# taz.de -- Nach Schuss auf Migrant in New York: Mamdani will ICE abschaffen
       
       > Zohran Mamdani, Bürgermeister von NYC, kritisierte den Einsatz von
       > ICE‑Agenten. Am Donnerstagabend schossen sie auf einen Mann, sein
       > fünfjähriger Sohn saß daneben.
       
 (IMG) Bild: Die New Yorker fordern Schutz für Migranten und Migrantinnen – warum die Einwanderungsbehörde schoss, ist weiterhin unklar
       
       Am Donnerstagabend schossen Agenten der US-Einwanderungsbehörde ICE im New
       Yorker Stadtteil Marble Hill (Manhattan) dem dominikanischen Einwanderer
       Oscar Belgal in den Hals. Der 28-Jährige befand sich zu diesem Zeitpunkt in
       seinem Auto; sein 5-jähriger Sohn saß auf dem Rücksitz. Der Vater überlebte
       den Angriff und wurde in einem nahegelegenen Krankenhaus behandelt. Noch am
       selben Abend kam es nahe des Tatorts und an anderen Orten in New York City
       zu Protesten.
       
       Zachary Miller wohnt schon lange in der Nachbarschaft und nur wenige Meter
       vom Ort des Geschehens entfernt. „Ich war in meiner Küche, da hörte ich
       bang, bang, bang“, so Miller gegenüber der taz. Er sei rausgegangen, um zu
       sehen, was los sei. Dort habe er die Szene beobachtet. Belgal habe immer
       wieder nach seinem Kind gerufen, berichtet der Nachbar. „Meine Vorfahren
       sind jüdisch. Ich stelle mir vor, was sie durchmachen mussten, wenn ich an
       dieses arme Kind denke“, so der 55-Jährige.
       
       Oscar Belgal, der im Viertel in einer Autowerkstatt arbeitet, stand 2023
       wegen eines Raubüberfalls vor Gericht und wurde später zu fünf Jahren Haft
       auf Bewährung verurteilt. Ein weiterer Prozess wegen Drogenhandels ist noch
       offen, [1][wie die New York Times berichtete.]
       
       Homeland Security, das US-Ministerium für innere Sicherheit, bezeichnete
       Belgal in einer Nachricht auf X vom Freitag als „illegalen Einwanderer“,
       der „von rücksichtslosen Demokraten wieder in die Gemeinschaft freigelassen
       wurde“. Damit seien „amerikanische Leben“ gefährdet worden. Laut der
       Behörde habe Belgal Verbindungen zur Gang Trinitarios gehabt.
       
       Homeland-Security-Chef Markwayne Mullin bezeichnete den 28-Jährigen auf
       einer Pressekonferenz am Freitag als „einen der Schlimmsten der
       Schlimmsten“. Er verteidigte das Vorgehen der ICE‑Agenten. Diese hätten
       Belgal an der Flucht hindern wollen. Von dem Kind auf dem Rücksitz hätten
       sie nichts gewusst.
       
       Laut dem US-Nachrichtenportal Wired handelt es sich bei dem Schützen um
       Brenden Cuni, einen [2][ICE-Agenten], der bereits zuvor wegen seines
       gewalttätigen Vorgehens aufgefallen war, unter anderem in New York und
       Minneapolis.
       
       ## New Yorks Bürgermeister will ICE abschaffen
       
       [3][Zohran Mamdani, Bürgermeister von New York City], kritisierte das
       Vorgehen der ICE-Beamten noch am Abend des Vorfalls scharf. Bei einer
       Ansprache am Tatort sagte er: „ICE untergräbt die öffentliche Sicherheit.
       New York City wird nicht tatenlos zusehen, wenn ICE-Agenten New Yorker
       erschießen.“ Er fügte hinzu: „Dies ist eine Behörde, die abgeschafft werden
       muss.“
       
       Mamdani gab an, US-Präsident Trump in einem Telefongespräch um die
       Freilassung Belgals gebeten zu haben – allerdings ohne Erfolg. Belgal wurde
       nach der Behandlung im Krankenhaus in eine Haftanstalt in Brooklyn
       gebracht. Ein Bundesrichter hat seine Abschiebung vorläufig ausgesetzt.
       
       Noch am Abend kam es zu spontanen Protesten nahe des Tatorts und vor dem
       Krankenhaus, in das Belgal gebracht worden war. Einige hundert
       Demonstrierende forderten seine Freilassung. Die Polizei ging teilweise mit
       Gewalt gegen sie vor. Dabei wurde unter anderem die linke demokratische
       Politikerin Darializa Chevalier zu Boden geschlagen, wie mehrere US-Medien
       berichteten. Bei den Midterms am 3. November tritt Chevalier für den Sitz
       im Repräsentantenhaus für Nordmanhattan und Teile der Bronx an.
       
       Auch Hae-Lin Choi vom Bündnis „Hands Off NYC“ fordert, dass ICE zur
       Verantwortung gezogen wird. „Die Gewalt von ICE lenkt davon ab, dass das
       Regime nichts für die Leute tut“, so Choi am Freitagabend auf einer
       weiteren Demonstration am Foley Square in Manhattan gegenüber der taz. Die
       gebürtige Berlinerin moderiert dort die Redebeiträge, sie lebt seit fast 20
       Jahren in New York City. „Hands Off NYC“ trainiert New Yorkerinnen und New
       Yorker, sich gegen ICE zur Wehr zu setzen, klärt sie über ihre Rechte auf
       und ermutigt sie dazu, Vorfälle zu dokumentieren.
       
       ## New York City soll Schutz für Migranten bieten
       
       Choi ist froh, dass Bürgermeister Mamdani eng mit der Zivilgesellschaft
       zusammenarbeitet, um sicherzustellen, dass New Yorkerinnen und New Yorker
       geschützt werden. Die Polizei betrachtet sie hingegen skeptisch. Es
       entsteht der Eindruck, sagt Haelin Choi, dass die Polizei ICE bei ihren
       Razzien unterstütze – trotz New Yorks Status als „Sanctuary City“
       (Zufluchtsstadt), die Migrantinnen und Migranten Schutz bieten soll. „Wir
       fordern von der New Yorker Polizei, dass der Sanctuary-Status gewahrt
       wird“, so Choi.
       
       Die Einwanderungsbehörde ICE ist seit Beginn der zweiten Amtszeit von
       US-Präsident Donald Trump im Jahr 2025 vermehrt im Einsatz. Sie ist Teil
       der Strategie, massenhaft Menschen ohne reguläre Papiere ausfindig zu
       machen und abzuschieben. Laut dem US-Nachrichtensender CBS haben
       Einwanderungsagenten seitdem bislang 9 Menschen erschossen und 14 verletzt.
       Anfang 2026 hatten die Tode von Alex Pretti und Renee Goode in Minneapolis
       weitreichende Proteste ausgelöst.
       
       Zachary Miller, der Anwohner aus Marble Hill, sieht ebenfalls ein Problem
       mit irregulärer Migration, wünscht sich stärkere Einreisekontrollen und
       möchte nicht, dass Kriminelle ins Land gelassen werden. „Aber das, was ICE
       tut, ist nicht richtig“, sagt er. Auch auf Kriminelle solle nicht
       geschossen werden, vielmehr verdienten sie einen ordentlichen Prozess. Die
       allgemeine Situation in den USA bereite ihm Sorge. „Ich glaube, Trump
       versucht, ein Diktator zu werden“, so Miller.
       
       Die Recherche wurde durch ein [4][Daniel-Haufler-Stipendium] der taz
       panterstiftung ermöglicht.
       
       10 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.nytimes.com/2026/10/09/nyregion/oscar-belgal-ice-shooting-nyc.html
 (DIR) [2] /ICE-in-Texas/!6214930
 (DIR) [3] /Buergermeisterwahl-in-New-York/!6138516
 (DIR) [4] /USA-Stipendium-fuer-Journalistinnen/!vn6180153/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johanna Sagmeister
 (DIR) Fabian Schroer
       
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