# taz.de -- Puppentheater löst toxische Männlichkeit: Problematische Männer werden zu Weltraummüll
> In der Schaubude fragt das Puppenensemble Lovefuckers nach dem Umgang mit
> toxischer Männlichkeit. Die Lösung? Ein Wettbewerb, bei dem die Gewinner
> ins All geschossen werden.
(IMG) Bild: Das Ensemble „Lovefuckers“ sucht in „Galaxy Men“ mit Puppenspiel nach einer schnellen, effektiven Lösung für toxische Männlichkeit
Die Männer müssen weg, da ist sich der Rat der hohen Tiere im Universum
sicher. Die hohen Tiere, das sind Papagei, Hai, Wolf und drei Babys,
allesamt Handpuppen im Theaterstück „Galaxy Men“ an der Schaubude Berlin,
schauen auf die aktuelle Weltlage runter und müssen nicht lange überlegen.
Schon klar, nicht alle Männer sind schuld am sich anbahnenden
Weltuntergang, aber immerhin ist die eindeutige Mehrheit der
Regierungsoberhäupter Männer, und sie führen die meisten Kriege und
Konflikte an.
Wie kann man sich also um dieses doch so eindeutige Problem kümmern? Am
besten – so erscheint es dem Rat – sollten die toxischen Männer ins All
geschossen werden, wo sie einen langen, einsamen und qualvollen Tod
sterben. Einfacher gesagt jedoch als getan, denn solche Männer tun nicht so
gern, was man ihnen sagt; dann kommt den hohen Tieren die zündende Idee:
Ein Wettbewerb muss her, bei dem sich zeigen soll, wer der Beste ist im
Toxisch-männlich-Sein. Schließlich lieben Männer es, der Beste bei etwas zu
sein, egal worum es sich dabei handelt.
Gespielt werden die Puppen vom Ensemble [1][„Lovefuckers“], bestehend aus
Anna Menzel, Ivana Sajević und Annemie Twardawa. Die drei sind auch auf
einer Videoprojektion in jeder Umbauphase zu sehen; ein KI-generiertes
Video zeigt sie immer wieder in hautengen Ganzkörperanzügen in
Metallic-Optik, wie sie von Yachten ins Wasser springen, Hochhäuser
erklimmen, durch Wüsten stolzieren und aus Hubschraubern springen.
Menzel, Sajević und Twardawa spielen auch die Moderatorinnen des
Wettbewerbs, der wie eine Fernsehsendung gestaltet wird, komplett mit
KI-generiertem Logo und KI-generierten Zwischentiteln. Das Stück gliedert
sich in die Suche nach geeigneten Kandidaten und den eigentlichen
Wettbewerb, der aus zwei Herausforderungen besteht: einem Parcours und
einem Persönlichkeitstest. Der Wettbewerb punktet zwar durch humorvollen
Dialog, verliert sich jedoch in der Repetition des immer gleichen Ausgangs
und tendiert dazu, sich so in die Länge zu ziehen.
## Auch die unproblematischen Männer finden einen Platz
Zwei Tanz- und Gesangeinlagen von Menzel, Sajević und Twardawa als
Puppen-Boyband „Fake That“, mit ihrem Lied „Incel“, überzeugen mit präzise
abgestimmter und dynamischer Choreografie. Dafür haben sie sich ab der
Hüfte ihre Puppen umgeschnallt, sodass sie hinter den oberkörperfreien
Boyband-Sängern verschwinden und es aussieht, als ob die Puppen Menschen
wären, die von alleine geschmeidig zur Musik tanzen.
Um die Kandidaten kennenzulernen, bekommt das Publikum durch kleine Szenen
Einblicke in deren alltägliches Leben. Da gibt es zum Beispiel den kleinen
Moe, der einsam und ziellos am Handy [2][Looksmaxxing-Videos] schaut, bis
ihn Andrew Great, angelehnt an den rechten Manosphere-Influencer [3][Andrew
Tate], davon überzeugt, dass er nur genug Klimmzüge machen müsse, dann
klappe das auch „mit den Bitches“.
Prince Andrew und seine Adelsfreunde gehen im Wald vom Aussterben bedrohtes
Wild jagen und freuen sich darüber, dass der Adel sein Erbe nur über die
männliche Linie erhalten kann. Drei Ken-Puppen lassen sich ihren lasziven
Lifestyle von „Daddy“ finanzieren und verstecken ihre Queerness, aus Angst,
enterbt zu werden. Alle Puppen sind nackt, ihre Körper lang, rund oder
übertrieben durchtrainiert dargestellt.
Auch die unproblematischen Männer finden einen Platz. Als Nachzügler nimmt
Berti am Wettbewerb teil; er arbeitet in der Reinigung für die Show und
scheint am ganzen Macho-Gehabe nicht interessiert zu sein. Zum Glück
verliert er und muss nicht ins All geschossen werden. Zusammen mit Moe
bleibt er auf der Erde übrig. „Schöne Aussicht“, sagt Berti zum Abschluss
und der Rat antwortet „Ja, schöne Aussichten.“
11 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ann Toma-Toader
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