# taz.de -- Protest gegen Rechenzentren in den USA: Big Data, big Protest
       
       > In den USA entstehen riesige Rechenzentren. Doch auch der Protest gegen
       > die Megabauten wächst – und wird vor den Midterms zum wichtigen
       > Wahlkampfthema.
       
 (IMG) Bild: Nicht so nette Nachbarschaft: Wohnhaus und benachbartes Rechenzentrum in Sterling, Virginia
       
       Vor den Toren der US-Hauptstadt Washington, im US-Bundesstaat Virginia,
       liegt die Kleinstadt Ashburn. Etwas mehr als 46.000 Einwohner leben hier.
       Die Menschen ziehen hierher, um dem hektischen Treiben der US-Hauptstadt zu
       entkommen. Sie suchen Natur, Land und Gemeinschaft. Es ist ein Ort, um eine
       Familie zu gründen oder seinen Ruhestand zu genießen.
       
       Doch dieses Ashburn scheint bedroht. Mit 133 existierenden Rechenzentren
       ist Ashburn das Epizentrum von Data Center Ally, wie die Region im
       Landkreis Loudoun County auch genannt wird. Im gesamten Landkreis sind es
       bereits mehr als 250 Rechenzentren, mit mehr in Planung.
       
       Für die einen sind Rechenzentren ein Zeichen der US-amerikanischen
       Technologiedominanz und ein wirtschaftlicher Zukunftsfaktor. Für die
       anderen sind sie unästhetische Bauklötze, die die eigene Gesundheit
       beeinträchtigen, übermäßig Ressourcen verbrauchen und die Umwelt schädigen.
       In jedem Fall aber sind die Rechenzentren eins: eines der beherrschenden
       Wahlkampfthemen vor den Midterms, den Zwischenwahlen für den Kongress, im
       November.
       
       Es gibt eine wachsende Zahl von Menschen in Ashburn, die Proteste gegen die
       Rechenzentren organisiert. Sie schreiben an zuständige Politiker und reden
       mit Medienvertretern. Eine von ihnen ist die 59-jährige Vicky Hu. Die
       Immobilienmaklerin lebt seit mehr als 20 Jahren in Ashburn.
       
       ## „Not in my backyard“
       
       Bereits im Vorgarten ihres Hauses ist zu erkennen, wie sie über
       Rechenzentren denkt. Mehrere kleine Plakate stecken dort im Gras: „No Power
       Lines Near Homes“ steht darauf, oder: „Not in my backyard“.
       
       Vicky Hu ist gegen eine geplante Hochspannungsleitung, die das regionale
       Energieunternehmen Dominion Energy bauen will, um die energieintensiven
       Datenzentren mit dem nötigen Strom zu versorgen. Eine der vorgeschlagenen
       Strecken würde die neue Hochspannungsleitung direkt hinter dem Haus von Hu
       vorbeiführen.
       
       „Wir haben genug davon. Sie zerstören das Zuhause der Menschen. Sie
       zerstören die Umwelt, verschmutzen die Luft und unser Trinkwasser. Sie
       wollen uns erzählen, das geschehe zu unserem Wohl. Ich habe davon keinen
       Nutzen“, sagt Hu.
       
       Dominion Energy plant eine 500-Kilovolt-Hochspannungsleitung. Die neuen
       Hochspannungsmasten würden eine Höhe von 56 Metern haben. Neben Hus Garten
       würde die neue Trasse auch über ein Schulgelände führen. Das geht vielen
       Anwohnern zu weit.
       
       Auch Greg Pirio leidet unter dem Rechenzentrenboom. Nur 140 Meter Luftlinie
       von seinem Haus in Sterling – einem Nachbarort von Ashburn – entfernt,
       wurde schon ein Rechenzentrum errichtet.
       
       Nachdem der graue Klotz im vergangenen Jahr den Betrieb aufgenommen hatte,
       ist Pirios Lebensqualität stark gesunken.
       
       „Dieses Rechenzentrum ist nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.
       Es verfügt über ein eigenes Kraftwerk mit 8 Gasturbinen, die rund um die
       Uhr laufen. Wenn es Probleme bei der Stromversorgung gibt, wie es jüngst
       der Fall war, springen 55 Dieselnotstromaggregate an“, erklärte der
       75-jährige Pirio. Die Abgase der Turbinen und Dieselaggregate verursachten
       bei ihm Atemwegsprobleme und trockene Augen.
       
       ## Ein Surren auch drinnen im Haus
       
       Neben der Luftverschmutzung beklagt Pirio den Lärm, den die Turbinen und
       Notstromaggregate erzeugen. Es ist auch bei normalem Betrieb ein ständiges
       Surren zu hören, selbst wenn Pirio drinnen im Haus ist.
       
       „Wenn ich mich längere Zeit im Freien aufhalte, bekomme ich davon
       Kopfschmerzen. Es bringt also einige gesundheitliche Belastungen mit sich.
       Dass es möglich war, eine solche Anlage in unmittelbarer Nähe von
       Wohnhäusern zu errichten, ist schlicht unfassbar“, beklagt sich Pirio.
       
       Tatsächlich ergab auch eine [1][Untersuchung des regionalen Piedmont
       Environmental Council in Virginia] aus dem März, dass Emissionen aus der
       fossilen Stromerzeugung für die Rechenzentren in Loudoun County
       „gesundheitsbedingte Schäden in Höhe von 53 bis 99 Millionen US-Dollar pro
       Jahr verursachen könnten“. Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vor
       allem durch Feinstaub verursacht, seien ein Faktor.
       
       Es sind diese Umstände und die bisherige Untätigkeit von Kommunal-, Landes-
       und Bundespolitik, die Rechenzentren in den letzten Jahren zu einem
       politischen Brennpunktthema gemacht haben.
       
       Besonders Stromkosten sind zu einem Zeitpunkt, in dem viele Menschen
       bereits mit höheren Kosten im Alltag konfrontiert werden, ein großer
       Kritikpunkt. „Wir sprechen hier von einer unvorstellbaren Größenordnung:
       Die Menge an Rechenzentren, die bereits vereinbart, geplant oder in der
       Entwicklung sind, bedeutet, dass wir das Stromnetz – zumindest in Virginia
       – verdreifachen müssten“, sagt Lauren Bridges von der University of
       Virginia, die dort das Date Center Policy Database Project leitet. Also
       neue Kraftwerke, neue Trassen.
       
       ## Die Strompreise steigen
       
       Eine unabhängige Untersuchung für den größten Stromnetzmarkt des Landes,
       der 13 US-Bundesstaaten umfasst, darunter Virginia, hat gezeigt, dass die
       Großhandelsstrompreise im ersten Quartal dieses Jahres um 76 Prozent höher
       waren als zum gleichen Zeitraum im Vorjahr. In Virginia liegt der
       durchschnittliche Strompreis aktuell bei etwas mehr als 18 Cent pro
       Kilowattstunde. Und die Preise dürften noch weiter steigen, sagt der
       Bericht voraus.
       
       Sowohl die Bundesregierung des republikanischen US-Präsidenten Donald Trump
       als auch die Landesregierung in Virginia unter der Führung der
       demokratischen Gouverneurin Abigail Spanberger haben erkannt, dass es
       Veränderungen braucht. Spanberger will unter anderem erreichen, dass
       Virginia ein Gesetz zu Lärmschutzvorschriften für Rechenzentren
       verabschiedet. Ein wichtiger Schritt war 2025 auch die Neueinstufung von
       Rechenzentren: Sie gelten in Loudoun County nicht mehr als normale
       Bürogebäude, was die Auflagen- und Genehmigungspflichten für Betreiber
       erhöht.
       
       Aber auch Spanberger versucht wie viele ihrer Kolleg*innen, den Spagat
       zwischen Big-Tech-Lobby und Bürgerbefriedung: Den Bau von Rechenzentren
       verhindern will sie nicht.
       
       Im Gegensatz zu so vielen anderen Themen in der US-Politik handelt es sich
       beim Thema Rechenzentren weniger um einen Fall von Demokraten gegen
       Republikaner. Es ist ein parteiübergreifendes Thema, das Menschen mit
       unterschiedlichen politischen Meinungen vereint.
       
       „Es geht uns um die Lebensqualität, um unsere Gesundheit – und ich vermute,
       dass manche Leute, die ich aus unserem Protest kenne, wahrscheinlich
       konservativer eingestellt sind als ich, aber das spielt keine Rolle, weil
       wir einfach über unsere gegenseitige Fürsorge sprechen. Das ist wirklich
       schön. Man empfindet dabei eine gewisse Freude und ein Gefühl der
       Verbundenheit“, sagt Pirio.
       
       ## Nur während der Bauphase ein Jobmotor
       
       Befürworter von Datenzentren verweisen oft auf Arbeitsplätze und
       Steuereinnahmen als Gründe für den Ausbau. Während der Bauphase sind
       Rechenzentren durchaus ein Jobmotor, doch nach der Inbetriebnahme, fällt
       die Zahl der Arbeitsplätze drastisch.
       
       Denn aufgrund der hohen Automatisierung in den Rechenzentren arbeiten dort
       im Schnitt nur etwa 20 bis 30 Personen pro 100 Megawatt. Die
       durchschnittliche Größe von Rechenzentren in Loudoun County liegt bei 30
       bis 200 Megawatt. Dies geht aus einer Studie der Oklahoma State University
       hervor.
       
       Den großen Unterschied machen also die Steuereinnahmen. In Loudoun County
       sind die jährlichen Steuereinnahmen, die auf Rechenzentren erhoben werden,
       von etwa 330 Millionen Dollar im Jahr 2020 auf über 1 Milliarde
       angewachsen.
       
       In diesem Jahr rechnet der Landkreis mit Einnahmen von knapp 1,4 Milliarden
       Dollar. Mit dem Geld kann der Landkreis einiges unternehmen. Tatsächlich
       wurde die Grundsteuer gesenkt. Das Geld wurde zudem für den Bau neuer
       Schulen, den Ausbau von Straßen und zur Verbesserung der Rettungsdienste
       verwendet. Auch ein erst kürzlich eröffnetes neues Freizeit- und
       Gemeindezentrum in Ashburn wurde damit finanziert.
       
       Jennifer Huddleston vom wirtschaftsliberalen Cato Institute verweist aber
       auch noch auf den globalen technologischen Wettbewerb, und das nicht nur im
       Bereich der künstlichen Intelligenz.
       
       „Ich halte es für wichtig, Rechenzentren als Infrastrukturprojekte zu
       betrachten. Wir können die größten Erfinder und Ingenieure der Welt haben,
       aber ohne Zugang zu den Werkzeugen könnten sie keine Innovationen
       hervorbringen“, sagt sie.
       
       Auch Trump betont bei jeder Gelegenheit, die USA dürften beim KI-Boom nicht
       ins Hintertreffen geraten, den Vorsprung vor der Konkurrenz aus China nicht
       verlieren. Offensiv wirbt er für den Bau neuer Datenzentren und jede
       Gemeinde, die sich dagegen sträube, verpasse die Zukunft und spiele der
       chinesischen Konkurrenz in die Hände. Doch die US-amerikanische Bevölkerung
       sieht das anders. Mehr als 70 Prozent sind gegen die Datenzentren und das
       quer über Parteigrenzen und soziale Schichten hinweg. Der Journalist George
       Packer schreibt in einem Artikel für The Atlantic, dass das einzige andere
       Thema, das Amerika so geeint habe, [2][der Epstein-Skandal] war.
       
       Es gibt zwar Initiativen wie das Ratepayer Protection Pledge. Diese,
       allerdings nur freiwillige, Selbstverpflichtung der US-Bundesregierung
       will, dass Technologieunternehmen und die Betreiber von Rechenzentren die
       benötigte Energieerzeugung und Netzinfrastruktur vollständig selbst
       finanzieren. Ein Gesetzesentwurf, der Betreiber tatsächlich verpflichten
       würde, die Stromerzeugungskosten für Rechenzentren mit einer Größe von 100
       Megawatt selbst zu übernehmen, wurde im Repräsentantenhaus verabschiedet.
       Der Senat hat noch nicht darüber abgestimmt.
       
       Für Menschen wie Greg Pirio ist dies trotzdem nicht genug: „Wenn
       diejenigen, die diese Entscheidungen treffen, dort leben müssten, wo ich
       lebe, hätten sie eine andere Meinung – denn was ist wichtiger: die
       Gesundheit von Menschen oder die Gewinne dieser Konzerne?“
       
       Ortswechsel. Das Hudsontal, Upstate New York. Eigentlich eine perfekte
       US-amerikanische Kleinstadtidylle: Drei aneinanderliegende Baseballfelder
       für die Little League, die Liga für Kids von 4 bis 16 Jahren, umgeben von
       einem Tannenwäldchen. Dahinter ein See, dessen spiegelglatte Oberfläche die
       Sonnenstrahlen durch die Bäume tanzen lässt. Am Wochenende wird es voll
       hier, da finden manchmal zwei bis drei Spiele gleichzeitig statt und die
       Eltern und Großeltern kommen, um die Kleinen anzufeuern und sich über die
       Belange des Ortes Orangeburg zu unterhalten.
       
       ## „Der erste posthumane Gebäudetyp“
       
       Doch das Bild wird brutal durchbrochen von einem monströsen grauen
       Betonkoloss, der direkt hinter dem Zaun aus einem gerodeten Waldstück
       wächst. Er hat die Größe eines Straßenblocks von New York, ist fensterlos
       und unheimlich und brummt monoton und bedrohlich vor sich hin. Es ist ein
       Datenzentrum der Firma Data Bank und man versteht sofort, warum der
       Architekturkritiker Edwin Heathcote Datenzentren als den „ersten echten
       posthumanen Gebäudetyp“ bezeichnet hat. Nicht nur beherbergt das Innere
       dieser Kolosse ausschließlich Maschinen. Sie stellen auch nach außen
       keinerlei Beziehung zu Menschen oder zu ihrer Umgebung her.
       
       Für Chris K. gehört das Ding jedenfalls nicht hierher, mitten nach
       Orangeburg, einer Ansammlung historischer und moderner Wohnsiedlungen mit
       einem kolonialen Ortskern. „Das macht überhaupt keinen Sinn“, sagt er und
       schüttelt den Kopf, während er auf einer der Holztribünen über die
       Baseballfelder schaut.
       
       Chris ist Mitte 40, sportlich und eigentlich nicht sonderlich politisch. Er
       gehört keiner der beiden Parteien an, „manche meiner Meinungen sind links,
       manche eher konservativ“. Als der Unternehmensberater vor sechs Jahren aus
       New York City hierherzog, wollte er nur eins: mit seinen Kindern weg aus
       der während der Pandemie langsam verwahrlosenden Großstadt. Doch seit mehr
       als zwei Jahren macht er in seiner Freizeit kaum etwas anderes mehr als
       Politik. Er geht auf Stadt- und Bürgerversammlungen, sammelt
       Unterschriften, organisiert Demonstrationen. Sogar einen Anwalt bezahlt er
       gemeinsam mit seinen Mitstreitern.
       
       Chris ist Mitbegründer der Data Center Crisis Coalition des Rockland
       County, der mittlerweile auch Umweltorganisationen wie der Sierra Club und
       das Widerstandsnetzwerk Indivisible angehören. Der Bezirk mit seinen rund
       300.000 Einwohnern ist in den vergangenen Jahren zu einem Magneten für
       Datenzentren geworden. Fünf Stück sind in dem Landkreis seit 2013 gebaut
       worden, darunter eins für den Wall Street Giganten JP Morgan, eins für den
       Finanznachrichtendienst Bloomberg. Drei weitere sind geplant.
       
       Der derzeitige Streit entzündet sich an einer Erweiterung des Datenzentrums
       zwischen den Baseballplätzen und dem Lake Tappan, der nicht nur
       Naturschutzgebiet, sondern auch Trinkwasserreservoir ist. „Wenn da bei
       einem Brand Giftstoffe in den See kommen, ist das Wasser bis runter nach
       New York City verseucht“, sagt Chris. Davon abgesehen wären sein Grundstück
       und die seiner Nachbarn dann vollkommen von den posthumanen Festungen
       umzingelt. „Da brennen die ganze Nacht Scheinwerfer, abends gehen die
       Dieselgeneratoren an und machen Lärm und stinken.“ So hatte er sich das
       Leben auf dem Land nicht vorgestellt, als er aus dem lauten, dreckigen
       Brooklyn geflohen ist.
       
       George Packer schreibt in seinem Artikel, dass 2026 das Jahr der „großen
       Datenzentrenrebellion“ werde. Das Jahr werde als dasjenige in die
       Geschichte eingehen, in dem sich Amerikaner wie schon häufiger in der
       Geschichte vereint gegen den „Fluch der Größe“ auflehnen, wie der berühmte
       Trust-Bekämpfer Louis Brandeis es einst nannte. Gegen Kräfte, die wie einst
       die Kartelle außer Kontrolle geraten sind und dem Bürger jegliche
       Selbstbestimmung rauben.
       
       ## Schmerzliche Machtlosigkeit
       
       Diese Machtlosigkeit spüren Chris K. und die Bürger von Rockland County
       gerade schmerzlich. Die Entscheidung des Landkreises, aggressiv
       Datenzentren anzulocken, wurde über ihre Köpfe hinweg getroffen. Die
       zuständige Körperschaft, der Planning Board des Kreises, drückte die
       Genehmigungsverfahren im Eiltempo durch. Für das Monstrum am Baseballplatz,
       so Chris K., habe es praktisch keine nennenswerte
       Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben. Immerhin haben die Anwälte der
       Crisis Coaltion erreicht, dass für die zweite Phase des Projekts nun alle
       Verfahren eingehalten werden.
       
       Am meisten ärgern die Menschen von Rockland jedoch die enormen
       Steuervorteile, die den Bauherren der Zentren zugeschustert wurden. Die
       Watchdog-Gruppe Reinvent Albany hat ausgerechnet, dass die Steuerzahler von
       Rockland die Datenzentren mit insgesamt 321 Millionen Dollar
       subventionieren. Der größte Batzen ging an JP Morgan mit 112 Millionen.
       Insgesamt, rechnet Reinvent Albany vor, sei jeder durch die Zentren
       geschaffene Arbeitsplatz mit mehr als 1 Million subventioniert. Und dabei
       seien nicht einmal die verbilligten Strompreise eingerechnet. Die
       Datenzentren erhalten den Strom zu einem Bruchteil des Preises, den der
       Durchschnittsverbraucher zahlen muss.
       
       Das alles riecht nach Hinterzimmerdeals zwischen Politikern und Konzernen
       und nach Filz. So ist etwa der Chef der Behörde, die in Rockland
       Baugenehmigungen erteilt, gleichzeitig der Boss der Baugewerkschaft. Die
       Bauarbeiter in Rockland sind wiederum die Einzigen, die wirklich von den
       Zentren profitieren. Jetzt kandidiert der Chef der Baubehörde für einen
       Posten im Staatssenat.
       
       Der breite, parteiübergreifende Unmut über die Datenzentren ist den
       Politikern kurz vor den US-Zwischenwahlen am 3. November freilich nicht
       entgangen. Im Wahlkampf um den Kongresssitz von Rockland sind sie das
       zentrale Thema, und beide Kandidaten versuchen sich eifrig davon zu
       distanzieren. Beinahe eine halbe Stunde ihrer TV-Debatte ging dafür drauf,
       der Ton war hitzig.
       
       Der amtierende Abgeordnete, der Republikaner Mike Lawler, behauptete, er
       sei nur für den Ausbau von Datenzentren, wenn sie unter dem Strich den
       Bürgern zugutekämen. Seine Gegnerin, Cait Conley, sagte das Gleiche, wies
       aber darauf hin, dass Lawler im Kongress nicht nur für Steuervorteile für
       den Bau von Datenzentren und gegen deren Regulierung gestimmt, sondern auch
       Wahlkampfspenden aus der Technologiebranche angenommen habe. Lawler
       konterte, dass Conley als Beraterin für KI-Firmen wie Palantir gearbeitet
       habe.
       
       Fest steht, dass kaum ein Politiker, außer Trump, sich mehr traut, offen
       für Datenzentren einzutreten. Der Zorn auf die Übermacht von Big Tech läuft
       quer durch die politische Landschaft der USA. Chris K. traut jedenfalls
       keinem der beiden Kandidaten. „Transparenz bekommen wir nur, wenn wir nicht
       lockerlassen und weiter Druck machen“. Mit Petitionen und Demonstrationen
       und Rechtsgutachten wollen Chris und seine Mitstreiter erreichen, dass
       Auflagen zu Umweltverträglichkeit künftig eingehalten werden. Dass
       Rechenzentren keine öffentliche Förderung mehr bekommen. Egal, wer im
       November gewählt wird, sagt Chris, sie werden nicht aufhören.
       
       15 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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