# taz.de -- Reaktionen zum Literaturnobelpreis: „So schön gelenkig“
       
       > Die kanadische Lyrikerin Anne Carson gewinnt den Nobelpreis in Literatur.
       > Auf der Frankfurter Buchmesse findet ihre Übersetzerin Marie Luise Knott
       > lobende Worte für sie.
       
 (IMG) Bild: „Ich übersetze nur Anne Carson, weil mich ihr Werk interessiert“
       
       Wenige Minuten nach 13 Uhr tummeln sich die ersten Journalist:innen vor
       dem Stand von Matthes & Seitz auf der Frankfurter Buchmesse. Der Berliner
       Verlag hat mehrere Bücher von Anne Carson veröffentlicht. Gerade hat Ingrid
       Carlberg, Ständige Sekretärin der Schwedischen Akademie, in Stockholm
       verkündet, dass die kanadische Lyrikerin in diesem Jahr mit dem
       Literaturnobelpreis geehrt wird.
       
       Es dauert nicht lang, dann trifft auch Marie Luise Knott am Stand von
       Matthes & Seitz ein. Sie spricht schnell: „Ich bin eigentlich Autorin. Ich
       übersetze nur Anne Carson, weil mich ihr Werk interessiert. Carson ist
       wahnsinnig vielschichtig und wendet das Englische so schön gelenkig an.“
       Die Autorin hat vier Werke von Carson ins Deutsche übersetzt.
       
       ## Das Deutsche hat die Worte nicht
       
       Knott schwärmt von den Forschungen, die Carson über die griechische
       Dichterin Sappho unternommen hat. Denn Carson hat Sappho auch aus dem
       Griechischen übersetzt. „Das ist in einer Fundierung der Sprache gelandet
       und einfach toll. Ich finde das so verdient, weil ein Nobelpreis so sein
       soll, dass er wirklich Ausstrahlungen in die Welt hat“, sagt Knott.
       
       Zu ihren Carson-Übersetzungen sagt Knott: „Man kann mit dem Englischen so
       wahnsinnig viel machen. Das führt dazu, dass ich das Deutsche erweitern
       muss. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.“ Obwohl die Bücher, die sie
       übersetzt hat, nur wenige Seiten hatten, habe sie manchmal bis zu drei
       Jahre daran gesessen. Und holte sich dafür Expertise von Altphilologen ein.
       
       Auch der Verleger von Matthes & Seitz spricht. Andreas Rötzers Stimme ist
       leise, bei der Geräuschkulisse auf der Messe muss man sich konzentrieren,
       um ihn zu verstehen. Vor etwa 12 Jahren habe der Verlag die Rechte an
       Carsons Werk gesichert. Denn: „Der Text ‚Short Talks‘ und die Art von
       lyrischer Philosophie, die nichts Lyrisches im Sinne von Arbeit hat, hat
       mich spontan fasziniert“, sagt Rötzer.
       
       ## Wieder verlegt vom S. Fischer Verlag
       
       In einer anderen Halle hat der S. Fischer Verlag seinen Stand, der etwas
       größer als der von Matthes & Seitz ist. Fischer hat zwei von Carsons
       Büchern von Anja Utler übersetzen lassen: „Rot“ und „Decreation“. Verleger
       Oliver Vogel tippt Nachrichten in sein Handy. Eine Frau in grünem Blazer
       beglückwünscht ihn im Vorbeigehen, dann biegt er zum Telefonieren um die
       Ecke ab. Der taz sagt er in beschwingtem Ton: „Das ist wirklich erfreulich,
       dass es zum zweiten Mal den Fischer Verlag getroffen hat“. Im vergangenen
       Jahr erhielt der ebenfalls im S. Fischer Verlag erschienene [1][László
       Krasznahorkai den Literaturnobelpreis].
       
       „Rot“ besteht aus zwei Teilen. Wie häufig in ihren Texten geht Carson darin
       in die Antike und sucht dort die Gegenwart. „Ihr Thema ist immer die
       Gewalt. Deswegen ist sie so aktuell“, ordnet Vogel ein.
       
       8 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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