber keine Grundlage für einen
Rechtsanspruch auf Reparationen. Eine Völkerrechtskonvention habe es ja
erst 1948 gegeben. Ohne rot zu werden, weisen sie auf die Einigung mit
Namibia hin, dass Deutschland innerhalb von 30 Jahren insgesamt 1,1
Milliarden Euro Entwicklungshilfe an Namibia zahle. 1,1 Milliarden in 30
Jahren. 2 Monate Tankrabatt haben die Bundesrepublik 1,6 Milliarden
gekostet.
Vieles an diesem Abend im Bundestag erinnert vor allem an die
offensichtliche Verdrängung der deutschen Kolonialzeit und die
Nachwirkungen, die bis heute zu spüren sind. Noch immer gehören etwa 70
Prozent des kommerziellen Agrarlandes in Namibia Nachkommen weißer Siedler.
Die deutsche Kolonialgeschichte brachte eine Architektur der Vernichtung
voran, der sich nur 30 Jahre später die Nationalsozialisten bedienten. Die
systematisch verbreitete rassistische Ideologie, welche die Ausbeutung und
Vernichtung afrikanischer Menschen rechtfertigen sollte, bleibt bis heute
tief verwurzelt in der deutschen Gesellschaft – auch weil sie nicht
aufgearbeitet wurde, bietet sie weiterhin den Nährboden für rechte
Narrative.
17 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Deutscher-Voelkermord-in-Namibia/!6221578
(DIR) [2] /Anwaeltin-ueber-Abkommen-zum-Voelkermord/!6076664
(DIR) [3] https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1354066120938833#bibr33-1354066120938833
(DIR) [4] https://law.justia.com/cases/federal/appellate-courts/cadc/03-7110/03-7110a-2011-03-24.html
(DIR) [5] https://www.db.com/who-we-are/history/DB-CHRONIK-DEUTSCHE-BANK-1870-2020.pdf
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
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