# taz.de -- Deutscher Völkermord in Namibia: „Gerechtigkeit und Reparationen“
       
       > Linke und Grüne beantragen im Bundestag die Anerkennung des deutschen
       > Völkermordes an Herero und Nama. Deren Vertreter loben die Übernahme von
       > Verantwortung.
       
 (IMG) Bild: Hochrangige Vertreter der Volksgruppen Ovaherero und Nama aus Namibia auf der Pressekonferenz
       
       Im Bundestag starten Linke und Grüne an diesem Mittwoch einen erneuten
       Versuch: Sie wollen, dass Deutschland den Völkermord an den namibischen
       Volksgruppen der Herero und Nama im damaligen Deutsch-Südwestafrika
       offiziell anerkennt. Die Anträge der beiden Parteien stehen am
       Mittwochabend als letzter Punkt auf der Tagungsordnung eines langen
       Sitzungstages.
       
       [1][Die Grünen verlangen] in ihrem Antrag die Anerkennung des Völkermordes
       in den Jahren 1904 bis 1908 und die Übernahme der „historischen und
       moralischen Verantwortung“ durch den Bundestag. Ihr Antrag vermeidet aber
       Forderungen nach Reparationen. Er fordert die Bundesregierung lediglich
       auf, sich „offiziell zu entschuldigen und um Vergebung zu bitten“. Eine
       Kommission solle weitere Schritte ausarbeiten und „berücksichtigt
       Perspektiven der vom Völkermord betroffenen Gemeinschaften“, heißt es.
       
       Anders bei den Linken. [2][Auch die fordern zwar, dass der Bundestag die
       Verbrechen] „unmissverständlich, bedingungslos und vollumfänglich als
       systematische Völkermorde“ anerkennt. Weiter fordern sie aber, dass sich
       der Bundestag „für wiedergutmachende Gerechtigkeit und Reparationen an die
       nachkommenden Angehörigen der Opfer“ einsetzt. Die Bundesregierung solle
       „die volle historische Verantwortung und die rechtliche Haftung“ übernehmen
       und einen „neuen Mechanismus“ für Wiedergutmachung direkt mit den
       betroffenen Gemeinschaften erarbeiten und umsetzen.
       
       ## Vorherige Erklärungen scheiterten
       
       Linken-Abgeordnete Charlotte Neuhäuser hatte den aktuellen Antrag gemeinsam
       mit den Vertretern der Herero und Nama erarbeitet. Auf einer gemeinsamen
       Pressekonferenz mit den aus Namibia angereisten traditionellen Führern der
       Herero und Nama in Berlin am Mittwoch, sagte Neuhäuser: Der Antrag sei eine
       Konsequenz aus dem Scheitern der [3][„Gemeinsamen Erklärung“ der
       Regierungen Deutschlands und Namibias] vom Mai 2021. Damals hatte die
       Bundesregierung anerkannt, dass die damaligen „Ereignisse“ „aus heutiger
       Sicht als Völkermord“ gelten und Deutschland eine „moralische“
       Verantwortung anerkenne. Namibia wurden zwar 1,1 Milliarden Euro über
       dreißig Jahre für Entwicklungsprojekte bei den betroffenen Gemeinschaften
       zugesagt. Aber keine juristische Anerkennung eines Völkermordes, keine
       Reparationen, kein Dialog mit den Überlebenden – die Erklärung stieß in
       Namibia auf Ablehnung und wurde nie ratifiziert.
       
       „Entwicklungshilfe ist kein Ersatz für umfassende Wiedergutmachung“, sagte
       jetzt in Berlin Mutjinde Katjiua, Sprecher der [4][OvaHerero Traditional
       Authority (OTA)] in Namibia. David Tim Frederick, Sprecher der [5][Nama
       Traditional Leaders Association (NTLA)], lobte den Antrag der Linken als
       „Schritt in Richtung einer Übernahme von Verantwortung“. Nötig seien drei
       Dinge: Anerkennung, Entschuldigung, Reparationen.
       
       Nachverhandlungen scheitern seit der Erklärung 2021 an der Frage, wer
       verhandeln soll. Die deutsche Regierung sieht ausschließlich Namibias
       Regierung als Verhandlungspartner, die anerkannten Vertretungen von Herero
       und Nama wollen aber für sich selbst sprechen. Zugleich ist die
       Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit auf der politischen
       Tagesordnung insgesamt weit nach unten gerutscht. Während im
       [6][Koalitionsvertrag 2021] noch von einer „Aussöhnung mit Namibia“ als
       „unverzichtbare Aufgabe“ die Rede war, taucht Namibia im
       [7][Koalitionsvertrag 2025] gar nicht mehr auf.
       
       Dass die beiden Anträge etwas bewegen, sofern sie überhaupt verabschiedet
       werden, erwarten die Initiatoren nicht. Sie dürften in den Auswärtigen
       Ausschuss überwiesen werden. Der Hamburger Kolonialhistoriker Jürgen
       Zimmerer findet aber allein die Debatte wichtig. „Gerade in diesen Zeiten,
       in denen alle gebannt auf die AfD starren, die dezidiert gegen jede
       (selbst)kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte
       ist, ist es wichtig, den Herero und Nama, ja der Welt zu zeigen, es gibt
       noch ein anderes Deutschland“, teilte er in einem Statement mit.
       
       14 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://dserver.bundestag.de/btd/21/085/2108541.pdf
 (DIR) [2] https://dserver.bundestag.de/btd/21/085/2108540.pdf
 (DIR) [3] https://www.parliament.na/wp-content/uploads/2021/09/Joint-Declaration-Document-Genocide-rt.pdf
 (DIR) [4] https://www.facebook.com/groups/712992288767165/
 (DIR) [5] https://www.facebook.com/NTLA2/
 (DIR) [6] https://www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Koalitionsvertrag/Koalitionsvertrag_2021-2025.pdf
 (DIR) [7] https://www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
       ## TAGS
       
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